Tag & Nacht

Die Franzosen sind noch immer geschockt von Emmanuel Macrons Entscheidung, die Nationalversammlung aufzulösen. Dies geschah als Reaktion auf den Sieg des Rassemblement National bei den Europawahlen am Sonntag, dem 9. Juni.

Paris, Toulouse, Rouen und Montpellier – überall in Frankreich wird am Montag, dem 10. Juni, über nichts anderes gesprochen. Viele Franzosen waren von der Ankündigung des Staatschefs überrascht, doch einige zeigen Verständnis. „Er ist in die Ecke gedrängt (…) es gibt keine anderen Lösungen mehr, also ist es klug, diesen Schritt zu gehen“, meint ein Passant im Gespräch mit France Télévisions. „Er möchte eine Koalition mit jemandem aus dem Rassemblement National, um später zu beweisen, dass diese Politik nicht die beste ist“, spekuliert ein anderer.

Wähler sind mobilisiert

Die Kampagne für die Parlamentswahlen ist ab sofort in vollem Gange. Die Entscheidung der Franzosen steht zwar noch aus, doch die Mobilisierung ist bereits spürbar. „Ich habe meine Reise verschoben, um am 30. Juni und 7. Juli wählen zu können“, erzählt eine Passantin. „Ich werde mich sehr genau in die Programme einlesen müssen“, fügt ein anderer hinzu. Und eine weitere Wählerin appelliert an die Nichtwähler: „Die Menschen, die bisher schweigen, müssen nun aufstehen und sagen: ‚Wir wollen das, wirklich'“. Bis zum ersten Wahlgang sind es noch drei Wochen.

Was bedeutet diese Parlamentsauflösung für Frankreich? Die Atmosphäre ist angespannt, die politische Landschaft unsicher – doch auch voller Möglichkeiten. Die kommenden Wochen werden zeigen, welche Richtung das Land einschlägt und ob Macrons riskanter Schritt die erhoffte Wirkung zeigt. Ein spannender politischer Sommer steht bevor.


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