Tag & Nacht

Am Sonntag rufen feministische Organisationen und Gewerkschaften zu landesweiten Demonstrationen auf, um gegen den „Pseudo-Feminismus“ der extremen Rechten und die „reale Gefahr, die sie für die Frauenrechte darstellt“ zu protestieren. Eine Woche vor dem ersten Wahlgang stehen die Chancen des Rassemblement National (RN) in den Umfragen gut. Die Linke und das Lager des Präsidenten versuchen verzweifelt, aufzuholen, und appellieren an einen „republikanischen Aufschwung“.

Ein Aufschrei der Frauen

„Diskriminiert, unterbezahlt, ausgebeutet – die Frauen kämpfen weiter!“ So lautete die Botschaft auf einer großen Banner während einer Demonstration gegen die extreme Rechte in Nantes am 22. Juni 2024. Diese Worte spiegeln die Empörung und den Widerstand wider, die viele Frauen in Frankreich angesichts der bevorstehenden Wahlen empfinden.

Die Bedrohung der Frauenrechte

Feministische Märsche gegen die extreme Rechte werden am Sonntag in ganz Frankreich organisiert. Besonders beunruhigend für die Aktivistinnen ist die Aussicht auf eine absolute oder relative Mehrheit des Rassemblement National (RN) in der Nationalversammlung. Sie befürchten, dass dies zu Kürzungen der öffentlichen Zuschüsse führen könnte, was direkte negative Auswirkungen auf Frauen hätte.

Der RN führt die Umfragen an, gefolgt von der Linken und dem weit abgeschlagenen Lager des Präsidenten, das zu einem „republikanischen Aufschwung“ aufruft. Aber reicht das, um die Frauen zu beruhigen? Wohl kaum.

Das Bildungsprojekt des RN: „Sozialer Ausschuss“

Die französische Bildungsministerin Nicole Belloubet kritisierte das Bildungsprogramm des Rassemblement National scharf und bezeichnete es als „sozialen Ausschuss“. Ihrer Ansicht nach zielt das Programm der extremen Rechten darauf ab, soziale Ungleichheiten zu verschärfen, indem es das Ende des einheitlichen Schulwesens und eine stärkere Selektion vorsieht.

Auch die Linke hat bereits das RN-Blidungsprogramm kritisiert, das nach ihrer Meinung auf eine soziale Selektion hinauslaufen werde. Belloubet sagt: „In ihrem Programm findet sich kaum etwas zur Bildung, aber wenn man die Aussagen ihrer Mitglieder liest, geht es um das Ende des einheitlichen Schulwesens und um Selektion“. Im Gegensatz dazu wolle die aktuelle Regierung eine Schule, die alle Schüler aufnimmt und bestmöglich fördert.

Christliche Gruppen gegen die extreme Rechte

Neben der feministischen Demonstration findet am Sonntag in Paris eine weitere Kundgebung gegen die extreme Rechte statt. Das christliche Kollektiv Justice & Espérance organisiert diese, um gegen die Instrumentalisierung sozialer Schwierigkeiten durch die extreme Rechte zu protestieren. „Unser Glaube ist unvereinbar mit der extremen Rechten und ihrer Instrumentalisierung sozialer Probleme, die den Ausländer als Sündenbock darstellt“, heißt es auf der Website des Kollektivs. Die Kundgebung beginnt um 16 Uhr auf der Esplanade du Souvenir-Français in Paris.

Aufruf zur feministischen Mobilisierung

Feministische Organisationen und Gewerkschaften riefen am Sonntag zu einer allgemeinen Mobilisierung gegen die extreme Rechte auf. Sie prangern den „Pseudo-Feminismus“ und die „reale Gefahr für die Frauenrechte“ an, die vom RN ausgehen. Der RN wies diese Anschuldigungen als „Karikaturen“ zurück.

Mit Unterstützung von über 200 Organisationen, darunter die Fondation des femmes, Planning familial, #NousToutes, Oxfam und France Terre d’Asile, startet der Protestmarsch um 14:30 Uhr an der Place de la République und endet an der Place de la Nation. Dort wird eine „feministische Warnung“ mit Trillerpfeifen ertönen. Weitere ähnliche Demonstrationen finden in rund 30 anderen Städten statt, darunter Bordeaux, Clermont-Ferrand, Poitiers und Nizza.

Eine Aufforderung zum Handeln!

Warum marschieren so viele Menschen gegen die extreme Rechte? Ganz einfach: Es geht um die Verteidigung grundlegender Rechte und Freiheiten. Der feministische Protest ist ein starkes Signal – Frauen lassen sich nicht einschüchtern und kämpfen für ihre Rechte. Bleibt die Frage: Werden die französischen Wählerinnen und Wähler diesen Aufruf hören und sich entsprechend entscheiden?


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