Tag & Nacht


Am Donnerstagmorgen herrscht auf den Busspuren von Le Mans ungewohnte Ruhe. Keine Motoren, kein Türenzischen, kein morgendliches Gedränge. Die Busse der Setram bleiben im Depot. Der Grund: eine gewalttätige Attacke auf zwei Kontrolleure, die das Sicherheitsgefühl der Beschäftigten erschüttert hat.

Die beiden Mitarbeiter waren am Dienstag gegen acht Uhr morgens im Einsatz, als sie zwei Jugendliche ohne Fahrschein kontrollierten. Die Situation eskalierte. Die Kontrolleure wurden aus dem Bus gedrängt und brutal geschlagen. Ein Vorfall, der in seiner Heftigkeit selbst erfahrene Kollegen sprachlos zurückließ. Zwei 17-Jährige gerieten kurz darauf ins Visier der Polizei und verbrachten den Mittwoch in Gewahrsam. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft waren sie bislang polizeilich nicht in Erscheinung getreten.

Als Reaktion zogen zahlreiche Setram-Beschäftigte die Reißleine und machten von ihrem Recht auf Arbeitsniederlegung Gebrauch. Am frühen Donnerstagmorgen teilte das Verkehrsunternehmen mit, der Busverkehr sei vorerst ausgesetzt. Straßenbahnen der Linien T1 und T2 fahren weiter, ebenso die Schulbusse. Für viele Pendler bleibt das dennoch ein herber Einschnitt. Wer sonst routiniert in den Bus steigt, steht plötzlich da und denkt: Na super, und jetzt?

Der Vorfall rührt an ein tiefer liegendes Problem. Gewalt im öffentlichen Raum trifft längst nicht mehr nur Randzeiten oder Problemviertel. Sie erreicht den Alltag, die Rushhour, die Menschen, die schlicht ihre Arbeit machen. Kontrolleure zählen dabei zu den sichtbarsten, aber auch verletzlichsten Akteuren des Systems. Sie stehen für Regeln, die manche als lästig empfinden. Und sie tragen die Folgen, wenn Frust in Aggression umschlägt.



Die Staatsanwältin von Le Mans, Carine Haley, bestätigte, dass die mutmaßlichen Täter minderjährig sind und bisher nicht auffällig wurden. Eine Information, die beruhigen soll und zugleich irritiert. Denn sie zeigt, wie schnell Gewalt entstehen kann – ohne lange Vorgeschichte, ohne bekannte Eskalationskette.

Im Depot wird derweil diskutiert, beraten, abgewogen. Wann der Busverkehr wieder aufgenommen wird, bleibt offen. Klar ist nur: Der Schock sitzt tief. Viele Fahrer und Kontrolleure wünschen sich mehr Schutz, mehr Präsenz, mehr Rückhalt. Worte wie „Respekt“ und „Sicherheit“ fallen häufig, leise, aber bestimmt.

Le Mans erlebt an diesem Morgen eine Zwangspause. Eine Stadt, die innehält, weil diese Schläge zu viel waren.

Autor: Daniel Ivers

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