Gesundheitspass: Seine Einführung bereitet den betroffenen Branchen Kopfschmerzen

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In einer Woche wird die Ausweitung der Anwendung des Gesundheitspasses in Kraft treten. Während der Verfassungsrat am Donnerstag seine Stellungnahme abgeben wird, bereiten sich die betroffenen Branchen darauf vor.

In einer Woche wird Frankreich mit dem Gesundheitspass leben müssen. Das Dokument bereits seit dem 21. Juli für Freizeit- und Kultureinrichtungen mit einer Kapazität von mehr als 50 Personen Pflicht, darunter Museen, Kinos, Theater, Festivals, Sportveranstaltungen oder Freizeitparks, und wird ab Montag, dem 9. August, auf andere Einrichtungen ausgedehnt. Zu diesem Zeitpunkt wird die 50-Personen-Grenze abgeschafft, und der Gesundheitspass wird in Cafés, Restaurants, Einkaufszentren sowie in Krankenhäusern, Altenheimen und medizinischen und sozialen Einrichtungen als Eintrittsberechtigung dienen. Auch Fernreisen mit Flugzeug, Bahn und Bus sind davon betroffen. Mit anderen Worten, ein grosser Bereich des täglichen Lebens in Frankreich wird durch die Einführung dieses völlig neuen Systems durcheinander gebracht werden. Der Gesundheitspass wird ab 30. September auch für Minderjährige zwischen 12 und 18 Jahren obligatorisch, denen bis dahin noch eine Gnadenfrist eingeräumt wurde.

Auch wenn der Erwerb des Gesundheitspasses recht einfach ist, machen sich die Vertreter der betroffenen Branchen Sorgen über seine Akzeptanz. Abgesehen von den Protesten in ganz Frankreich gegen den Gesundheitspass und manchmal auch gegen die Impfung, machen sich die Fachleute Sorgen über die Auswirkungen, die der Gesundheitspass auf ihre Tätigkeit haben wird. Viele Fragen warten noch auf eine Antwort: Wie soll der QR-Code des Kunden überprüft werden, um sicherzustellen, dass er mit der Identität seines Inhabers übereinstimmt? Wer wird diese Aufgaben übernehmen? Wie lange dauert die Überprüfung? Was soll man tun, wenn man es mit einem widerspenstigen Kunden zu tun hat, und vor allem, wird diese Überprüfung einen Teil der Kunden abschrecken?

Einen Teil der Antworten können diejenigen geben, die den Pass bereits seit dem 21. Juli eingesetzt haben. Eine Woche nach der Einführung des Gesundheitspasses zum Beispiel in den Kinos brach der Kartenverkauf ein, wie CBO Box Office am 28. Juli berichtete. Bei einigen Filmen ging der Kartenverkauf um ganze 81% zurück. Andererseits haben einige Bars und Restaurants in Paris, Perpignan und Metz die Einführung des Passes freiwillig vorweggenommen und hatten im Grossen und Ganzen keine Probleme mit einer sehr verständnisvollen Kundschaft.

“Je nach Betrieb können wir die Umsatzeinbußen sehen, die wir machen werden. Wenn wir in unserem Restaurant Personen ohne gültigen Gesundheitspass abgewiesen hätten, hätten wir 15% unseres Umsatzes verloren”, so Christophe Thiriet, Vizepräsident des Berufsverbandes UMIH im Departement Moselle, gegenüber France Info.

Gerade dieser Verlust an Gästen macht der Gastronomie Sorgen, zumal der Gesundheitspass auch für Terrassen und Aussenbereiche gelten soll. “Die UMIH vertraut darauf, dass der Verfassungsrat die Verpflichtung für Terrassen und Außenbereiche aufhebt”, so der Berufsverband in einer Erklärung vom vergangenen Donnerstag.

Der Verfassungsrat, der von der Regierung selbst angerufen wurde, prüft die Anwendung des Gesundheitspasses derzeit und könnte möglicherweise seine Anwendung für Aussenbereiche zurückziehen.

Der Verfassungsrat, der am 5. August eine Entscheidung treffen soll, kann Auslegungsvorbehalte anbringen oder ganze Abschnitte des neuen Gesetzes zensieren, wie von 74 Abgeordnete gefordert, die eine “Verletzung der Gleichheit” zwischen Geimpften und Nichtgeimpften bemängeln. Zum Beispiel hob Claire Hédon, Défenseure des droits, am 20. Juli “zehn besorgniserregende Punkte” des Textes hervor und bedauerte “das Ausmaß der Eingriffe in die Grundrechte und -freiheiten”.

Die Verfassungsweisen werden diesen Donnerstag für mehr Klarheit sorgen.


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