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Der lang erwartete Moment ist da: Die erste Supermetro der Pariser Region, die Saint-Denis im Norden von Paris mit dem Flughafen Orly im Süden verbindet, steht vor ihrer feierlichen Eröffnung. Pünktlich zu den Olympischen Spielen, die vom 26. Juli bis zum 11. August in der französischen Hauptstadt stattfinden, wird die erweiterte Linie 14 ihren Betrieb aufnehmen.

Ein bedeutender Moment

Das Timing könnte nicht besser sein. Am Montag, dem 24. Juni, wird Präsident Emmanuel Macron an der Einweihungszeremonie teilnehmen – eine Veranstaltung, die inmitten einer turbulenten politischen Phase stattfindet. Sechs Tage vor den ungewissen Parlamentswahlen, die durch die überraschende Auflösung der Nationalversammlung nötig wurden, zeigt sich Macron entschlossen, die erfolgreiche Fertigstellung dieses prestigeträchtigen Projekts zu feiern. Erinnerungen an 1998 werden wach, als Jacques Chirac den ersten Abschnitt der Linie 14 nach der Fußballweltmeisterschaft einweihte.

Herausforderung gemeistert

Für die RATP, die für das Projekt verantwortlich ist, ist es ein großer Erfolg. Der Sprecher des Unternehmens, Jimmy Brun, hebt die Komplexität des Projekts hervor: „Es war ultrakomplex, mit einer Erweiterung, einer Modernisierung des Automatisierungssystems und der Erneuerung des rollenden Materials.“ Die Zahlen sprechen für sich: 28 Kilometer Länge, acht neue Stationen und elf durchquerte Gemeinden – die Linie 14 wird bis Mitte 2025 täglich eine Million Fahrgäste befördern und damit der erste „Supermetro“ der Region sein.

Verbindungen und Vorteile

Stéphane Garreau, Projektleiter, beschreibt die Linie als „Bindeglied zwischen dem historischen Netz und dem zukünftigen Grand Paris Express“. Die neue Strecke bietet Verbindungen zu den Linien 15, 16, 17 und 18, die derzeit noch im Bau sind.

Die Linie 14 wird eine entscheidende Rolle während der Olympischen Spiele spielen. Sie verbindet im Norden das Athletendorf, das Stade de France und das Aquatic Centre, wodurch die stark frequentierten Linien B und D des RER sowie die Metro-Linie 13 entlastet werden. Im Süden erreicht sie den Flughafen Orly in nur 25 Minuten vom Zentrum von Paris aus.

Kraftanstrengung schon während der Pandemie

Die Realisierung dieses Projekts war keine leichte Aufgabe. Trotz der Herausforderungen durch die COVID-19-Pandemie liefen die Bauarbeiten fast ununterbrochen weiter. Mehrere Wochenendschließungen, Schließungen in den Schulferien und Abendstunden wurden genutzt, um das Projekt termingerecht fertigzustellen. Auch eine zweiwöchige Schließung während der Winterferien und weitere Sperrungen im April und Mai waren nötig, um den neuen automatischen Betrieb zu integrieren und die Verbindung zur bestehenden Linie herzustellen.

Steigende Passagierzahlen erwartet

Für die vorhersehbare Zunahme der Fahrgastzahlen hat Île-de-France Mobilités (IDFM) 1,1 Milliarden Euro in 72 neue Züge investiert, von denen bis zu den Olympischen Spielen bereits 50 im Einsatz sein werden. Die Erweiterung der Linie hat 3,5 Milliarden Euro gekostet, finanziert durch die Société des grands projets (SGP).

Die Bewohner im Süden von Paris, insbesondere im Val-de-Marne und in der Essonne, werden von dieser Erweiterung profitieren. Schätzungen zufolge werden 10 % der Beschäftigten und Reisenden des Flughafens Orly sofort vom Auto auf den Metro umsteigen. Bisher nutzten 90 % der 28.000 Angestellten und 70 % der Passagiere den individuellen Fahrzeugverkehr.

Ein Blick in die Zukunft

Die Linie 14 wird nicht nur den Verkehr in der Region entlasten, sondern auch wichtige Orte im Süden der Île-de-France besser zugänglich machen. Dazu gehören der Markt von Rungis, die zukünftige Cité de la Gastronomie, die 2028 eröffnen soll, und das wissenschaftliche Zentrum von Bièvre.

Nach acht Jahren Bauzeit markiert die Fertigstellung dieses Projekts einen bedeutenden Meilenstein für die RATP. Die nächste große Aufgabe steht bereits bevor: die Automatisierung der Linie 13, die bis 2035 abgeschlossen sein soll.

Abschließend bleibt die Frage: Wird diese Supermetro tatsächlich eines der großen Verkehrsprobleme von Paris lösen können? Eines ist sicher – es ist ein großer Schritt in die richtige Richtung.


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