Manche Tage schleichen leise durch die Geschichte, andere tragen Stiefel. Der 18. Februar gehört zur zweiten Sorte.
Beginnen wir im England des 16. Jahrhunderts. Am 18. Februar 1516 erblickt Maria I. das Licht der Welt. Tochter von Heinrich VIII. und Katharina von Aragón – eine Prinzessin, die früh lernt, wie brüchig Macht ist. Als ihr Vater sich von Rom lossagt, um eine neue Ehe einzugehen, gerät Maria zwischen die Fronten von Politik und Religion. Später besteigt sie selbst den Thron und versucht, England rekatholisieren zu lassen. Die blutigen Verfolgungen protestantischer Gegner bringen ihr den Beinamen „Bloody Mary“ ein.
Ein harter Spitzname.
Doch er erzählt mehr über konfessionelle Grabenkämpfe als über eine einzelne Frau. Der Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten prägt Europa noch Jahrhunderte – und bis heute lebt in Debatten über religiöse Identität, staatliche Neutralität und kulturelle Tradition ein Echo jener Zeit. Wer politische Macht mit Glaubensfragen verknüpft, betritt eben ein Minenfeld. Maria I. wusste das am Ende schmerzhaft genau.
Springen wir ins Jahr 1673. In Paris stirbt Molière, eigentlich Jean-Baptiste Poquelin, nach einer Aufführung seines Stücks „Der eingebildete Kranke“. Der Legende nach bricht er auf der Bühne zusammen – halb Komödie, halb Tragödie. Ein Leben im Theater, ein Tod fast im Rampenlicht.
Seine Satiren auf Heuchelei, Standesdünkel und religiösen Fanatismus wirken erstaunlich modern. Wenn heute politische Kabarettisten oder Stand-up-Comedians Machtstrukturen entlarven, stehen sie in seiner Tradition. Humor als Waffe – scharf, aber elegant geführt. Und ganz ehrlich: Manchmal trifft ein guter Witz härter als eine flammende Rede.
Der 18. Februar 1861 markiert einen Wendepunkt auf einem anderen Kontinent. In Montgomery wird Jefferson Davis als Präsident der Konföderierten Staaten vereidigt. Die Südstaaten haben sich von den Vereinigten Staaten abgespalten, der Bürgerkrieg steht unmittelbar bevor. Es geht um Sklaverei, wirtschaftliche Interessen und das Selbstverständnis einer Nation.
Dieser Moment zeigt, wie fragil politische Gemeinschaften sind. Wenn gesellschaftliche Gräben zu tief werden, droht der Bruch. Die Vereinigten Staaten ringen bis heute mit den Folgen dieses Konflikts – Rassismus, Erinnerungskultur, Identitätsfragen. Debatten um Denkmäler konföderierter Generäle oder Flaggen sind keine bloßen Symbolstreitigkeiten, sondern Ausdruck eines unbewältigten Erbes.
Geschichte verschwindet nicht, sie setzt sich fest.
In Frankreich selbst bringt der 18. Februar ebenfalls markante Ereignisse hervor. 1800 gründet Napoléon Bonaparte die Banque de France. Nach den Wirren der Revolution herrscht finanzielles Chaos. Inflation, Misstrauen, instabile Währungen – ein Pulverfass. Die neue Institution soll Stabilität schaffen und das Vertrauen in die Wirtschaft stärken.
Eine kluge Entscheidung.
Denn eine funktionierende Finanzordnung bildet das Rückgrat moderner Staaten. Die Banque de France existiert bis heute und spielt im europäischen Zentralbanksystem eine zentrale Rolle. Wenn über Geldpolitik, Inflation oder Zinssätze diskutiert wird, führt eine Linie direkt zurück zu jenem Februartag des Jahres 1800. Finanzielle Stabilität entscheidet über sozialen Frieden – damals wie heute.
Ein weiterer 18. Februar verändert Frankreichs politische Landschaft grundlegend: 1848. In Paris gärt Unzufriedenheit. Wirtschaftliche Krisen, Arbeitslosigkeit und politische Ausgrenzung schüren Proteste. Wenige Tage später bricht die Februarrevolution aus, König Louis-Philippe dankt ab, die Zweite Republik entsteht.
Man spürt förmlich die Spannung in den Straßen.
Bürger fordern Mitbestimmung, Pressefreiheit, soziale Reformen. Die Ereignisse von 1848 gehören zu einer europaweiten Revolutionswelle. Von Wien bis Berlin lodern Aufstände. Auch wenn viele dieser Bewegungen scheitern oder in autoritären Strukturen enden, legen sie den Grundstein für moderne Demokratievorstellungen. Allgemeines Wahlrecht, parlamentarische Kontrolle, soziale Rechte – all das erhält hier entscheidende Impulse.
Und heute?
Proteste gegen soziale Ungleichheit oder politische Entfremdung – etwa die Gelbwestenbewegung in Frankreich – zeigen, dass das Spannungsverhältnis zwischen Volk und Regierung weiterhin existiert. Natürlich unter anderen Bedingungen, aber der Kern bleibt ähnlich: Wer fühlt sich gehört? Wer bleibt außen vor? Manchmal wirkt es fast so, als blättere man in einer alten Chronik, nur mit Smartphones statt Flugblättern.
Der 18. Februar 1930 bringt ein Ereignis technischer Natur: Der Astronom Clyde Tombaugh entdeckt den Planeten Pluto am Lowell-Observatorium in Arizona. Jahrzehntelang gilt Pluto als neunter Planet unseres Sonnensystems, bis er 2006 zum Zwergplaneten herabgestuft wird. Ein kleiner Himmelskörper, große Emotionen.
Warum berührt uns so etwas?
Weil es zeigt, dass Wissen nicht in Stein gemeißelt steht. Wissenschaft entwickelt sich, korrigiert sich, wagt neue Perspektiven. Diese Offenheit unterscheidet sie von Ideologien. Der 18. Februar erinnert somit auch an die Dynamik menschlicher Erkenntnis. Heute, im Zeitalter von Raumsonden und Marsmissionen, knüpfen wir an diese Entdeckerlust an. Der Blick in den Himmel bleibt ein Spiegel unseres Forscherdrangs.
Ein Datum, viele Facetten.
Königliche Geburten, theatralische Abgänge, Revolutionsstürme, Staatsgründungen und Himmelsentdeckungen – der 18. Februar wirkt wie ein Kaleidoskop der Geschichte. Mal dramatisch, mal leise, mal ziemlich abgefahren.
Und vielleicht liegt darin seine eigentliche Bedeutung: Geschichte besteht nicht nur aus großen Schlachten oder spektakulären Verträgen. Sie entfaltet sich in einzelnen Tagen, in Entscheidungen, die zunächst unscheinbar erscheinen. Erst im Rückblick erkennen wir ihre Tragweite.
Der 18. Februar lehrt, dass Macht Verantwortung trägt, dass Reformen aus Krisen erwachsen und dass selbst ein kleiner Punkt am Nachthimmel unser Weltbild verändern kann. Er verbindet höfische Intrigen mit bürgerlichem Aufbegehren, nationale Konflikte mit globaler Wissenschaft.
Ein Tag wie viele – und doch einzigartig.
Wer morgens auf den Kalender blickt, ahnt selten, welche Geschichten sich hinter einem Datum verbergen. Vielleicht lohnt sich öfter ein zweiter Blick. Denn irgendwo zwischen Thron und Sternenstaub erzählt die Vergangenheit immer auch etwas über unsere Gegenwart.
Und das ist alles andere als Schnee von gestern.
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