Die ganze Welt – und natürlich auch Frankreich – verfolgt gespannt die Präsidentschaftswahl in den USA. In diesem Jahr stehen die Demokraten mit ihrer Kandidatin Kamala Harris dem Republikaner Donald Trump gegenüber, einer Figur, die weltweit sowohl Faszination als auch Kontroversen weckt. Der Ausgang dieser Wahl verspricht, nicht nur die USA, sondern auch die globale Politik nachhaltig zu beeinflussen – darunter auch die französische Außenpolitik. Doch wie reagiert die französische Politik auf dieses transatlantische Kopf-an-Kopf-Rennen?
Emmanuel Macron hält sich bedeckt
Für Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron ist Zurückhaltung das Gebot der Stunde. Als Staatsoberhaupt hält er sich klug zurück und vermeidet es, sich offen für einen der beiden Kandidaten auszusprechen. Trotz einer „Beziehung“ zu Trump, die von freundschaftlichen Gesten und gleichzeitig scharfen Differenzen geprägt war, wahrt Macron sein diplomatisches Schweigen. Trump, der für unberechenbare Entscheidungen bekannt ist, hatte Macron in den letzten Jahren oft überrascht und verärgert, etwa durch den Austritt der USA aus dem Pariser Klimaabkommen.
Kamala Harris hingegen, die Macron nur flüchtig als Vizepräsidentin kennenlernen konnte, wirft für den französischen Präsidenten ebenfalls Fragen auf. Harris war bislang vor allem innenpolitisch aktiv und konnte ihre Position in außenpolitischen Fragen kaum zeigen. Macron weiß, dass Europa – insbesondere die Ukraine-Politik – nicht oberste Priorität beider Kandidaten sein wird. Das könnte Konsequenzen haben, die Frankreich und die EU letztlich selbst abfedern müssen.
Die Positionen von RN und LFI: Patriotismus vs. Skepsis
Macron bleibt neutral – doch in Frankreichs Parteienlandschaft gibt es durchaus Sympathiebekundungen. Besonders im Rassemblement National (RN) zeigt man eine gewisse Affinität zu Donald Trump. Jordan Bardella, Parteivorsitzender des RN, formuliert seine Position diplomatisch, lässt jedoch seine Präferenz für Trump durchklingen: „Donald Trump verteidigt die Interessen der Amerikaner, zeigt patriotischen Stolz – und das gefällt mir.“ Tatsächlich hatte sich die Partei bereits 2016 offen über Trumps Wahlsieg gefreut, und Parteichefin Marine Le Pen besuchte damals sogar New York, um sich ihm anzunähern. Diesmal jedoch ist Vorsicht geboten – die unverblümten Äußerungen Trumps passen nicht mehr vollständig zur Strategie der „Normalisierung“ des RN.
Auch bei der Linkspartei La France Insoumise (LFI) herrscht Zurückhaltung. Manuel Bompard, Koordinator der Partei, machte deutlich, dass die Linke in Frankreich einen weiteren Wahlsieg Trumps kritisch sieht, aber auch Harris nicht als wünschenswerte Alternative feiert. Der Kurs scheint also ein vorsichtig abwartender zu sein: „Wir wollen natürlich nicht, dass Trump gewinnt, aber Harris löst auch keine große Begeisterung bei uns aus“, so Bompard.
Was steht für Frankreich auf dem Spiel?
Egal, ob Harris oder Trump die Wahl für sich entscheiden wird, die Konsequenzen dieser Wahl werden auch die französische Politik nicht unberührt lassen. Die Beziehungen der USA zur EU, die gemeinsame Haltung gegenüber China und die Unterstützung der Ukraine im Konflikt mit Russland – alles Themen, bei denen der oder die nächste Präsident*in klare Zeichen setzen wird.
Macron, dessen außenpolitische Strategie stark auf eine enge Zusammenarbeit mit den USA ausgerichtet ist, steht vor einer neuen Herausforderung. Ein erneuter Sieg Trumps könnte bedeuten, dass die europäische Politik wieder stärker auf Eigeninitiative setzen muss, sollte der republikanische Präsident einen isolationalistischen Kurs einschlagen. Sollte jedoch Harris gewinnen, bleibt abzuwarten, ob und wie sie die internationale Bühne betritt – und wie viel Aufmerksamkeit sie Europa schenken wird.
Diese Wahl ist also nicht nur ein amerikanisches Ereignis – sie wird Einfluss auf das globale Gleichgewicht haben. Frankreich bleibt – wie der Rest der Welt – gespannt und voller Erwartungen, wie sich die politische Großmacht USA in den kommenden Jahren aufstellt.