Tag & Nacht

Emmanuel Macron, der amtierende Präsident Frankreichs, hat eine schwere politische Niederlage erlitten. Mit der Auflösung der Nationalversammlung und der Ankündigung vorgezogener Parlamentswahlen hoffte er, seine Gegner zu spalten und sich eine neue Mehrheit zu sichern. Doch die Rechnung ging nicht auf. Das rechte Rassemblement National (RN) und die vereinigte Linke erwiesen sich als stärkere Gegner als erwartet.

Ein riskantes Manöver

Macron setzte auf das bekannte Spiel – sich als Bollwerk gegen die extreme Rechte zu präsentieren. Das hatte bei den Präsidentschaftswahlen 2017 und 2022 funktioniert, als er gegen Marine Le Pen antrat. Doch die Zeiten haben sich geändert. Die Bevölkerung zeigt sich zunehmend unzufrieden mit seiner Politik, und das Vertrauen schwindet.

Die Zersplitterung der linken Opposition

Ein entscheidender Punkt war die Hoffnung auf eine zersplitterte Linke. Macron glaubte, dass die internen Konflikte und die Spaltung der linken Parteien ihm in die Karten spielen würden. Doch das Gegenteil trat ein: Die Linke vereinte sich und stellte einen starken gemeinsamen Kandidaten auf. Der „Nouveau Front Populaire“ (NFP) erzielte beeindruckende 27,99 % der Stimmen.

Die unterschätzte Gefahr des Rassemblement National

Auch der rechtsextreme RN konnte seine Position stärken und erhielt 33,15 % der Stimmen. Dieser Erfolg zeigt, dass viele Franzosen bereit sind, einen radikalen Kurswechsel zu unterstützen. Macron hatte die Widerstandsfähigkeit und die Mobilisierungskraft der extremen Rechten unterschätzt.

Macron: Selbstbewusst bis zum Schluss

Der Präsident zeigte sich vor der Wahl äußerst selbstbewusst. Mit markigen Worten beschrieb er seine Entscheidung als eine „entfesselte Granate“, die seinen Gegnern das Fürchten lehren würde. Doch schon bald nach der Ankündigung begannen die Zweifel und die Skepsis innerhalb seiner eigenen Reihen zu wachsen.

Abkehr der Verbündeten

Prominente Unterstützer distanzierten sich von ihm. Der frühere Premierminister Édouard Philippe kritisierte offen Macrons Strategie. Auch Innenminister Gérald Darmanin sah schwarz und kündigte an, dass er nicht länger im Amt bleiben würde. Diese internen Spannungen schwächten die Kampagne des Macron-Lagers zusätzlich.

Ein zersplittertes Lager

Während Macron sich in den Medien präsentierte und die Öffentlichkeit suchte, versuchten seine Kandidaten, sich von ihm zu distanzieren. Ein auffälliges Zeichen dafür war das Fehlen seines Konterfeis auf vielen Wahlplakaten seiner Partei „Ensemble“. Dieser Kontrast zu den glorreichen Tagen der Wahl 2017, als sein Bild einen sicheren Sieg versprach, könnte deutlicher nicht sein.

Die Konsequenzen der Wahlniederlage

Die vorläufigen Ergebnisse zeigen ein düsteres Bild für Macron. Die Prognosen sehen die „Ensemble“-Koalition nach dem zweiten Wahlgang am 7. Juli bei lediglich 70 bis 100 Sitzen im Parlament – von insgesamt 577.

Die neue Rolle Macrons: Schiedsrichter zwischen Extremen

Da eine Mehrheit für „Ensemble“ außer Reichweite scheint, bleibt Macron nichts anderes übrig, als als Vermittler zwischen dem RN und dem NFP zu agieren. Er hat deutlich gemacht, dass sein Ziel nun darin besteht, eine absolute Mehrheit des RN zu verhindern.

„Unser Ziel ist klar: Den Rassemblement National von einer absoluten Mehrheit abhalten“, erklärte er nach der ersten Wahlnacht. Sein Appell an die demokratischen Kräfte des Landes zeigt, wie ernst die Lage ist.

Ein strategisches Dilemma

Die zahlreichen Triangulären – Wahlkreise, in denen drei Kandidaten im zweiten Wahlgang antreten – machen die Situation noch komplizierter. Hier hängt das Ergebnis stark davon ab, wie sich die „Ensemble“-Kandidaten und ihre Wähler verhalten. Emmanuel Macron hat seine Anhänger aufgerufen, sich hinter den stärksten demokratischen und republikanischen Kandidaten zu versammeln, um den RN zu stoppen.

Fazit: Ein Wendepunkt in der französischen Politik?

Macrons politische Zukunft steht auf dem Spiel. Der Druck ist enorm, und die nächsten Schritte werden entscheidend sein. Kann er noch einmal die Kräfte der Mitte mobilisieren, oder wird seine Amtszeit als diejenige des Präsidenten in die Geschichte eingehen, der den Weg für die extreme Rechte ebnete?

Die kommenden Tage und Wochen werden zeigen, ob Emmanuel Macron die politische Wende schafft oder ob Frankreich vor einem dramatischen politischen Umbruch steht. Eines ist sicher: Die politische Landschaft Frankreichs wird nach diesen Wahlen nicht mehr dieselbe sein.

Es grüßt die Redaktion von Nachrichten.fr!


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