Tag & Nacht

Eine Stadt im Wandel

Villers-Cotterêts, eine kleine Stadt im Département Aisne, steht seit zehn Jahren unter der Verwaltung des Rassemblement National (RN). Die Meinungen der 10.000 Einwohner sind geteilt – manche loben die Entwicklungen, andere beklagen Mängel in der Sicherheit und Perspektivlosigkeit für die Jugend. Was bedeutet es, von einer rechtsextremen Partei regiert zu werden?

Sicherheit und Jugend: Zwei große Sorgen

Ein zentrales Thema für viele Bewohner ist die Sicherheit. Trotz des Versprechens des RN, für mehr Ordnung zu sorgen, fühlen sich viele Bewohner bedroht. „Der Ort ist voller Drogen, man kann nicht zu Fuß gehen, ohne angegriffen zu werden“, erzählt eine Bewohnerin gegenüber Franceinfo. Besonders kritisch ist, dass Jugendliche kaum Freizeitmöglichkeiten haben. „Es gibt keine Fahrradwege, keine Skateparks – die Jugend verlässt Villers“, meint Pierre, ein junger Einwohner. Tareq, 23 Jahre alt, bestätigt dies: „Ich wohne hier seit meiner Geburt und habe nie Arbeit gefunden.“

Die Arbeitslosigkeit in Villers-Cotterêts liegt zehn Prozentpunkte über dem nationalen Durchschnitt. Viele, wie Tareq, pendeln weite Strecken zur Arbeit, zum Beispiel nach Roissy. Tareq, Sohn eines Einwanderers, spürt zudem einen Wandel im sozialen Klima: „Die Leute schauen uns schief an. Ich bin Franzose, zahle Steuern wie jeder andere, und trotzdem fühle ich mich ausgegrenzt.“

Finanzen und Infrastruktur

Finanziell steht die Stadt gut da – die Kassen sind voll, aber die Investitionen bleiben aus. Mit 11 Millionen Euro Einnahmen im letzten Jahr und nur 1,5 Millionen Euro Investitionen stehen viele Renovierungsprojekte still. Ein Kino ohne Heizung seit drei Jahren ist nur eines der Probleme, die die Opposition des Bürgermeisters anprangert. Bürgermeister Franck Briffaut verteidigt seine Politik: „Wir machen nichts falsch“, sagt er.

Lob für den Bürgermeister

Jean-Alain, ein neuer Einwohner, der nach 37 Jahren in Meaux nach Villers-Cotterêts zog, lobt die Zugänglichkeit des Bürgermeisters: „Als wir eine Frage hatten, sagte er: ‚Ich werde mich darum kümmern, kein Problem‘, während wir in Meaux an den Stellvertreter verwiesen wurden.“ Für ihn ist Villers-Cotterêts ein angenehmer Ort zum Leben. „Hier leben Menschen aller Hautfarben friedlich zusammen.“

Spaltung in der Bevölkerung

Die politischen Meinungen sind jedoch gespalten, selbst innerhalb von Familien. Jean-Alains Frau, Micheline, teilt nicht seine positive Sicht auf den RN. „Ich will keine Diktatur zu Hause! Das sind Heuchler, alles nur Gerede. Ich bin für Europa.“ Trotzdem leben sie harmonisch zusammen – ein kleiner Mikrokosmos der gespaltenen Meinungen in Villers-Cotterêts.

Was bringt die Zukunft?

Die Zukunft von Villers-Cotterêts und möglicherweise ganz Frankreichs hängt in der Schwebe. Wird das Rassemblement National die Führung übernehmen und welche Auswirkungen hätte das auf die Gesellschaft? Villers-Cotterêts bietet einen Einblick in das Leben unter rechtsextremer Verwaltung – eine Mischung aus Zufriedenheit und großen Sorgen.

Das Städtchen in der Aisne bleibt ein Symbol für die größeren politischen Spannungen im Land. Während einige den Wandel begrüßen, bleibt für viele die Frage: Kann das RN wirklich die versprochenen Verbesserungen bringen, oder sind die Hoffnungen nur heiße Luft? Eines ist sicher – die Meinungen gehen stark auseinander.


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