Covid-19 im Südwesten: “Die vierte Welle hat ein noch nie dagewesenes Ausmaß” – warnt die ARS

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Der Generaldirektor der regionalen Gesundheitsagentur (ARS) für die Region Okzitanien, Pierre Ricordeau, der aus seiner Besorgnis keinen Hehl macht, hat angesichts der schnellen Ausbreitung der Delta-Variante, die zum Hauptinfektionsstamm im Südwesten Frankreichs geworden ist, einen “Appell zur Wachsamkeit, zu Barrieremaßnahmen und zur Impfung” gestartet. Die Region hat in den letzten Tagen die höchsten Inzidenzraten in Frankreich verzeichnet. Hier seine Antworten auf Fragen der Zeitung La Depeche:

La Depeche: Die Region Occitanie führt die Regionen in Bezug auf die Inzidenzrate an. Wie sieht es mit der Entwicklung der Epidemie aus?

Die Epidemie entwickelt sich wie verrückt in der Region. Aufgrund der hohen Ansteckungsfähigkeit der Delta-Variante handelt es sich um eine vierte Welle von noch nie dagewesenem Ausmaß. Wir haben eine durchschnittliche Inzidenzrate von 175 Fällen pro 100.000 Einwohner, wobei die Steigerungsraten je nach Departement zwischen 100%, 200%, 300% und mehr in einer Woche variieren.

Elf von dreizehn Departements haben die Alarmschwelle von 50 überschritten. Alle Küsten-Departements sind betroffen: Pyrénées-Orientales, Aude, Hérault, Gard, natürlich Haute-Garonne, aber auch Ariège, Tarn und Tarn-et-Garonne. Kein Vergleich zum letzten Sommer, als wir mit dem historischen Stamm von Covid lebten, damals hatten wir eine wöchentliche Wachstumsrate von 30% bei der Inzidenzrate. Wir befinden uns heute nicht mehr auf der gleichen Skala. Es handelt sich um eine Epidemie, die sich von früheren Epidemien durch ihr Tempo und ihre blitzartige Geschwindigkeit unterscheidet.

La Depeche: Sehen wir bei den Patienten eine Verschlimmerung der Krankheit?

Es gibt derzeit keine Anzeichen für eine Verschlimmerung, auch wenn wir noch nicht den nötigen Überblick haben. Derzeit können wir nicht sagen, dass diese Variante gefährlicher ist als die anderen, aber sie ist ansteckender. Sehr besorgniserregend ist, dass die Ansteckungsrate unter den 20-30 jährigen sprunghaft angestiegen ist, mit einer Inzidenz von 500. Mit Spitzenwerten in den Pyrénées-Orientales von 1.500 in der Altersgruppe 20-30, also dem 30-fachen der Alarmschwelle. Wir können auch sehen, wie sich die Ansteckung unter den älteren Menschen auszubreiten beginnt. Wir befürchten nun, dass sich die Ausbreitung von den Jüngsten zu den Älteren noch schneller vollziehen wird.

La Depeche: Welche Auswirkungen wird dies auf das Gesundheitssystem in der Region Occitanie haben?

Es gibt bereits eine Auswirkung auf das Gesundheitssystem. Wir sehen es sehr deutlich an der Zahl der Konsultationen in den Arztpraxen, bei Not-Ärzten und an der Zahl der Besuche in der Notaufnahme. In den letzten zwei Wochen ist ein starker Anstieg zu verzeichnen. Bei den Krankenhausaufenthalten ist ein Anstieg mit einer Verdreifachung der Zahl der Krankenhauseinlieferungen zu beobachten. Vor drei Wochen waren wir in Okzitanien bei 30 Krankenhauseinlieferungen pro Woche, jetzt haben wir 100 Krankenhauseinlieferungen pro Woche erreicht. Wir möchten auch, dass die Menschen verstehen, dass 10% der Infizierten am sogenannten Long-Covid leiden werden. Krankheitssymptome die unterschiedlich lange dauern können: Gedächtnisverlust, Müdigkeit, Geruchs- und Geschmacksverlust, Kurzatmigkeit, Gelenkschmerzen, usw.

La Depeche: Wie sieht es mit den Impfungen in der Region aus?

Die Kampagne ist sehr aktiv, leider haben wir noch nicht die gesamte Bevölkerung von Okzitanien mit fast 6 Millionen Einwohner geimpft. Wir haben 3,4 Millionen Menschen in der Region, die mindestens eine Injektion erhalten haben. Der Grad der Immunität, der notwendig ist, um die Ansteckungsketten zu unterbrechen, hängt von der Impfung ab. Bis Ende August sollten wir fast 4,5 Millionen erreichen. Wir haben in den letzten sieben Tagen mit 365.000 Injektionen in einer Woche einen Rekord aufgestellt. Wir wollen noch darüber hinausgehen. Es ist ein Wettlauf mit der Zeit. Wir werden die Epidemiewelle nicht aufhalten, aber wir können sie verzögern, verlangsamen und Zeit gewinnen, indem wir mit der Impfung weitermachen. Maßnahmen zur Förderung der Impfung wurden von den staatlichen Diensten ergriffen, insbesondere mit der Ausweitung des Gesundheitspasses in mehreren Schritten, der Wiedereinführung der Maskenpflicht und der Barrieregesten. Diese Maßnahmen müssen schnell umgesetzt werden, um schlimmere Maßnahmen wie einen Lockdown zu vermeiden.


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