Tag & Nacht

Im Vorfeld der vorgezogenen Parlamentswahlen 2024 brodelt es gewaltig in der französischen Politik, vor allem im rechten Spektrum. Die jüngsten Ereignisse um Éric Ciotti und die Zerwürfnisse zwischen Éric Zemmour und Marion Maréchal werfen ein Schlaglicht auf die tiefen Gräben und Konflikte innerhalb dieser politischen Lager.

Éric Ciotti schlägt zurück

Am Donnerstag, dem 13. Juni, sorgte Éric Ciotti für Aufsehen, indem er erklärte, die Justiz eingeschaltet zu haben, um seine Absetzung als Präsident der Republikaner (LR) anzufechten. Früh am Morgen begab sich Ciotti zum Hauptsitz der LR und machte klar, dass er sich weiterhin als rechtmäßigen Vorsitzenden betrachte. „Ich bin der Präsident meiner Partei. Der Putsch kommt von denen, die die Statuten nicht respektieren“, betonte er und wies darauf hin, dass es „keine politische Sitzung“ am Vortag gegeben habe.

Trotz des einstimmigen Ausschlusses durch eine von ihm angefochtene Sitzung des Vorstandes der LR am Mittwoch, konnte Ciotti ohne Probleme sein Büro betreten. Zudem attackierte er seine ehemaligen Parteikollegen als „mittelmäßige Leute“, die „nicht verstanden haben, was im Land passiert“.

Ein tiefer Riss bei den Rechten

Während bei den Republikanern die Fetzen fliegen, brodelt es auch weiter rechts im politischen Spektrum. Die mögliche Allianz zwischen dem Rassemblement National (RN) und den Republikanern (LR) sorgt für Spannungen und Neuausrichtungen.

Besonders brisant ist der Bruch zwischen Éric Zemmour, dem Vorsitzenden der ultra-rechten Partei Reconquête, und seiner ehemaligen Verbündeten Marion Maréchal. Maréchal warf Zemmour vor, gegen ihren Willen so viele Kandidaten wie möglich gegen die neue rechte Koalition in ganz Frankreich aufzustellen und somit das Risiko einzugehen, eine „beispiellose Hoffnung“ zu zerstören.

Politische Konsequenzen und Perspektiven

Die Zerrissenheit innerhalb der rechten Lager könnte weitreichende Konsequenzen für die anstehenden Wahlen haben. Der politische Überlebenskampf von Éric Zemmour ist in vollem Gange, und die Frage steht im Raum, ob seine Partei unter diesen Umständen überhaupt bestehen kann. Interessanterweise zieht Emmanuel Macron bisher keinen sichtbaren Nutzen aus diesen Zerwürfnissen der Rechten, obwohl er sich eine solche Entwicklung vermutlich gewünscht hat.

Während sich die politischen Lager auf der rechten Seite des politischen Spektrums in Chaos und Streit verlieren, bleibt abzuwarten, wie sich diese Entwicklungen auf die Wahlchancen der einzelnen Parteien auswirken werden. Die kommenden Wochen versprechen jedenfalls spannend zu werden – in der französischen Politik geht es derzeit drunter und drüber.


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