Tag & Nacht

Ein Meer aus Lila: Feministinnen und Feministen zeigen Stärke

Am Wochenende zogen laut Organisatoren 75.000 Menschen durch die Straßen von Paris, um ein klares Zeichen zu setzen. Über 200 Verbände, darunter die Fondation des femmes, Planning familial und die Bewegung #Noustoutes, sowie NGOs wie Oxfam und France Terre d’Asile und Gewerkschaften wie CGT und CFDT hatten zur Demonstration aufgerufen.

Die Gefahr eines rechten Wahlsieges

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer warnen eine Woche vor den Parlamentswahlen eindringlich vor den potenziellen Folgen eines Wahlsieges des Rassemblement National (RN) für die Frauenrechte. In verschiedenen Regionen Frankreichs zählten die Behörden 14.000 Demonstranten in 41 Protestzügen.

Feministische Gruppen, Gewerkschaften und NGOs kritisieren die vermeintlichen feministischen Werte der extremen Rechten als Trugbild. Der RN kontert mit Vorwürfen gegen die Linke. Jordan Bardella, Präsident des RN, beklagt in einer Videoansprache „Karikaturen“ und „Lügen“ seitens der politischen Gegner und wirft der extremen Linken vor, sich die Rechte der Frauen „anzumaßen“.

„Ni mari ni patron, ni Marine ni Macron“

Die Pariser Demonstration war eine eindrucksvolle Demonstration feministischer Stärke – begleitet von Rufen, Gesängen und Pfiffen. Mit lila Kleidung und Plakaten wie „Ni mari ni patron, ni Marine ni Macron“ („weder Ehemann noch Chef, weder Marine noch Macron“) und „le machisme fait le lit du fascisme“ („der Machismus bereitet den Boden für den Faschismus“) machten sie ihre Botschaft deutlich. Songs der feministischen Sängerin Clara Lucianis Song schallte aus den Lautsprechern und symbolisierten den Widerstand gegen die extreme Rechte.

Frauen, Männer und der Kampf gegen den Faschismus

Inmitten der Menge waren vor allem Frauen zu sehen, aber auch Männer und Jungen, die mit ihren Müttern gekommen waren. Suzy Rojtman, Sprecherin des Collectif national pour les droits des femmes und Aktivistin seit 1974, betonte die Notwendigkeit, die Bevölkerung – und insbesondere die Frauen – vor der Täuschung des RN zu warnen.

Abtreibungsrechte in Gefahr?

„Jedes Mal, wenn die extreme Rechte irgendwo an die Macht kommt, greift sie das Recht auf Abtreibung an. Warum sollte Frankreich da eine Ausnahme machen?“ fragte Sarah Durocher, Präsidentin der Assoziation Planning Familial, und untermauerte damit die Angst vor einem Rückschritt in den Frauenrechten.

Prominente Unterstützung gegen den RN

Nicht nur Gewerkschaftsführerinnen wie Marylise Léon (CFDT) und Sophie Binet (CGT) marschierten mit. Auch Politikerinnen wie Clémentine Autain (LFI) und die ehemalige Ministerin Najat Vallaud-Belkacem sowie Schauspielerinnen wie Corinne Masiero und Judith Godrèche, bekannt für ihren Einsatz gegen sexuelle und geschlechtsspezifische Gewalt, schlossen sich dem Protest an.

Die Stimmung auf den Straßen von Paris war kämpferisch und entschlossen – eine kraftvolle Erinnerung daran, dass die Verteidigung der Frauenrechte auch in Zeiten politischer Ungewissheit nicht aufgegeben werden darf. Eines ist sicher: Der Widerstand gegen jede Form der Unterdrückung wird weitergehen.


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