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Alle Artikel · 12.06.2025 06:34

Chaource – Auf einer cremigen Käsetour durch die südliche Champagne

Willkommen in der sanft hügeligen Landschaft der südlichen Champagne, wo der Wind durch Kornfelder streicht, alte Steinhäuser den Horizont säumen und ein kleiner Ort namens Chaource mit einem ganz besonderen Schatz lockt – dem...

Willkommen in der sanft hügeligen Landschaft der südlichen Champagne, wo der Wind durch Kornfelder streicht, alte Steinhäuser den Horizont säumen und ein kleiner Ort namens Chaource mit einem ganz besonderen Schatz lockt – dem gleichnamigen Käse. Wer einmal hier war, versteht schnell: Das ist kein gewöhnlicher Käse. Das ist ein Stück gelebter französischer Geschichte, zum Anbeißen cremig.

Ein Ort wie aus dem Bilderbuch

Chaource liegt im Département Aube, rund 30 Kilometer südlich von Troyes. Die Anreise führt durch eine Bilderbuchlandschaft – kleine Dörfer mit Fachwerkhäusern, Weingärten, und immer wieder diese absolute Stille, die fast schon ehrfürchtig wirkt. Im Zentrum des Ortes angekommen, fällt sofort die charmante Kirche Saint-Jean-Baptiste auf. Ein gotisches Bauwerk mit herrlich bunten Glasfenstern, die das Licht wie gemalt durch den Raum tanzen lassen.

Wer hier durch die Gassen schlendert, spürt sofort: In diesem Ort geht es gemächlich zu. Kein Stress, keine Hektik – hier zählt der Moment. Und genau dieser ruhige Rhythmus spiegelt sich auch in der Käseherstellung wider.

Auf historischen Pfaden – Käse mit königlichem Segen

Die Geschichte des Chaource beginnt im 12. Jahrhundert. Damals brachten Zisterziensermönche aus der Abtei von Pontigny ihr Wissen über die Käsekunst in diese Region. Heute würde man sagen: Sie waren echte Influencer, nur ohne Instagram.

Die Frauen in den umliegenden Dörfern übernahmen die Herstellung – morgens Kühe melken, tagsüber Käse machen, abends reifen lassen. Eine Lebensweise, die nicht nur Arbeit bedeutete, sondern auch Identität. Und diese Identität schmeckt man heute noch bei jedem Bissen.

Spätestens im 14. Jahrhundert wurde der Chaource zum echten Star. Margarete von Burgund, Königin von Frankreich und Navarra, ließ sich regelmäßig mit dem Käse beliefern. Auch König Karl IV. war begeistert – das muss man sich mal vorstellen: Ein kleiner Dorfkäse auf königlichen Tafeln!

Die Reifung der Sinne – von der Milch zum Meisterstück

Was macht den Chaource so besonders?

Er wird aus Vollmilch lokaler Kühe hergestellt. Und zwar nur in einem eng umrissenen Gebiet – das garantiert die geschützte Ursprungsbezeichnung (AOC). Die Milch wird behutsam mit Milchsäurebakterien und Lab versetzt und darf dann über Stunden ganz langsam gerinnen. Kein Schnellverfahren, kein künstlicher Schnickschnack.

Danach wird die Masse in zylindrische Formen gegeben, in denen sie sanft abtropft. Der Käse wird leicht gesalzen und reift dann mindestens zwei Wochen in kühlen Kellern. Die äußere Schimmelrinde bildet sich ganz natürlich und ist nicht nur essbar, sondern trägt mit ihrer leicht herben Note entscheidend zum Geschmackserlebnis bei.

Innen ist der Chaource wunderbar cremig. An den Rändern weich wie ein reifer Brie, im Kern fester und leicht bröselig – diese Textur ist ein Gedicht! Im Geschmack zeigen sich Aromen von frischen Pilzen, feuchtem Laub und ein Hauch von Nuss – klingt poetisch, oder?

Auf Entdeckungstour durch Chaource

Der Spaziergang durch Chaource ist eine kleine Zeitreise. Vom Ortszentrum zur Käserei „Fromagerie Lincet“, einem der traditionsreichsten Betriebe der Region, sind es keine zehn Minuten zu Fuß. Hier kann man nicht nur zuschauen, wie der Chaource entsteht, sondern ihn auch direkt verkosten – frischer geht’s nicht!

Weiter geht’s zur Markthalle, die samstags mit regionalen Produkten lockt – Honig, Wein, Wurstwaren und natürlich jede Menge Käse. Der Weg dorthin führt vorbei an der alten Stadtmauer, deren Überreste heute noch sichtbar sind, und endet bei einer kleinen Brasserie mit einem herrlichen Blick ins grüne Umland.

Und plötzlich fragt man sich: Wieso schmeckt Käse eigentlich nirgends so wie hier?

Kultur mit Charakter

Neben dem Käse hat Chaource auch kulturell was im Köcher. Die Kirche Saint-Jean-Baptiste beherbergt eine der beeindruckendsten Grablegungsgruppen Frankreichs – eine Skulpturenszene aus dem 16. Jahrhundert, meisterhaft in Stein gehauen. Wer genauer hinschaut, entdeckt Gesichter mit echten Emotionen – traurig, nachdenklich, hoffnungsvoll.

Im kleinen Heimatmuseum „Musée du Fromage“ erfährt man mehr über die bäuerliche Lebensweise und die Entwicklung des Käses über die Jahrhunderte. Für ein Dörfchen mit kaum 1.000 Einwohnern: ganz schön viel Geschichte.

Genussmomente – Chaource trifft Champagne

In der Küche zeigt sich der Chaource vielseitig wie ein guter Freund. Ob auf einer rustikalen Käseplatte, lauwarm auf einem Salat mit Walnüssen und Birnen oder geschmolzen in einer Sauce über einem Rinderfilet – dieser Käse veredelt jedes Gericht. Lokale Spezialitäten wie die Andouillette de Troyes, eine deftige Wurst mit starkem Charakter, harmonieren überraschend gut mit der milden Cremigkeit des Chaource.

Und was trinkt man dazu?

Ein Glas trockener Champagner aus der Umgebung – klar. Oder ein Chablis, kühl serviert. Wer es etwas kräftiger mag, greift zum Rosé des Riceys – eine echte Rarität und nur hier zu finden.

Tipps für Genießer

Wer sich auf eine Chaource-Reise begeben möchte, sollte unbedingt:

  • Den Käse frisch vor Ort probieren – am besten direkt aus der Käserei.
  • Einen Abstecher nach Troyes einplanen – die mittelalterliche Altstadt ist ein echtes Juwel.
  • Ein Picknick mit Blick auf die Weinberge organisieren – mit Chaource, Baguette, Früchten und einem Glas Champagner.
  • Die Einheimischen nach ihren Lieblingsrezepten fragen – oft die besten Tipps.

Manchmal braucht es eben nur ein bisschen Käse, um das Leben in vollen Zügen zu genießen.

Ein Reisebericht von V.O.Yager

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