Alle Artikel · 02.10.2022 10:57
Kann Obst und Gemüse der Saison den Energieverbrauch senken?
Gemüse oder Obst, die in gewärmten Treibhäusern gezüchtet oder künstlich gereift werden, verbrauchen viel mehr Energie als saisonale Produkte. Ist es bald vorbei mit den Erdbeeren, Tomaten und Kirschen, die selbst im Dezember in...
Gemüse oder Obst, die in gewärmten Treibhäusern gezüchtet oder künstlich gereift werden, verbrauchen viel mehr Energie als saisonale Produkte.
Ist es bald vorbei mit den Erdbeeren, Tomaten und Kirschen, die selbst im Dezember in den Supermarktregalen zum Verkauf angeboten werden? Diese Frage kann man sich stellen, seit Frankreich mit allen Mitteln versucht, seinen Energieverbrauch zu senken.
Ist die französische Gesellschaft auf dem Weg zu umweltbewussteren Entscheidungen und dem Ende des Überflusses an verschiedenen Gemüse- und Obstsorten?
Tipps zum sparsamen Umgang mit Energie gibt es seit Beginn des Sommers, und je kälter die Monate werden, desto mehr rückt das Thema in den Vordergrund: nicht alle vier Herdplatten in der Küche gleichzeitig aufheizen, das WLAN vor dem Wochenendausflug ausschalten, den Fernseher nicht einschalten, wenn man nicht schaut, oder die Heizung nicht höher als 19 Grad aufzudrehen.
Energie sparen fängt allerdings schon auch auf dem Teller an - ganz einfach, indem man saisonal isst. Wenn die Franzosen im Winter nur Brokkoli oder Kartoffeln verzehren und auf Salate und Tomaten verzichten würden, könnte das Land erheblich weniger Strom und Gas verbrauchen. "90% der französischen Tomaten- und Gurkenproduktion stammen aus beheizten Gewächshäusern, 60% der Erdbeerproduktion", sagt Laurent Grandin, Präsident des Branchenverbands für frisches Obst und Gemüse (Interfel).
Und es sind meist ziemlich energieintensive Gewächshäuser. Laut der Studie "Utilisation rationnelle de l'énergie dans les serres" (Agence de l'environnement et de la maîtrise de l'énergie) macht die Energie im Gemüseanbau durchschnittlich 22% der direkten Produktionskosten der Betriebe mit beheizten Gewächshäusern aus, im Gartenbau sind es 11%.
Für 77% der französischen Gewächshausflächen wird Gas als Brennstoff zur Heizung verwendet. Für Bananen, die zweithäufigst verkaufte Frucht in Frankreich, wird viel Strom verbraucht: "Für den Transport wird die Banane auf 11-12 Grad kühl gehalten. Sobald sie bei uns angekommen ist, muss sie gereift werden, um im Fruchtfleisch Stärke in Zucker umzuwandeln", erklärt Laurent Grandin.
Es wird niemanden überraschen: Wenn man die Temperatur aufheizen, um eine Banane reifen zu lassen, verbraucht man Energie.
Könnte das jetzt zu einer Verhaltensänderung hin zu mehr ökologischer Verantwortung führen? Eine gute Sache, meint Marie-Eve Laporte, Forschungsdozentin an der IAE Paris-Sorbonne und Spezialistin für Essverhalten: "Abgesehen von ökologischen Erwägungen diversifiziert man seine Ernährung, wenn man nach Saison isst, was wichtig ist. Saisonales Obst und Gemüse hat außerdem mehr Vitamine und Nährwerte."