Tag & Nacht

Die „Mauer der Gerechten“ im Holocaust-Memorial in Paris wurde mit roten Handabdrücken beschmiert. Diese beklagenswerte Aktion fand genau zum Jahrestag des ersten großen Razzias gegen französische Juden durch die Nazis im Jahr 1941 statt.

Anne Hidalgo, die Bürgermeisterin von Paris, bezeichnete den Vorfall als „unaussprechlichen Akt“. Es wurden etwa 20 dieser Schmierereien direkt unterhalb der Wand entdeckt, die denjenigen gewidmet ist, die Juden während der Nazi-Besatzung von 1940-44 gerettet haben.


Die Reaktionen auf diesen abscheulichen Akt waren prompt und scharf. Yonathan Arfi, Präsident des Rates jüdischer Einrichtungen in Frankreich (CRIF), nannte die Tat auf X, ehemals Twitter, einen „hasserfüllten Sammelruf gegen Juden“. Wie kann es sein, dass solch ein symbolträchtiger Ort Ziel eines Angriffs wird?

Präsident Emmanuel Macron verurteilte diese Tat ebenfalls deutlich und sprach von „abscheulichem Antisemitismus“. Er betonte, dass diese Tat das Gedenken an die Opfer sowie die Retter beschädige. „Die Republik wird, wie immer, standhaft im Angesicht von abscheulichem Antisemitismus bleiben“, fügte er hinzu.

Die Union der jüdischen Studenten in Frankreich (UEJF) sprach von einer „Unterstützung für Massaker an Juden“. Diese starken Worte zeigen die Tiefe des Schocks und der Empörung in der Gemeinschaft.

Mitarbeiter der Stadt waren sofort am Dienstagvormittag vor Ort, um die Graffiti zu entfernen. Etwa zehn weitere Orte, darunter Schulen und Kindergärten, im historischen Marais-Viertel, in dem viele Juden leben, waren auf ähnliche Weise beschmiert worden.

Diese Tat wirft ein grelles Licht auf den Anstieg antisemitischer Akte in Frankreich. Frankreich, mit der größten jüdischen Bevölkerung außerhalb Israels und der USA sowie der größten muslimischen Gemeinschaft Europas, steht seit dem Angriff der Hamas auf Südisrael am 7. Oktober und der anschließenden Vergeltungsaktion Israels in Gaza in erhöhter Alarmbereitschaft.

Laut Zahlen des Innenministeriums gab es seit dem 7. Oktober eine „deutliche Beschleunigung“ bei Straftaten und Vergehen, die aufgrund der Ethnie, Nationalität, vermuteten Rasse oder Religion des Opfers begangen wurden – doppelt so viele wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Der kürzliche Studentenprotest, bei dem rote Handabdrücke eine Rolle spielten, zeigt, wie sich Symbole und ihre Bedeutungen schnell ändern können. Diese Studierenden behaupteten, die roten Hände seien ein Aufruf zum Waffenstillstand gewesen.

Die Fragen, die nun im Raum stehen, sind schwerwiegend und fordern dringend Antworten: Wie können solche Akte des Hasses in Zukunft verhindert werden? Und was sagt es über unsere Gesellschaft aus, wenn Erinnerungsorte angegriffen werden? Es bleibt zu hoffen, dass solche Vorfälle zu einem stärkeren Bewusstsein für die Notwendigkeit des Respekts und der Toleranz führen.


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