Création Corona: Die neue, trendige Frisur

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Der Beginn des neuen Lockdowns in Frankreich, also des reconfinements, wurde relativ kurzfristig bekanntgegeben. Man hatte kaum richtig Zeit, sich darauf einzustellen.

Mir jedenfalls ging es so. Und offensichtlich war ich nicht die Einzige, die erschrocken realisierte, dass Friseurgeschäfte nicht zu den lebensnotwendigen Einrichtungen gehören. Ab dem nächsten Tag mussten sie geschlossen bleiben. Vielleicht zählte ich zu den Letzten, denen das bewusst wurde. Tatsache ist, dass ich keinen Termin mehr bekam, überall waren Friseursalons restlos ausgebucht …

Und sie bleiben weiterhin geschlossen, mindestens bis zum 1. Dezember. Die Haarpracht darf also ungezügelt weiterwachsen, sehr zum Leidwesen aller Menschen, die gerne einen gepflegten Eindruck machen wollen.

Zu denen zähle ich mich eigentlich auch. Aber manchmal verpasst man es, gerade zum richtigen Zeitpunkt zum Friseur zu gehen. Kennst du solche Situationen? Ich schiebe den Friseurbesuch immer wieder hinaus, bis ich meine: Jetzt geht es wirklich nicht mehr anders.

So auch Ende dieses Sommers. Eine ganze Weile dachte ich: Es hat noch Zeit.

Aber dann, gerade als ich mich entschlossen hatte, plötzlich – „rien ne va plus“!

Jetzt ist guter Rat teuer. Was tun? Selber zur Schere greifen? Mit Gummibändern, Nädelchen, Tüchern, Klämmerchen etwas Neues kreieren? Oder die radikale Lösung wählen und alles kurz und klein scheren mit des Ehegatten vielgeliebtem Trimmer?

Ich bin sicher nicht allein mit diesen Fragen. Wie kommst du klar, ohne zum Friseur zu können?

Apropos Friseur: Das Wort sieht mit dem „eu“, ausgesprochen „ö“, verdächtig französisch aus. Das ist es ursprünglich auch. Das Verb friser heißt heute allerdings nicht etwa „kämmen“, sondern „sich kräuseln, sich wellen“. Der Friseur, die Friseuse oder Friseurin heißt auf Französisch le coiffeur, la coiffeuse. Und so sagen auch die Schweizer zum Haarschneider – ah, hier haben wir nun auch das eigentliche deutsche Wort.

Im Deutschen darf man übrigens auch Frisör und Frisörin schreiben. Aber so richtig durchgesetzt hat sich diese eingedeutschte Form (noch) nicht. Ihr fehlt einfach das französische Flair …

Ich habe mich nach reiflicher Überlegung nun entschieden, schlicht abzuwarten, bis die Haarkünstler (noch ein deutsches Wort) wieder aufmachen dürfen. Egal wie ich aussehe.

Falls du jetzt meinst, dieses „haarige“ Problem sei ein Luxusproblemchen, und es gebe wahrhaftig ernsthaftere Schwierigkeiten zu meistern, dann muss ich dir sagen: Du hast vollständig recht. Die gibt es. Ich will sie nicht kleinreden.

Ich möchte aber auch in diesen Zeiten meinen Humor nicht ganz verlieren. Solange ich noch über die Vogelscheuche im Spiegel, also über mich selbst, lachen kann, habe ich auch den Mut und die Kraft für die ernsthaften Herausforderungen.

Ich wünsche auch dir die nötige Kraft dafür!

Deine Elisa


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