Tag & Nacht

Von den Ursprüngen bis zur Namensänderung

Der Rassemblement National (RN), der früher als Front National (FN) bekannt war, ist eine französische rechtsextreme politische Partei. Gegründet wurde sie 1972 von Jean-Marie Le Pen, einem umstrittenen Politiker, der für seine scharfen nationalistischen und xenophoben Positionen bekannt ist. Ziel war es, eine Plattform für die rechtsextreme Bewegung in Frankreich zu schaffen und diese im politischen System zu verankern.

Die frühen Jahre: Eine politische Randerscheinung

In den 1970er und 1980er Jahren galt der FN als Randerscheinung in der französischen Politik. Die Partei war geprägt von einer harten Anti-Immigrationspolitik und einer strikten Ablehnung der Europäischen Union. Jean-Marie Le Pen gelang es, durch provokative Äußerungen und populistische Rhetorik Aufmerksamkeit zu erregen, doch es dauerte bis in die 1980er Jahre, bevor die Partei erste größere Erfolge verbuchen konnte. 1984 gewann der FN 11 Prozent der Stimmen bei den Europawahlen, ein bedeutender Durchbruch, der die Partei erstmals auf die politische Landkarte brachte.

Der Aufstieg: Nationale Erfolge und internationale Aufmerksamkeit

Die 1990er Jahre brachten weiteren Aufwind. Bei den Präsidentschaftswahlen 2002 schaffte es Jean-Marie Le Pen überraschend in die Stichwahl gegen den amtierenden Präsidenten Jacques Chirac. Dies löste sowohl national als auch international Schockwellen aus und führte zu massiven Protesten in Frankreich. Chirac gewann schließlich die Stichwahl mit überwältigender Mehrheit, doch der FN hatte gezeigt, dass er eine ernstzunehmende Kraft im französischen politischen Spektrum geworden war.

Von Vater zu Tochter: Marine Le Pens Übernahme und die Transformation der Partei

2011 übernahm Marine Le Pen, die Tochter von Jean-Marie Le Pen, die Führung der Partei. Ihr Ziel war es, das Image der Partei zu modernisieren und sie für ein breiteres Publikum wählbar zu machen. Marine Le Pen distanzierte sich von den extremsten Positionen ihres Vaters und setzte sich für eine „Entdiabolisierung“ der Partei ein. Dies beinhaltete auch die Ausschluss von Jean-Marie Le Pen aus der Partei im Jahr 2015, nachdem er erneut mit antisemitischen Äußerungen für Empörung gesorgt hatte.

Die Namensänderung von Front National zu Rassemblement National im Jahr 2018 war ein weiterer Schritt in dieser Transformation. Der neue Name sollte signalisieren, dass die Partei nicht nur eine Protestbewegung, sondern eine ernsthafte politische Alternative darstellt, die bereit ist, Regierungsverantwortung zu übernehmen.

Marine Le Pen: Eine neue Strategie

Unter Marine Le Pen verfolgte der RN eine Doppelstrategie: Einerseits hielt sie an der harten Linie in der Einwanderungspolitik fest und kritisierte die Globalisierung sowie die EU scharf. Andererseits versuchte sie, soziale Themen wie Arbeitslosigkeit und die Verteidigung des französischen Sozialstaats stärker zu betonen, um Wähler aus der Arbeiterklasse und enttäuschte Anhänger linker Parteien anzusprechen. Diese Strategie trug Früchte: Bei den Präsidentschaftswahlen 2017 erreichte Marine Le Pen erneut die Stichwahl, unterlag jedoch Emmanuel Macron.

Der Einfluss des Rassemblement National heute

Heute ist der RN eine der einflussreichsten politischen Kräfte in Frankreich. Die Partei konnte bei den Europawahlen 2019 und den Regionalwahlen 2021 starke Ergebnisse erzielen und hat sich fest im politischen System etabliert. Marine Le Pen wird oft als ernsthafte Herausforderin des amtierenden Präsidenten angesehen, und ihre Chancen, in zukünftigen Wahlen erfolgreich zu sein, werden von vielen Beobachtern als realistisch eingeschätzt.

Herausforderungen und Kontroversen

Trotz ihres Erfolgs steht der RN weiterhin vor großen Herausforderungen. Die Partei muss mit internen Spannungen umgehen und die Balance zwischen ihren traditionellen Anhängern und neuen Wählerschichten finden. Zudem bleibt sie aufgrund ihrer rechtsextremen Wurzeln und einiger radikaler Mitglieder umstritten.

Ein weiteres Problem stellt die Finanzierung dar. Der RN hat in der Vergangenheit immer wieder finanzielle Schwierigkeiten gehabt und musste sich unter anderem Geld von russischen Banken leihen, was zu Vorwürfen der Einflussnahme geführt hat.

Was bringt die Zukunft?

Die Zukunft des RN hängt stark von der politischen Landschaft in Frankreich und Europa ab. Angesichts steigender Unzufriedenheit mit etablierten Parteien und der EU könnte die Partei weiter an Boden gewinnen. Marine Le Pen hat angekündigt, bei den Präsidentschaftswahlen 2022 erneut zu kandidieren, und viele fragen sich, ob sie diesmal erfolgreich sein wird.

Fazit

Der Rassemblement National hat sich von einer kleinen rechtsextremen Randpartei zu einer bedeutenden politischen Kraft in Frankreich entwickelt. Unter der Führung von Marine Le Pen hat die Partei ein moderneres und breiteres Profil angenommen, ohne ihre Kernüberzeugungen zu verraten. Doch die Herausforderungen sind nach wie vor groß, und es bleibt abzuwarten, ob der RN in der Lage sein wird, seine Ziele zu erreichen und die politische Zukunft Frankreichs nachhaltig zu prägen.


Du möchtest immer die neuesten Nachrichten aus Frankreich?
Abonniere einfach den Newsletter unserer Chefredaktion!