Ein paar Gedanken zu „Demokratie“

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Coronamaßnahmen, Vorgänge in einigen EU-Ländern und jetzt die jüngsten Ereignisse in den USA lassen viele aufhorchen. Was passiert da – geht es der Demokratie an den Kragen?

Das Wort ist griechischen Ursprungs. „Demos“ meint das Staatsvolk, „kratos“ bedeutet Herrschaft. Die Idee der Demokratie – der griechische Begriff lässt es vermuten – entstand im antiken Griechenland. Die Wurzeln der Volksherrschaft liegen im griechischen Stadtstaat  (4.-6. Jahrhundert v. Chr.).

Durch verschiedene Entwicklungen, unter anderem aufgrund monotheistischer Religionen, musste die Idee von der Herrschaft des Volkes der Auffassung von der gottgewollten Alleinherrschaft weichen. Sie wurde erst im 18.Jahrhundert neu entdeckt. Seit der Aufklärung geht man davon aus, dass alle Menschen vernunftbegabt sind. Damit wurden Forderungen nach Volkssouveränität und nach Verfassungen laut. In ganz Europa und den gerade entstehenden USA gab es bürgerliche Revolutionen, deren größte Wirkung die französische, „la Grande Révolution“, von 1789 hatte. Man muss dazusagen, dass „la Terreur“, das Terrorregime der Jakobiner, durchaus totalitäre Züge aufwies – im Namen der Gleichheit. Es wurde abgelöst von einem Monarchen …

Allerdings war die Entwicklung zur modernen Demokratie nicht mehr rückgängig zu machen. Die Bürger forderten eine Verfassung, eine Erklärung der Menschenrechte sowie allgemeine Bürgerrechte. Die Idee der Republik setzte sich durch.

Es gab im 20. Jahrhundert aber noch einen heftigen Rückfall in nachgerade barbarische Verhältnisse. Der aufkommende Faschismus nannte sich „demokratisch“, verlangte aber Gehorsam gegenüber einer Führerfigur und schloss viele Menschengruppen aus, nicht nur aus dem politischen Leben.

Nach dem nationalsozialistischen Regime mit seinen unfassbaren Verbrechen gegen die Menschlichkeit war die junge Bundesrepublik gefordert, einen grundsätzlich anderen, effektiv gehbaren politischen Weg zu finden, der alle Bürger*innen und ihre Rechte einschließt. So wurde 1945 das Grundgesetz entwickelt.

Um diese Grundrechte machen sich derzeit einige besorgte Bürger, nicht nur in Deutschland,  intensiv Gedanken. Werden sie mit den Coronamaßnahmen noch eingehalten oder schon mit Füßen getreten? Was ist mit den persönlichen Freiheiten? Inwieweit muss ich mich einschränken lassen, um nicht andere Leben zu gefährden? Was macht Corona mit der Demokratie? Ist die Demokratie überholt?

Diese Fragen werden sicher in allen mehr oder weniger demokratischen Ländern auftauchen. Meinungen gibt es viele, aber keine wirklichen Antworten. Im Grunde hängt die Antwort von jedem und jeder Einzelnen von uns ab und davon, wie sehr wir versuchen, dem Anspruch der Aufklärung gerecht zu werden, nämlich als vernunftbegabte Wesen zu denken und zu handeln. Dazu gehört es auch, alle Meinungen anzuhören und nicht von vornherein das abzublocken, was uns selber nicht gefällt. Eben diese Offenheit gehört zum Wesen der Demokratie.

Ich weiß, das ist leicht gesagt … schon im familiären Rahmen ist es schwierig. Wie oft kriegt man sich in die Wolle, weil die Meinungen auseinandergehen! Versuchen wir es einfach weiter, im Gedanken daran, dass  wir vernunftbegabt sind 🙂 Es liegt an uns.

Deine Elisa


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