Tag & Nacht

Ein neues Kapitel

Am Dienstag, dem 28. Mai, erklärte der französische Präsident Emmanuel Macron während eines Besuchs in Deutschland, dass die Ukraine nun grünes Licht bekommen hat, französische Raketen zur Neutralisierung russischer Militärstandorte einzusetzen. Diese Entscheidung markiert einen deutlichen Wandel in der französischen Politik gegenüber dem Ukraine-Konflikt und könnte weitreichende Konsequenzen haben.



Der Auslöser: Kharkiv

Der Wandel in der französischen Doktrin kommt nicht aus dem Nichts. Eine russische Rakete traf kürzlich einen Supermarkt in Kharkiv, der zweitgrößten Stadt der Ukraine. Dieses Ereignis trug maßgeblich zu Frankreichs Entscheidung bei, die bisherige Zurückhaltung aufzugeben. Bislang hatte Paris darauf bestanden, dass die von ihnen gelieferten Waffen nicht für Angriffe auf russisches Territorium verwendet werden dürfen, um eine Eskalation zu vermeiden. Diese Einschränkung ist nun aufgehoben – insbesondere für die Scalp-Raketen.

Macrons Worte in Deutschland

Während seines Aufenthalts in Deutschland betonte Macron: „Wir müssen ihnen (der Ukraine) ermöglichen, die militärischen Stellungen zu neutralisieren, von denen aus die Raketen abgefeuert werden – letztlich die Stellungen, von denen aus die Ukraine angegriffen wird.“ Diese Aussage unterstreicht die neue Entschlossenheit Frankreichs, der Ukraine nicht nur defensiv, sondern auch offensiv zur Seite zu stehen.

Was bedeutet das für den Krieg?

Experten wie Xavier Tytelman, ein Berater für Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung bei Air&Cosmos, sehen in dieser Entwicklung eine bedeutende Veränderung. „Die Angriffe aus Moskau auf Kharkiv kommen im Moment hauptsächlich vom russischen Territorium. Das ist neu. Deswegen gibt Paris der Ukraine jetzt grünes Licht“, so Tytelman. „Zielgerichtete Angriffe auf strategische, militärisch wertvolle Stellungen in Echtzeit – das konnten sie bisher nicht machen, und das wird die Lage an der Front wirklich verändern.“

Ein Balanceakt

Natürlich stellt sich die Frage: Wird diese neue Strategie zu einer weiteren Eskalation führen? Die Balance zwischen Unterstützung und Eskalation ist ein schmaler Grat. Frankreichs Entscheidung, die Nutzungserlaubnis seiner Waffen zu erweitern, zeigt jedoch, dass man bereit ist, dieses Risiko einzugehen, um der Ukraine einen strategischen Vorteil zu verschaffen. Gleichzeitig signalisiert es auch, dass Frankreich nicht mehr nur passiv zuschauen will.

Diese neue Entwicklung ist ein deutliches Zeichen der Unterstützung für die Ukraine und zeigt, dass Europa bereit ist, neue Wege zu gehen, um der russischen Aggression entgegenzutreten. Die kommenden Wochen und Monate werden zeigen, wie sich diese Strategie auf das Kriegsgeschehen auswirken wird und ob sie den erhofften Erfolg bringt.

Letztlich bleibt nur eine Frage: Wird diese Entscheidung das Blatt im Ukraine-Konflikt wenden?


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