Tag & Nacht


Schauen wir der Realität ins Auge: Es ist nicht der Himmel, der uns das Wasser verweigert – wir sind es selbst. Unsere Massentierhaltung säuft uns sprichwörtlich die Landschaft leer.

150 Liter am Tag für eine Kuh. Millionenfach multipliziert. Währenddessen stehen in manchen Gemeinden im Yonne die Wasserhähne schon kurz davor, nur noch Luft zu spucken. Und wofür? Damit wir im Supermarkt billige Milch für 79 Cent den Liter kaufen können, als wäre das ein Menschenrecht.

Das ist nichts anderes als kollektiver Selbstbetrug. Wir tun so, als ginge es hier um das Überleben der Bauern – doch in Wahrheit geht es um das Überleben eines Systems, das von vorn bis hinten krank ist. Eine Kuh frisst nicht nur Gras, sie frisst unser Wasser, unsere Böden, unser Klima. Und wir alle schauen zu, weil wir zu bequem sind, unser Essverhalten zu ändern.

Die Politik? Hält die Hand schützend über ein Modell, das längst gegen die Wand gefahren ist. Subventionen fließen in die industrielle Tierhaltung wie das letzte Wasser in ein löchriges Fass. Statt radikal umzusteuern, werden Alibi-Maßnahmen beschlossen, die niemandem weh tun – außer der Natur.



Und die Konsumenten? Wir. Du. Ich. Wir stopfen uns Fleischberge in den Einkaufswagen und regen uns gleichzeitig über Dürre und Klimawandel auf. Heuchlerisch, oder?

Die Wahrheit ist bitter: Massentierhaltung ist kein Bauernproblem, sie ist unser aller Problem. Und solange wir nicht den Mut haben, weniger Fleisch und Milch zu konsumieren, solange wir nicht der Politik klarmachen, dass Subventionen für ein zerstörerisches System ein Verbrechen an unserer Zukunft sind, wird der Hahn bald endgültig zugedreht.

Was bitte nützen uns volle Fleischtheken, wenn aus dem Wasserhahn nichts mehr kommt?

Ein Kommentar von Andreas M. Brucker

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