Tag & Nacht

Indien steht erneut im Rampenlicht. Nach sechs Wochen intensiver und langer Wahlen wurde Premierminister Narendra Modi wiedergewählt. Für Frankreich ein bedeutender Moment, da Indien ein unverzichtbarer wirtschaftlicher Partner ist.

Über 642 Millionen Inder strömten zu den Wahlurnen, um ihre Stimme abzugeben. Nach drei Tagen des Auszählens verkündete die nationale Wahlkommission am Dienstag, dem 4. Juni, den erwarteten Sieg von Narendra Modis Partei. Die französische Regierung verfolgte diese Wahl besonders aufmerksam – kein Wunder bei Indiens beeindruckender wirtschaftlicher Dynamik.

Ein beeindruckendes Wirtschaftswachstum

Die neuesten Zahlen vom Freitag zeigen, dass das Wirtschaftswachstum Indiens bei stolzen 8 % liegt. Mit fast 1,5 Milliarden Einwohnern ist Indien nicht nur die größte Demokratie der Welt, sondern auch die fünftgrößte Volkswirtschaft. Das ehrgeizige Ziel, bis 2030 zur drittgrößten Wirtschaftsmacht hinter den USA und China aufzusteigen, ist gesetzt.

Wirtschaftliche Partnerschaften und Verteidigungskooperation

Frankreich und Indien pflegen eine enge Beziehung – in nahezu allen Bereichen. Emmanuel Macron hat keine Gelegenheit ausgelassen, die Beziehungen zu vertiefen, und lud Modi 2023 sogar als Ehrengast zum französischen Nationalfeiertag ein. Die Vision: eine bilaterale Partnerschaft bis 2047! Besonders in Zeiten einer globalen nicht-gebundenen Politik Indiens ist diese Pflege der Beziehung essenziell.

Die Zusammenarbeit mit französischen Unternehmen blüht in diversen Sektoren. In der Luftfahrt ist Indien ein wichtiger Markt für Airbus, das in Zusammenarbeit mit der indischen Tata-Gruppe Helikopter produziert. Auch die Automobilindustrie profitiert, Renault und Citroën sind fest im indischen Markt etabliert. Der Raumfahrtsektor und die Nachfrage nach kohlenstoffarmer Energie und Infrastruktur sind weitere lukrative Felder für Unternehmen wie Suez und Alstom.

Ein Schlüsselbereich ist die zivil-nukleare Kooperation, doch besonders die Verteidigungszusammenarbeit ist tief verwurzelt. Seit 25 Jahren kauft Indien Waffen aus Frankreich, darunter die bekannten Rafale-Kampfjets von Dassault Aviation.

Konkurrenz zur Supermacht China

Indien steht in ständiger Konkurrenz zu China – ein Aspekt, der Frankreich besonders interessiert. Obwohl Indien dreimal weniger produziert als China, strebt es an, China zu übertrumpfen. Das Land kann auf eine hohe Ingenieurskunst zurückgreifen, aber die Infrastruktur bleibt hinter den Bedürfnissen zurück. Zudem sind die sozialen Ungleichheiten enorm: 40 % der Bevölkerung arbeiten in der Landwirtschaft, ein Drittel der Jugend ist Analphabet und die Arbeitslosigkeit ist hoch. Indiens Beitrag zum globalen Handel liegt bei nur 2 %.

Ein Partner mit Herausforderungen

Bei allem Potenzial hat Indien auch Schattenseiten. Die Beschneidung von Pressefreiheit und die Verstärkung der hinduistischen Dominanz entfernen das Land von seiner säkularen Tradition. Die Herausforderungen sind zahlreich, von sozialen Ungleichheiten bis hin zu strukturellen Defiziten. Für Frankreich bleibt Indien ein strategischer Partner – jedoch ein komplizierter.


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