Tag & Nacht

Die Stichwahl rückt näher und die peinlichen Enthüllungen über die Kandidaten des Rassemblement National (RN) scheinen kein Ende zu nehmen. Von einer früheren Geiselnehmerin über einen unter Vormundschaft stehenden Kandidaten bis hin zu rassistischen Äußerungen – der Partei von Marine Le Pen werden zunehmend untragbare Kandidaten zugeschrieben.

„An diesem Punkt ist es nicht mehr nur ein Topf, sondern ein ganzes Kochgeschirr.“ Diese Bemerkung, die auf den sozialen Medien kursiert, fasst die allgemeine Reaktion auf die Serie von Skandalen zusammen, die derzeit das RN erschüttert.

Ludivine Daoudi: Eine Nazi-Uniformmütze, die zur Rücknahme der Kandidatur führte

Der jüngste Fall betrifft Ludivine Daoudi, die als Kandidatin für den ersten Wahlkreise im Calvados vorgesehen war. Sie zog ihre Kandidatur am 2. Juli zurück, nachdem ein Foto von ihr aufgetaucht war, auf dem sie eine Nazi-Kappe der Hitler-Luftwaffe mit Hakenkreuz trug.

Annie Bell: Eine Kandidatin mit Geiselnahme-Vergangenheit

Besonders schockierend ist der Fall von Annie Bell, die im dritten Wahlkreis von Mayenne für das RN kandidiert. Wie die Zeitung Ouest France berichtet, war sie vor 30 Jahren in eine Geiselnahme verwickelt. Damals, im Januar 1995, nahm sie bewaffnet mit einem Gewehr Mitarbeiter der Stadtverwaltung von Ernée als Geiseln. Eine beispiellose Enthüllung, die viele sprachlos zurücklässt.

Thierry Mosca: Ein unter Vormundschaft stehender Kandidat

Im zweiten Wahlkreis des Departements Jura tritt Thierry Mosca an, der allerdings eigentlich nicht wählbar ist. Mosca, 65 Jahre alt, steht unter der Vormundschaft der Union départementale des associations familiales (Udaf) des Departements Jura seit November 2023. Trotz dieser Tatsache ist seine Kandidatur für den zweiten Wahlgang bestätigt worden. Mosca selbst lehnt einen Rücktritt ab und erklärt, dass er seinen Wählern treu bleiben möchte.

Paule Veyre de Soras: Eine Kandidatin mit problematischen Äußerungen

Paule Veyre de Soras, Kandidatin im ersten Wahlkreis des Departements Mayenne, sorgte mit ihren Aussagen ebenfalls für Aufsehen. In einem Interview erklärte sie, dass es im RN Menschen verschiedener Ethnien gäbe, und fügte hinzu, dass ihr Augenarzt Jude und ihr Zahnarzt Muslim sei – eine Aussage, die nicht nur unglücklich, sondern auch befremdlich wirkt.

Daniel Grenon: Rassistische Äußerungen auf der Zielgeraden

Der Abgeordnete des RN für das Departement Yonne, Daniel Grenon, äußerte sich bei einem Debattentermin rassistisch, indem er sagte, dass „Maghrebiner in hohen Positionen nichts zu suchen haben“. Diese Aussagen führten zu Empörung und zur Ankündigung rechtlicher Schritte seitens der Opposition.

Kandidaten, die den Dialog scheuen

Es sind nicht nur die Skandale, die den Wahlkampf des RN prägen. Viele Kandidaten haben sich auch geweigert, an traditionellen Debatten teilzunehmen. In mehreren Regionen, darunter die Landes und die Haute-Garonne, haben RN-Kandidaten Einladungen zu Debatten von lokalen Medien abgelehnt. Diese Weigerung, öffentlich zu diskutieren, verstärkt den Eindruck, dass einige Kandidaten des RN eher „Geisterkandidaten“ sind – kaum sichtbar und schwer greifbar.

Die Enthüllungen über problematische Kandidaten werfen ein bezeichnendes Licht auf die Rekrutierungspraxis des Rassemblement National. Die Frage, die sich viele stellen: Wie konnte es so weit kommen? Die Vielzahl der Fälle lässt Zweifel an der Sorgfalt und den Standards der Partei bei der Auswahl ihrer Vertreter aufkommen.

Die kommenden Wahlen werden zeigen, wie die Wähler auf diese Enthüllungen reagieren. Werden die Skandale und das ungewöhnliche Verhalten der Kandidaten das Wahlergebnis beeinflussen? Das bleibt zu hoffen – aber auch abzuwarten. In jedem Fall steht das Rassemblement National vor einer Herausforderung, die weit über den Wahlkampf hinausgeht – nämlich der Wiederherstellung seines Rufs und der Glaubwürdigkeit.


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