Montag, 16. Juni 2025: Ich sitze hier – nur Minuten nachdem das SFR-Netz komplett ausgefallen ist – und fühle plötzlich etwas, das ich längst vergessen glaubte: Panik durch Ruhe. Kein Ton. Kein Signal. Und weg ist sie, unsere unsichtbare, aber allgegenwärtige Lebensader. Ein Moment der Stille – als hätten wir uns freiwillig und doch unfreiwillig in ein Kommunikationskoma begeben.
Und ja, ein paar Sekunden ohne News‑Ticker, ohne ständige Erreichbarkeit, das klingt fast beruhigend. Ist ja fast wie Urlaub – oder? Aber: Ich spüre, wie sich mein Herzschlag beschleunigt. Denn plötzlich spüre ich ganz konkret, was das heißt: von der Welt abgeschnitten sein. Kein Zoom‑Call. Kein Social-Media-Post. Kein E‑Mail‑Ping. Home‑Office? Nichts geht mehr. Ein Zerrbild im Digitalen Nirwana.
Ich – wie wahrscheinlich viele von euch – hänge nicht nur privat an meinem Handy, sondern beruflich lebt mein Alltag von Bits und Bytes. Kein Netz, kein Job. Kein Netz, keine Termine. Kein Netz, keine Verbindung zur Außenwelt, kein Home-Office – genau das Gegenteil von in Ruhe Zuhause sein. Ironisch? Sehr.
Was tun wir? Telefonieren? Ha! Hier in der Stadt schaffe ich nur mit Glück eine SMS – die wohlgemerkt auch erst ankommen, wenn der Sturm vorüber ist. Festnetz? Lächerlich antiquiert – ich erinnere mich noch an das Geräusch des Wähltons, aber das ist länger her als meine Zeit im analogen Tarnmodus.
Vielleicht führt uns genau dieser Ausfall vor Augen, wie verletzlich wir sind. Wir sind abhängig – ja, süchtig. Kaum ein Schritt im Alltag läuft heute noch ohne digitale Infrastruktur. Wir brauchen sie wie die Luft zum Atmen. Und wenn sie plötzlich weg ist, merken wir erst, wie sehr wir ohne sie zittern – fast wie ein kalter Entzug.
Aber jetzt mal ernst: Ist das wirklich so schlimm? Oder sollte dieser technische Black‑Out nicht einfach ein Weckruf sein? Ein lauter, unüberhörbarer Weckruf. Wir müssen uns fragen: Haben wir Back‑Ups? Einen Plan B? Oder sitzen wir alle als digitale Entzugs‑Opfer da und hoffen auf TikTok‑Memes?
Ich will nicht ins Weltuntergangszenario abrutschen. Aber wenn allein ein kleiner Ausfall mich in ein tiefes digitale Loch wirft, ist das ein Alarmsignal. Vielleicht sollten wir das als Chance begreifen – für mehr Resilienz, Notfallpläne, analoge Alternativen. Schnell mal einen Brief schreiben – hach, da war doch was?– oder sich wieder auf mein gutes altes Offline-Notizbuch besinnen?
Also: klar, ein paar Stunden ohne permanenten Trump-Ticker sind angenehm. Aber bitte, lieber Netzgott, verschone mich vor solchen „Not“-Situationen – sondern erlaube mir lieber mal bewusst offline zu sein – geplant und freiwillig.
Und an alle Netzbetreiber: Ihr schuldet uns nicht weniger als Erreichbarkeit. Denn wenn unser digitales Lebensnetz reißt, bricht mehr zusammen als Home-Office – es sind Vertrauen, Sicherheit und ein Stück Identität.
Ein Kommentar von C. Hatty
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