Tag & Nacht

Eine aufstrebende politische Figur

Marine Tondelier hat sich mit ihrem scharfsinnigen Ton und ihrer unverblümten Ehrlichkeit als herausragende politische Persönlichkeit während der Kampagne zu den vorgezogenen Parlamentswahlen etabliert. Als Anführerin der Grünen und gebürtig aus Hénin-Beaumont, einer Stadt, die zur Hochburg von Marine Le Pen wurde, kennt sie die Auseinandersetzungen mit der extremen Rechten nur zu gut. Jordan Bardella, der sich einer Debatte mit ihr stellen sollte, hat dieses Duell jedoch abgelehnt.

Emotionale Momente auf Social Media

Am Montag, dem 1. Juli, verbreitete sich ein emotionaler Auftritt von Tondelier bei France Inter wie ein Lauffeuer in den sozialen Medien. Als Wirtschaftsminister Bruno Le Maire erneut versuchte, den Rassemblement National und La France Insoumise gleichzusetzen, antwortete die Vorsitzende der Grünen mit Tränen in den Augen, dass er ein „feiger und privilegierter“ Politiker sei, der „der Geschichte nicht gerecht wird“.

Eine Stimme, die gehört wird

Ihre unverblümte Ausdrucksweise, die komplexe Themen zugänglich macht, ohne dabei respektlos zu wirken, findet großen Anklang. David Cormand, ehemaliger Parteivorsitzender und jetziger Europaabgeordneter, betont, dass sie die Gesellschaft verstehe und Hoffnung verbreite. Hat diese Ehrlichkeit Bardella verängstigt? Er verweigerte sich jedenfalls einem geplanten TV-Duell…

Einblicke und Erfahrung im Umgang mit der extremen Rechten

Mit 37 Jahren hat Tondelier bereits viel Erfahrung im Umgang mit der extremen Rechten gesammelt. Als sie in Hénin-Beaumont aufwuchs, erlebte sie, wie der Front National 2014 dort die Macht übernahm. Es war das Jahr, in dem sie erstmals in den Stadtrat gewählt wurde. Diese Erfahrungen verarbeitete sie in ihrem Buch „Nouvelles du Front“, in dem sie die Brutalität der Methoden des rechtsextremen Bürgermeisters Steeve Briois beschreibt.

Unermüdlicher Kampfgeist

„Nie den Kopf hängen lassen, nie den Blick senken, nie aufgeben!“ lautet Tondeliers Motto. Trotz mehrerer erfolgloser Wahlen gegen Marine Le Pen bleibt sie ihrer Heimat treu. Aktuell tritt sie als Stellvertreterin der sozialistischen Kandidatin Samira Laal an, die jedoch im ersten Wahlgang scheiterte.

Einfluss und Führungskraft

Seit 2021 ist Tondelier auch Regionalrätin in der Region Hauts-de-France und spielt eine zentrale Rolle in ihrer Partei. Ihre bisherigen Positionen, darunter als Assistentin im Senat und der Nationalversammlung, gaben ihr tiefgehende Einblicke in die parlamentarischen Prozesse Frankreichs. 2022 übernahm sie die Leitung der Grünen und setzte sich für die Autonomie ihrer Partei bei den Europawahlen ein.

Die Herausforderung der Europawahlen

Die Liste der Grünen, geführt von Marie Toussaint, erzielte allerdings nur 5,50 % der Stimmen, weit hinter anderen linken Parteien und den Ergebnissen von 2019. Interne Kritik an Tondeliers Strategie führte zu Forderungen nach einem Sonderparteitag, doch die unerwartete Ankündigung der Auflösung der Nationalversammlung änderte die politische Landschaft drastisch.

Führungsstärke in der Krise

Tondelier spielte eine entscheidende Rolle bei der Einigung der linken Kräfte zur Gründung des neuen Volksfronts. Mit Verhandlungen und klarem Führungsstil brachte sie die verschiedenen Parteien an einen Tisch. David Cormand lobt ihre Fähigkeit, Menschen zu mobilisieren und Konsens zu schaffen.

Vorwärts im Wahlkampf

Die Wahlkampfphase vor dem zweiten Wahlgang ist für Tondelier eine Zeit intensiver Medienpräsenz und öffentlicher Auseinandersetzungen. Trotz Herausforderungen und Kritik bleibt sie optimistisch und entschlossen, gegen das Rassemblement National zu kämpfen. „Es gibt einen möglichen Weg“, sagte sie in einem Interview mit France 24 und betonte die Notwendigkeit, den Glauben an Veränderung zu bewahren.

Marine Tondelier steht nicht nur für die Grünen, sondern auch für eine kämpferische, unerschrockene Haltung gegen die extremen Rechten in Frankreich – eine Stimme, die weiterhin und hoffentlich weit hin Gehör findet.


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