Kritische Neuauflage von “Mein Kampf” am 2. Juni in Frankreich

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Kritische und kommentierte Neuauflage von "Mein Kampf"erscheint ab 2. Juni in Frankreich bei Fayard.

Nach zehnjähriger wissenschaftlicher Zusammenarbeit veröffentlicht der Fayard-Verlag am 2. Juni eine kritische Fassung von “Mein Kampf”, einem Exposé der rassistischen und antisemitischen Ideologie Adolf Hitlers. Die Verteidiger des Projekts beabsichtigen damit, ein wenig bekanntes und von manchen idealisierte Pamphlet zu entschärfen. Die Veröffentlichung wurde wegen des polemischen Charakters des Werks mehrfach verschoben.

Keine Illustrationen, keine Farbe, Hitlers Name erscheint nicht einmal auf dem weißen Einband dieses etwa 1.000 Seiten starken Buches. Eine nüchternere Publikation für die Neuauflage von “Mein Kampf”, die Fayard für den 2. Juni vorbereitet, ist kaum zu finden. Das Buch mit dem Titel “Historiciser le mal, une édition critique de ‘Mein Kampf'” verwendet nicht einmal den Originaltitel, da es sich in erster Linie um eine neue Übersetzung von Adolf Hitlers Text handelt, die durch einen umfangreichen kritischen Apparat und wissenschaftliche Anmerkungen ergänzt wird. “Die Anmerkungen und Kritiken, die dem Originaltext beigefügt sind, machen zwei Drittel des Werkes aus, das Ergebnis von zehn langen Jahren Forschung, daher wäre es falsch, von einer einfachen Übersetzung zu sprechen”, erklärte Hélène Miard-Delacroix, Professorin an der Universität Sorbonne und Spezialistin für deutsche Geschichte, gegenüber France 24.

Von Hitler zwischen 1924 und 1925 verfasst, ist “Mein Kampf” das Manifest, das zum ersten Mal die Konturen des Nationalsozialismus definiert und schlussendlich zum Zweiten Weltkrieg führte, der zwischen 50 und 70 Millionen Menschen töten wird. Hitler, der damals nach einem gescheiterten Putsch in Bayern eine Haftstrafe verbüßte, entlarvt in dem Buch seine rassistischen und antisemitische Ideologie. Das Buch ist auch eine Autobiographie, in der Adolf Hitler auf sein Leben zurückblickt.

Im Wissen um die Kontroverse, die die Veröffentlichung dieses Nazi-Pamphlets auslösen könnte, hofft Fayard alle notwendigen Maßnahmen ergriffen zu haben, um möglichen Vorwürfe eines Verlags-Coups zu entgehen. Das Buch wird daher nicht in den Regalen der Buchhandlungen stehen, sondern nur auf Bestellung erhältlich sein. Auch der Preis des Buches, das für 100 Euro verkauft wird, ist abschreckend. Von einer Subventionierung dieser wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Nazi-Ideologie durch den Verlag kann keine Rede sein. Fayard versichert, dass alle Gewinne aus dem Verkauf an die Stiftung Auschwitz-Birkenau gespendet werden. Auch die Vorstellung des Buches fand am 19. Mai in größter Stille statt. Die Strenge des Frédéric-Joliot-Saals im CNRS-Hauptquartier in Paris sollte den wissenschaftlichen Charakter des Projekts betonen.


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