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Der RN-Präsident gibt zu, dass einige Kandidaten seiner Partei problematische Profile haben

Jordan Bardella, der Präsident des Rassemblement National (RN), hat am Mittwoch, dem 3. Juli, auf dem Sender France Bleu zugegeben, dass es unter den Kandidaten seiner Partei für die Parlamentswahlen einige „brebis galeuses“ – schwarze Schafe – gibt. Diese Ehrlichkeit ist im politischen Umfeld ungewöhnlich und wirft ein Licht auf die inneren Herausforderungen der Partei.

Konsequente Maßnahmen

Er entschied sich, die Unterstützung für Kandidaten zurückzuziehen, deren problematische Hintergründe ihm zuvor unbekannt waren. Ein prominentes Beispiel ist Ludivine Daoudi, die im zweiten Wahlgang für den ersten Wahlkreis des Departements Calvados antrat. Sie musste sich zurückziehen, nachdem ein Foto von ihr auftauchte, auf dem sie eine Uniformmütze mit Hakenkreuz trug. Daoudi ist jedoch nicht die einzige: Eine weitere Kandidatin, Annie Bell, wurde in der Vergangenheit sogar wegen Geiselnahme verurteilt.

Bardellas klare Haltung

Bardella stellte klar: „Was zählt, ist die Reaktion der Partei.“ Er betonte eine Nulltoleranz gegenüber Äußerungen, die seinen Überzeugungen und der politischen Linie des RN widersprechen. Gleichzeitig räumte er ein, dass die kurzfristige Aufstellung der Kandidaten eine Herausforderung darstellte: „In 48 Stunden mussten wir 577 Kandidaten in ganz Frankreich aufstellen.“ Trotz dieser Eile versicherte er, dass „99,9 % von ihnen respektable und respektierte Persönlichkeiten sind.“

Vorwurf des Amateurismus

Kritik gab es auch hinsichtlich des offensichtlichen Amateurismus gegenüber dem RN. Mindestens 21 Kandidaten haben Debatten auf dem Sender France Bleu im Zwischenwahlkampf abgesagt oder abgelehnt. Bardella verteidigte dies so: „Nur weil jemand keine Medienpersönlichkeit ist, die zehn TV-Shows am Tag absolviert, bedeutet das nicht, dass diese Person schlecht ist oder nicht aufrichtig in ihren Überzeugungen.“ Er fügte hinzu, dass auch er Interviews mit weniger erfahrenen Journalisten führt und dies nichts über deren Kompetenz aussagt.

Ein Blick nach Innen

Diese Entwicklungen werfen Fragen zur internen Organisation und zum Auswahlprozess des RN auf. Haben die „brebis galeuses“ das Potenzial, die Glaubwürdigkeit der Partei zu untergraben? Bardellas ehrliche und entschlossene Haltung muss als Versuch gesehen werden, das Vertrauen der Wähler zu sichern. Es bleibt abzuwarten, wie sich dies auf die langfristige Strategie und das öffentliche Bild des RN auswirkt.

Ein Beispiel für Transparenz oder Schwäche?

Ist Bardellas Eingeständnis ein Zeichen von Transparenz oder zeigt es Schwächen innerhalb der Partei? Diese Episode könnte als Wendepunkt dienen – entweder um das Vertrauen in die Führungsqualitäten des RN zu stärken oder um die bestehenden Zweifel an ihrer organisatorischen Kompetenz zu verstärken.

In der Politik wie im Leben ist Ehrlichkeit manchmal die beste Politik. Doch die Herausforderungen, vor denen Bardella und der RN stehen, sind komplex und vielschichtig. Bleibt nur zu sehen, wie die Wähler auf diese neue Offenheit reagieren werden.


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