Wortschatzerweiterung durch Covid

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Mona Lisa ungewohnt mit Maulkorb

Man möchte nichts mehr davon hören – aber noch ist die Pandemie nicht vorbei, und wir werden noch immer eingeschränkt, mit Maßnahmen , die uns den Frühling verleiden könnten – wenn wir nicht aufpassen und uns ab und zu eine innere Pause gönnen (fast hätte ich gesagt etwas Abstand, aber das wäre schon wieder anrüchig und kann zu Coronawut führen).

Ich habe eine Möglichkeit für eine kleine Auszeit gefunden, die mich zwar nicht weg vom Thema führt, aber mein Interesse von der krankmachenden Situation auf die lebendige Entwicklung der Sprache lenkt: Neue Wörter in der Coronazeit. Ich finde es voll faszinierend, wie kreativ die Menschen sind im Hinblick auf ihre Sprache!

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Tipp der Redaktion

Mit Covid geht eine ganze Reihe von Wortschöpfungen einher. Zusammen mit dem Virus haben sich einige neue Wörter verbreitet. Das Leibniz-Institut für deutsche Sprache in Mannheim hat 1300 Neuschöpfungen seit Beginn der Pandemie ausgemacht. Vorher waren es ca. 200 pro Jahr.

Neben wissenschaftlichen Ausdrücken wie Triage und Inzidenzwert, mit denen wir inzwischen ständig umgehen, sind auch viele Alltagswörter in die Sprache eingezogen. Das schönste Beispiel im Winter-Lockdown war der „Flockdown“. Lockdown selbst, ein Anglizismus, gehört auch zu den neuen Wörtern, die inzwischen in aller Munde sind …

Dass sich alle die gefundenen Neuschöpfungen im Sprachgebrauch halten, ist unwahrscheinlich. Eine große Anzahl wird mit dem Ende der Pandemie wieder verschwinden, weil man sie nicht mehr (ge)braucht, z. B. „Ein-Freund-Regel“ – darauf können wir locker verzichten (nicht nur im Wortschatz), ebenso auf das Monsterwort „Anderthalbmetergesellschaft“. Auch von „Terminshopping“ wird man hoffentlich nicht mehr lange sprechen. Die „Corona-Matte“ wird irgendwann ebenso verschwunden sein wie die ungewollt langen Haare verschwanden, die diese Matte bildeten.

In Frankreich ist das Wort confinement nicht neu, wohl aber déconfinement und reconfinement. Die Deutschen weichen aus auf Bekanntes: Aufhebung oder erneuter Lockdown.

Amüsant sind einige Alltagswörter wie Schnutenpulli für Maske, in manchen Regionen auch Maultäschle, und etwas differenzierter Munaske für Mund-Nasen-Maske. Wenn man mit einem Freund ein Abstandsbier trinken will, darf man den Schnutenpulli abnehmen. In Frankreich trifft man sich zum skypéro, zum Apéritif via Skype, oder zum whatsapéro. Dabei kann man sich über das Phänomen des Dickerwerdens im Lockdown unterhalten und über Methoden sprechen, wie man am besten den in der letzten Zeit zugesetzten Coronaspeck (immobésité) wieder loswird. Sowohl in Deutschland als auch in Frankreich spricht man auch von Coronapartys; der Covidiot wurde in beiden Ländern zu einem neuen Schimpfwort.

Wir werden sehen, welche dieser Neuschöpfungen Bestand haben und in Wörterbücher aufgenommen werden. Der französische Verlag Le Robert hat dieses Mal für das „Wort des Jahres 2020“ neugebildete Kofferwörter mit Bezug zur Coronakrise gesucht, Sprachblüten der Pandemie sozusagen. Wenn du Französisch kannst und gerne lachst, schau dir hier die Auswahl an:

https://www.lerobert.com/dis-moi-robert/robert-et-vous/mot-annee/mot-de-l-annee-2020-les-resultats.html

Es gibt in diesem Zusammenhang natürlich auch ein paar Sätze, die niemand mehr hören möchte. „Vergiss deine Maske nicht!“ ist einer davon. Nur die Frage: „Du gehst zur Bank? Hast du deine Maske dabei?“ lässt einen trotz allem schmunzeln.

Vielleicht wirst du selber kreativ und findest ein (Koffer-)Wort oder einen Ausdruck, der dir Spaß macht und dich aufheitert!

Deine Elisa

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