Homeoffice und Dresscode

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Ein Wunsch-Arbeitsplatz!

Mit der Verlegung des Arbeitsplatzes in die eigenen vier Wände kamen bei manchen Menschen Fragen auf, bei denen nicht so ganz klar war, wie ernst sie gemeint waren, zum Beispiel: „Muss ich im Homeoffice einen BH tragen?“

Im Lauf der Zeit stellte sich heraus, dass solche Fragen durchaus mehr Bedeutung haben, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Dahinter steckt die unausgesprochene Frage: Wie kann ich meine Arbeit so effektiv und gewissenhaft verrichten, als wäre ich im Büro, aber mich anziehen und aussehen, als wäre Wochenende? Wie krieg ich das zusammen?

Erst einmal kam mit dem Arbeiten von zuhause aus die Erkenntnis, dass dies eine enorme Freiheit bot in Bezug auf Kleidung. Und vielleicht war manch eine(r) erstaunt über sich selber. Einige fühlen sich nur wohl und motiviert zum Arbeiten, wenn sie sich entsprechend gestylt haben – selbst zuhause, allein, auch wenn sie genau wissen: Niemand sieht mich. Andere lieben Jogginghose und Schlabberdress, auch bei der Arbeit, und haben das voll ausgenutzt. Daneben gibt es noch die „Zweigeteilten“, die über Video Kontakte mit Kollegen oder Kunden haben und dadurch (zur Hälfte) sichtbar sind: deshalb oben gekleidet wie zu Bürozeiten, aber unten leger, warum nicht Hemd und Krawatte zur Schlafanzughose! Du hast vielleicht auch die Karikatur des Menschen gesehen, der während der Videokonferenz entspannt sein Fußbad nimmt 😉

Interessant ist, dass in Frankreich speziell Frauen während des ersten Lockdowns festgestellt haben, wie sehr sie bisher dem allgemeinen Konsens über äußeres Auftreten verhaftet waren und wie viele Zugeständnisse sie an die Erwartungen anderer an ihr Äußeres gemacht haben. Jetzt erst, wo keine anderen Leute um den Weg waren, konnte das so richtig ins Bewusstsein dringen. Warum sollte frau sich einengen und kneifen lassen von einem toll aussehenden, aber unbequemen Outfit? Und wenn wir schon dran sind: Warum sollte ich mir eine Farbe ins Gesicht schmieren, von der ich nicht weiß, welche „Nebenwirkungen“ sie hat, nur um ansehnlich zu sein – für wen? Ist doch keiner da … Aber auch in Gesellschaft ist die Bereitschaft gesunken, die Erwartungen von anderen zu erfüllen. Manch ein BH flog bei der Gelegenheit in die Ecke, gleich gefolgt von Wimperntusche und Lippenstift …

Der Lockdown und die Heimarbeit gaben dazu den Anstoß. Eine gewisse Sensibilisierung war vorher schon vorhanden, aber nicht wirklich bewusst geworden. Wie man auch in anderem Zusammenhang immer wieder hört, hat Corona hier manches ans Licht gebracht, was schon da war, aber eben im Verborgenen.

Die Deutschen hatten in Bezug auf Homeoffice und Dresscode andere Probleme: Hat die nachlässige Kleidung eine Auswirkung auf die Leistung? Wird die Arbeit besser und effektiver erledigt, wenn der Mann Hemd und Krawatte, die Frau eine Bluse und eine hübsche Jacke trägt? „Die Arbeit beginnt vor dem Kleiderschrank“, so lautet eine Meinung. Manche kriegen es bestimmt im Schlafanzug genauso gut, wenn nicht gar besser, hin.

Nehmen wir die Situation und solche Überlegungen zum Anlass, uns über uns selbst klar zu werden. Welcher Typ bin ich, was an Äußerlichkeiten brauche oder möchte ich (dazu gehört neben dem eigenen Aussehen auch die Umgebung wie Pflanzen, Fotos und Bilder, Platz am Fenster, …), wie fühle ich mich am wohlsten, sodass ich motiviert arbeiten kann? Letztendlich muss das jede(r) für sich selbst entscheiden. Und dann das Beste aus dem Homeoffice machen.

Deine Elisa


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