Tag & Nacht

Die Europawahl 2024 in Frankreich hat ein politisches Erdbeben ausgelöst. Noch nie hat eine rechtsextreme Partei einen so hohen Stimmenanteil erreicht. Mit 31,5% der Stimmen führt der Rassemblement National (RN) unter der Leitung von Jordan Bardella die Wahl an. Dies geht aus einer Schätzung von Ipsos für France Télévisions, Radio France, France 24, RFI, Public Sénat und LCP Assemblée nationale hervor. Bardella hat damit das Ergebnis von 2019 um beeindruckende 8 Punkte verbessert.

Renaissance: Ein schwerer Rückschlag

Die Partei Renaissance, die die Unterstützer von Präsident Emmanuel Macron umfasst, erleidet mit nur 15,2% der Stimmen eine schwere Niederlage. Angeführt von Valérie Hayer, der relativ unbekannten Präsidentin der Renew-Fraktion im Europäischen Parlament, verliert der Präsidentenblock sechs Punkte im Vergleich zur letzten Wahl. Trotz einer erhöhten Wahlbeteiligung von 51,4% im Vergleich zu 2019 ist das Ergebnis enttäuschend.

Aufschwung für die Sozialisten

Raphaël Glucksmann und seine Liste aus Parti socialiste (PS) und Place publique erreichen mit 14% der Stimmen den dritten Platz. Dies markiert eine deutliche Verbesserung im Vergleich zu den 6,19% im Jahr 2019 und zeigt die erfolgreiche Kampagne von Glucksmann, der die anderen linken Parteien klar hinter sich lässt. Der PS wird vermutlich versuchen, die Führung innerhalb des linken Lagers zurückzugewinnen und den Aufstieg von La France insoumise (LFI) herauszufordern.

Rückschlag für die Grünen und die traditionelle Rechte

Die Grünen, die 2019 überraschend erfolgreich waren, rutschen auf nur 5,2% ab, gerade genug, um weiterhin im Europäischen Parlament vertreten zu sein. Die Liste Les Républicains unter der Führung von François-Xavier Bellamy erreicht 7,2% und bestätigt damit das anhaltende Tief der traditionellen Rechten in Frankreich.

Weitere Ergebnisse und Bedeutung

Die Liste Reconquête von Marion Maréchal erreicht 5,5%, was ihr die Entsendung von Abgeordneten ins Europäische Parlament ermöglicht. Kleinere Parteien wie der Parti animaliste und Les Patriotes bleiben unter 3% und damit ohne Mandate.

Ein Signal für die Zukunft

Diese Wahl stellt einen klaren Erfolg für den Rassemblement National dar und könnte die politische Landschaft in Frankreich nachhaltig verändern. Der Erfolg von Bardella zeigt die Konsolidierung der rechtsextremen Kräfte, während die traditionellen Parteien mit bedeutenden Verlusten kämpfen. Spannend bleibt, wie sich diese Ergebnisse auf die Präsidentschaftswahlen in drei Jahren auswirken werden.

Diese Wahl markiert einen Wendepunkt – und die politische Landschaft Frankreichs wird in den kommenden Jahren mit Sicherheit spannende Entwicklungen erleben.


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