Covid-19: Zehntausende Demonstranten gegen “Gesundheitsdiktatur” in Frankreich

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Fast 114.000 Menschen demonstrierten nach Angaben des Innenministeriums am Samstag in mehreren französischen Städten gegen die Ausweitung der Anwendung des Gesundheitspasses oder die Impfpflicht für Beschäftigte im Gesundheitswesen, Maßnahmen, die der französische Präsident vor fünf Tagen angekündigt hatte.

“Freiheit”, “Macron Diktator”… Von Nord bis Süd waren die Slogans ähnlich. Von Marseille bis Lille und von Montpellier bis Paris demonstrierten am Samstagnachmittag des 17. Juli nach Angaben des Innenministeriums fast 114.000 Menschen in ganz Frankreich gegen die in dieser Woche von Emmanuel Macron angekündigten Anti-Covid-19-Maßnahmen, wie die Pflichtimpfung für Angehörige der Pflegeberufe und die Ausweitung des Gesundheitspasses.

Das Ministerium zählte 136 Kundgebungen mit fast 96.000 Teilnehmern in den Regionen. In Paris demonstrierten fast 18.000 Menschen.

136 Kundgebungen in ganz Frankreich

“Wir haben Zweifel an den Impfstoffen gegen Covid, es ist nicht so, dass wir glauben, die Erde sei flach, aber wir kennen die Langzeitwirkungen dieser in aller Eile zusammengeschusterten Impfstoffe nicht, die Macron uns aufzwingen will”, resümierte Rita, eine 39-jährige Pflegehelferin gegenüber France 24, die in Montpellier auf die Strasse ging, wo nach Angaben der Präfektur etwa 5.500 Menschen demonstrierten.

Am Vieux-Port in Marseille waren es nach Angaben der Polizeipräfektur etwa 4.250 Personen und in Nizza marschierten rund 1.600 Demonstranten, gelbe Westen, Gegner des Gesundheitspasses, der Impfpflicht oder des Impfens im Allgemeinen, mehrere Stunden lang durch die Innenstadt.

In der Westhälfte des Landes schien die Mobilisierung etwas geringer zu sein. In Bordeaux zählte die Präfektur, die ein Verbot für Demonstrationen im Stadtzentrum erlassen hatte, 1.200 Menschen, wobei Demonstranten an einigen Stellen den Straßenbahn- und Autoverkehr blockierten.

In Toulouse zählte die Präfektur 2.500 Demonstranten, wie auch in Metz, wo, wie auch anderswo, auf den Plakaten der Protestierenden zu lesen war: “Nein zum Nazipass”, “Falsche Pandemie, echte Diktatur” oder “Ich bin kein QR-Code”.

In Straßburg versammelte ein Protestmarsch nach Angaben der Präfektur 2.800 Menschen. Einige Menschen trugen einen gelben Stern, berichtete ein AFP-Journalist. In Nancy waren es auf dem Höhepunkt der Mobilisierung 1.200 Menschen.

In Dijon setzte die Polizei Tränengas ein und der Straßenbahnverkehr wurde kurzzeitig von Demonstranten unterbrochen, die “Freiheit! Freiheit!” skandierten.

In Lyon wurden am Rande einer nicht genehmigten Demonstration, an der fast 1.000 Menschen teilnahmen, neun Personen festgenommen, wie die Präfektur der Rhône mitteilte.

Auch in vielen anderen französischen Städten wie Quimper (400 Menschen), Perpignan (1.200), Clermond-Ferrand (1.700) oder Valence (2.300) fanden Demonstrationen statt, ebenso wie kleinere in Nantes, Saint-Étienne, Roanne oder Auxerre.

In der Hauptstadt verteilten sich mehrere tausend Menschen auf mindestens drei Kundgebungen.

Die erste Prozession, in der französische Fahnen wehten, setzte sich vom Palais-Royal in Bewegung, bevor sie die Seine überquerte, angeführt von der ehemaligen Nummer 2 des Front National Florian Philippot, der covidoskeptischen Ex-LREM-Abgeordneten Martine Wonner, dem Sänger Francis Lalanne oder der ehemaligen “Gelbwesten”-Botschafterin Jacline Mouraud. Auch einige Plakate, die den gelben Stern mit der Aufschrift “Gesundheitspass” zeigten, waren zu sehen.

Vor der Demonstration hielt Nicolas Dupont-Aignan, Vorsitzender von “Debout la France”, eine Pressekonferenz ab und prangerte nach den Ankündigungen von Emmanuel Macron einen “beispiellosen Machtmissbrauch” und einen “Gesundheitsputsch” an. Mit dem Gesundheitspass im Alltag ist seiner Meinung nach der “Beginn einer Spirale in Richtung Diktatur” zu erkennen.

“Wir sind überhaupt keine Impfgegner”

Zur gleichen Zeit demonstrierten etwa 1.500 Menschen in den Straßen des Südens der Hauptstadt in einem ungeordneten Zug, der von einem großen Polizeiaufgebot begleitet wurde. Es waren Transparente mit Parolen wie “Nein zum Gesundheitspass, Stopp der Diktatur” und “Macron Diktator” zu sehen.

“Wir sind überhaupt nicht gegen das Impfen. Wir wollen nur, dass jeder die Freiheit hat, zu entscheiden, ob er geimpft werden will oder nicht. Die PCR-Tests können ausreichen und sie sollten kostenlos sein”, sagten zwei junge Frauen gegenüber France 24.


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