2025 war kein Jahr für Zartbesaitete. Kriege, geopolitische Verwerfungen, Klimakatastrophen im Wochentakt, dazu wirtschaftliche Nervosität und eine öffentliche Debatte, die oft im Dauererregungsmodus steckte. Und doch. Zwischen all dem Lärm, den Eilmeldungen und dem permanenten Alarmton haben sich Entwicklungen ereignet, die selten ganz oben auf der Startseite landeten, aber umso nachhaltiger wirken. Fortschritte, die nicht schreien, sondern wachsen. Gute Nachrichten, die nicht polarisieren, sondern tragen.
Man muss sie suchen, diese Lichtpunkte. Aber sie sind da.
Einer der bemerkenswertesten Fortschritte des Jahres spielte sich fernab der Fernsehkameras ab, tiefblau und unscheinbar: in den Weltmeeren. 2025 einigten sich zahlreiche Staaten auf ein internationales Abkommen zum Schutz der Hochsee – jener riesigen Gebiete, die bislang juristisch praktisch Niemandsland waren. Jahrzehntelang hatten Umweltorganisationen, Meeresbiologen und Küstenstaaten dafür geworben, nun kam Bewegung in die Sache. Ab 2026 sollen großflächige Schutzgebiete ausgewiesen werden, in denen industrielle Fischerei, Rohstoffabbau und andere Eingriffe begrenzt oder ganz untersagt sind. Für die Ozeane, lange das stille Opfer globaler Ausbeutung, bedeutet das mehr als Symbolpolitik. Es ist ein struktureller positiver Eingriff – spät, aber nicht zu spät.
In dieselbe Richtung zielte auch das diplomatische Ringen auf der COP16 zur biologischen Vielfalt, die 2025 in Rom stattfand. Fast 200 Staaten verständigten sich darauf, bis 2030 jährlich 200 Milliarden Dollar für den Schutz von Ökosystemen zu mobilisieren, vor allem in Ländern des globalen Südens. Keine romantische Naturschutzlyrik, sondern harte Finanzarchitektur. Wer jemals in internationalen Konferenzen gesessen hat, weiß, wie mühsam solche Einigungen zustande kommen. Gerade deshalb zählt dieser Beschluss ganz besonders.
Dass Schutzmaßnahmen wirken können, zeigte sich 2025 auch ganz konkret. Einige Tierarten, deren Zukunft lange düster aussah, konnten aufatmen. Bestimmte Populationen der Grünen Meeresschildkröte etwa wurden nach Jahrzehnten intensiver Schutzarbeit von den Listen akut bedrohter Arten gestrichen. Brutstrände wurden gesichert, Fangmethoden reguliert, Aufklärung betrieben. Kein Wunderheilmittel, sondern Ausdauer hat hier gesiegt. Die Botschaft dahinter ist ebenso simpel wie unbequem: Naturschutz funktioniert, wenn man ihn ernst meint.
Auch die Wissenschaft lieferte im vergangenen Jahr reichlich Stoff für vorsichtigen Optimismus. In der Medizin sorgten neue Ansätze in der Impfstoffforschung für Aufsehen, unter anderem bei der Bekämpfung der Dengue-Fieber-Erkrankung, die weltweit Millionen betrifft. Fortschritte in der Immuntherapie eröffneten zudem neue Perspektiven für die Behandlung chronischer und onkologischer Erkrankungen. Keine Wunder über Nacht, aber spürbare Schritte nach vorn – genau so, wie medizinischer Fortschritt nun einmal aussieht.
Und dann der Blick nach oben. Die Astronomie erlebte 2025 ein bemerkenswertes Jahr. Forscher registrierten Hinweise auf mögliche Biosignaturen auf einem fernen Exoplaneten, entdeckten ein weiteres interstellares Objekt auf Durchreise durch unser Sonnensystem und sammelten neue Daten zur rätselhaften Dunklen Energie. Das klingt abstrakt, fast weltfremd, doch es ist das Gegenteil. Solche Erkenntnisse verschieben unser Verständnis von Raum, Zeit und Existenz. Sie erinnern daran, wie viel wir noch nicht wissen – und wie faszinierend diese Ungewissheit ist.
Währenddessen wurden auf der Erde pragmatische Entscheidungen getroffen, die unmittelbare Wirkung entfalten. Thailand etwa zog einen klaren Schlussstrich unter den Import ausländischer Plastikabfälle. Jahrelang war das Land Ziel westlicher Müllströme gewesen, nun setzte die Regierung ein Zeichen – auch an andere Staaten in der Region. Gleichzeitig begannen Handelsketten in mehreren Ländern, den Verkauf von Produkten einzustellen, die auf Krill basieren, jenen winzigen Krebsen, die für das marine Ökosystem eine Schlüsselrolle spielen. Kleine Schritte, ja. Aber wer jemals versucht hat, globale Lieferketten zu verändern, weiß: Das ist kein Spaziergang.
Technologisch ging ebenfalls einiges voran. Neue Verfahren zur CO₂-Erfassung, effizientere Solar- und Speicherlösungen, kreative Ansätze zur Umwandlung von Abfall in Rohstoffe. Nicht jede Innovation wird den Durchbruch schaffen, manche verschwinden still wieder aus den Laboren. Doch die Richtung stimmt. Der Werkzeugkasten für eine klimaverträglichere Wirtschaft wird größer, nicht kleiner.
Auch gesellschaftlich gab es Entwicklungen, die Mut machen. In mehreren Ländern hielten Programme zur Klimabildung Einzug in die Lehrpläne. Keine moralische Keule, sondern solides Grundlagenwissen: Wie funktioniert das Klima, wo liegen Handlungsspielräume, was bedeutet Verantwortung im Alltag. Gleichzeitig wurden Initiativen zur sozialen Absicherung, zur Inklusion und zur Stärkung benachteiligter Gruppen vorangebracht. Oft kleinteilig, manchmal zäh – aber wirksam.
Sogar der Sport, sonst gern Bühne für Skandale und Kommerz, erzählte 2025 andere Geschichten. Wettbewerbe für Menschen mit Behinderungen erhielten mehr Aufmerksamkeit, inklusive Formate fanden Publikum, und Teams abseits der großen Namen sorgten für überraschende Erfolge. Diese Momente haben eine eigene Kraft. Sie erinnern daran, warum Sport mehr sein kann als Geschäft: ein Raum für Fairness, Anerkennung und gemeinsames Staunen.
Ökonomisch zeigte sich das Jahr widersprüchlich, aber nicht hoffnungslos. Trotz globaler Unsicherheiten verzeichneten einige Börsen solide Zuwächse, einzelne Volkswirtschaften bewiesen bemerkenswerte Resilienz. Das ist kein Freibrief für Selbstzufriedenheit, doch es widerlegt die Vorstellung eines unausweichlichen Absturzes. Wirtschaft, so banal es klingt, ist lernfähig.
All das ergibt kein rosarotes Gesamtbild. 2025 war hart, stellenweise bitter. Aber es war eben nicht nur das. Zwischen Krisen und Katastrophen gab es Fortschritte, die bleiben. Sie taugen nicht für Schlagzeilen mit Ausrufezeichen, eher für das leise Nicken am Ende eines langen Tages. Vielleicht ist genau das ihre Stärke.
Denn Hoffnung entsteht selten aus großen Gesten. Sie wächst aus der Summe kleiner, beharrlicher Erfolge. 2025 hat davon mehr geliefert, als man auf den ersten Blick glaubt. Man muss nur hinschauen – ganz genau.
Andreas M. Brucker
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