Tag & Nacht

Ein – auf den ersten Blick – netter älterer Mann, der seit mehreren Jahren die Straßen im Süden Frankreichs unsicher macht, hat schon viele Menschen betrogen. Jetzt hat er in der Gegend um Limoges wieder neue Opfer gefunden.

Sein Spitzname bei der Polizei ist „Max der Betrüger“ oder „Max der Schweizer“. Seit mehreren Jahren stellt dieser Mann in Frankreich seinen Opfern Fallen, indem er per Anhalter fährt und sich Geschichten ausdenkt, um die Menschen dazu zu bringen, ihm Geld zu schenken. Er soll Hunderte oder sogar Tausende von Menschen manipuliert haben, wurde jedoch bisher nie verurteilt.


Ein pensionierter Urologe
Ende Dezember lockte er auf einer Straße im Département Haute-Vienne ein neues Opfer in sein Netz. Auf dem Bahnsteig des Bahnhofs von Ambazac, mit einem kleinen Koffer in der Hand, spricht er Nadège an. Er beschreibt sich als pensionierten Urologen. Er erzählt ihr, dass er nach Straßburg fahren muss, um seine an Krebs erkrankte Tochter zu besuchen. An diesem Feiertag in der Weihnachtszeit fällt Nadège fast automatisch auf den Trick herein: Sie bezahlt ihm ein Zug- und Busticket ins Elsass. Doch der Mann scheint im Limousin geblieben zu sein. Am 3. Januar spricht Max auf der Straße nach Rihac-Rancon weitere Personen an und erzählt ihnen die gleiche Geschichte wie in den Tagen zuvor Nadège. Diese Personen waren jedoch weniger leichtgläubig und alarmierten die Gendarmerie, aber der Mann konnte nicht festgenommen werden, berichtet die Zeitung Le Populaire du Centre.

Im vergangenen Juni war Jean-Paul aus der Dordogne auf dem Weg von Perpignan ins Périgord. Er trifft auf den Betrüger Max, der in der Nähe von Toulouse per Anhalter unterwegs ist. Er erzählt ihm, dass er Schweizer ist, dass er Marcus heißt und dass ihm seine Tasche gestohlen wurde. Der Betrüger verlangt nichts von Jean-Paul, aber die Situation seines Mitfahrers rührt Jean-Paul. Er setzt ihn in Villeneuve-sur-Lot im Departement Lot-et-Garonne ab und hebt am Geldautomaten 100 € ab, damit sich sein Fahrgast ein Hotelzimmer leisten kann. Der Schweizer Max verspricht, ihm das Geld zurückzuzahlen. Doch Jean-Paul sah sein Geld natürlich nie wieder und erstattete Anzeige, aber die Gendarmen gingen davon aus, dass es sich um eine Spende handelte, da der Anhalter keinen Druck ausgeübt hatte, um das Geld ausgehändigt zu bekommen.

Ein Blick in die Archive der Regionalzeitungen genügt, um festzustellen, dass Max le Suisse seit vielen Jahren in Frankreich sein Unwesen treibt. Im Jahr 2009 konnte er zwar verhaftet und vor Gericht gestellt werden, aber das Gericht in Brive (Departement Corrèze) sah keinen ausreichenden Grund, ihn zu verurteilen!

Der Mann hat 1001 Gesichter. Sein richtiger Name ist wahrscheinlich Matteao Schaub, aber er hat sich schon Max, Claude, Reto, Carl Fasser, Carl oder Gérard genannt, je nachdem, wer seine Opfer sind. Auch die falsche Geschichte, die er erzählt, kann sich jederzeit ändern: Manchmal ist er Arzt oder Architekt, ihm wurden seine persönlichen Gegenstände aus einem Zug gestohlen, sein Auto auf einer Autobahnraststätte entwendet oder er muss seine kranke Tochter besuchen. Als der Schweizer Max seinen Opfern seine Kontaktdaten hinterlässt, ist alles falsch, nichts existiert. Er spricht sehr gut Französisch mit einem Hauch von deutschem Akzent.

Der Mann, der heute etwa 70 Jahre alt ist, ist umgänglich, elegant, redegewandt, gebildet und freundlich. Nathalie, die 2013 im Departement Ain auf ihn hereingefallen ist – sie hat ihm damals 150 € gegeben -, erinnert sich in der Zeitung Le Progrès : „Er ist ein sehr gebildeter Mensch, der auf alles eine Antwort hat. Er fand sofort die Themen, die mich interessierten: Berge, Natur, Kochen und Motorräder und er mir erzählte, dass er eine Triumph fährt. 2012 nimmt Muriel Max beim Trampen in Bélésta in der Ariège mit. Er erzählt ihr, dass seine Frau gerade an Leukämie gestorben sei und dass er zum Schweizer Konsulat in Perpignan fahren müsse, das in Wirklichkeit aber gar nicht existiert. Die Geschichte des vermeintlichen Schweizers Max rührte Muriel: Sie holte 75 € aus dem Geldautomaten, um ihm zu helfen, wie sie damals in der Zeitung L’Indépendant berichtete. 2009 ist es Benoît, der sich in einem Vorort von Toulouse um Max den Schweizer kümmert. Diesmal stellte sich Max als Erfinder der Schneekanonen vor und wollte nach Toulon zu seiner Tochter fahren, aber sein Auto sei gerade gestohlen worden. Von der Verzweiflung des damals etwa 60-Jährigen gerührt, gibt ihm der Mann aus Toulouse 120 €, ohne dass Max der Schweizer etwas fordert. Der betrogene Jean-Paul schildert seine Begegnung mit Max so: „Ich hatte es mit einer höflichen, sehr gebildeten Person zu tun, die ein angenehmer Reisebegleiter war“. Ein Verhalten, dank dem Max der Schweizer seit Jahren sein Unwesen treiben kann.


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