Napoleon – ein Mensch, der polarisiert

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Der Code Civil im Historischen Museum der Pfalz, Speyer. - Foto: DerHexer, Wikimedia Commons, CC-by-sa 4.0

Morgen jährt sich Napoleons Todestag zum 200. Mal.

Wer war dieser Mann? Napoleon Bonaparte, geboren 1769 auf Korsika; seit Dezember 1804 als Napoleon I. Kaiser der Franzosen; Feldherr, Reformer, Held – aber in vielen Augen auch ein Tyrann, gar skrupelloser Massenmörder.

In ganz Europa war er zu einem Maßstab dafür geworden, was als heroisch zu gelten habe. Seine Anhänger verehrten ihn als „homme du siècle“, als Mann des Jahrhunderts. Seine Gegner und Kritiker sahen in ihm eine vernichtende Kraft, die Europa verwüstet hatte.

Auch in Deutschland wurde er von Zeitgenossen auf unterschiedliche Weise wahrgenommen. Hegel, der große Philosoph, sah in ihm einen Vorkämpfer der Freiheit. Für den Schriftsteller Heinrich von Kleist dagegen war Napoleon „der Anfang alles Bösen …“. Daneben gab es viele, die in ihrem Urteil schwankten. So widmete ihm Ludwig van Beethoven seine 3. Sinfonie, die 1803 komponierte „Eroica“, radierte Napoleons Namen später aber wieder aus. Bei der Kaiserkrönung befand er enttäuscht: „Das ist doch auch nur ein gewöhnlicher Mensch, der nach Macht strebt und Prinzipien wie Freiheit und Gleichheit verrät!“

Historiker differenzieren etwas genauer: Sicher war Napoleon ein nach Macht strebender Eroberer, der große Teile des europäischen Kontinents beherrschte. Er führte Gebiets- und Rechtsreformen durch, unter anderem auch im deutschsprachigen Raum. Was aber Freiheit und Gleichheit angeht, markiert er einen Wendepunkt in der Geschichte Europas: Aus Untertanen wurden freie und vor dem Gesetz gleiche Bürger. Sein Code Civil war das modernste Zivilrecht der damaligen Zeit. Es galt auch in den von Frankreich abhängigen Gebieten. Das deutsche BGB, das Bürgerliche Gesetzbuch, hat darin seine Ursprünge.

Lange Zeit galt Napoleon in Frankreich ausschließlich als Held. Die historische Bewertung ist inzwischen kritischer geworden. Überlegungen, wie der Tag begangen werden soll, fallen nicht mehr eindeutig aus. Viele stimmen einem Gedenken an Napoleon aus Anlass seines Todestages zu, wollen aber von Feiern oder gar Glorifizierung nichts wissen. Hinzu kommt der veränderte Zeitgeist – eine Cancel Culture, wie sie in letzter Zeit vorherrschend geworden ist, würde solche Menschen wie den Eroberer und Unterdrücker Napoleon am liebsten auslöschen …

… ganz zu schweigen von der Pandemie, die größere Veranstaltungen gar nicht zulässt!

So ist Napoleon in unseren Tagen „un héros plutôt fatigué“ – ein eher müder Held geworden … Übrigens wird oft gesagt, er sei ein relativ kleiner Mann gewesen, aber selbst darin herrscht keine Einigkeit. Die Angaben zu seiner Größe schwanken auch in körperlicher Hinsicht 😉

Deine Elisa

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