Tag & Nacht

Der ehemalige sozialistische Minister und Ex-Direktor des IWF, Dominique Strauss-Kahn, hat sich in einem am Dienstag im Magazin „Challenges“ veröffentlichten Artikel zu den bevorstehenden Wahlen geäußert. Sein Appell: Im zweiten Wahlgang der Legislativwahlen am 7. Juli soll die extreme Rechte um jeden Preis verhindert werden – selbst wenn das bedeutet, mit zugehaltener Nase für die Linkspartei LFI zu stimmen.

„Man muss seinen besten Feind kennen“

Dominique Strauss-Kahn, der sich seit dem sogenannten „Sofitel-Skandal“ in New York aus der Politik zurückgezogen hat, stellt klar: Die Wahl reduziert sich auf „eine heterogene Koalition“ von links, die sowohl „echte Demokraten als auch echte Totalitäre“ umfasst, oder „eine homogene Koalition von echten Totalitären“ auf der rechten Seite. Für ihn ist die politische Mitte derzeit unfähig, eine Mehrheit im Land zu finden.

Ein Dilemma der Wahlprogramme

Es ist kein Geheimnis, dass Strauss-Kahn weder dem Nouveau Front populaire noch dem Rassemblement national Vertrauen für deren Programme entgegenbringt. Beide hält er für „sehr wenig glaubwürdig“ und meint, es sei „nichts Gutes“ von ihnen zu erwarten. Dennoch fällt seine Wahl ohne Zögern auf die extreme Rechte als seinen „größten Feind“. Sie stelle „grundsätzlich die Fundamente der Republik in Frage“.

Der zweite Wahlgang als Entscheidungsschlacht

Für den ersten Wahlgang am kommenden Sonntag empfiehlt Strauss-Kahn, dass jeder Wähler den Kandidaten wählt, der ihm am besten gefällt. Doch am 7. Juli im zweiten Wahlgang gebe es für die Demokraten nur eine Option: den Kandidaten der extremen Rechten zu eliminieren. Strauss-Kahn betont: Selbst bei einem Duell zwischen einem Kandidaten des Rassemblement national und einem Kandidaten der Linkspartei LFI dürfe man nicht zögern, Letzteren zu unterstützen.

Politischer Hintergrund

Diese Aussage kommt in einer Zeit großer politischer Unsicherheit in Frankreich. Die traditionellen Parteien kämpfen um ihr Überleben, während extreme Positionen auf beiden Seiten des politischen Spektrums an Bedeutung gewinnen. Strauss-Kahns klare Positionierung zeigt, dass alte politische Gräben überwunden werden müssen, um die Republik vor radikalen Kräften zu schützen.

Es stellt sich die Frage: Wie weit sind die französischen Wähler bereit zu gehen, um die Demokratie zu bewahren? Strauss-Kahns drastischer Appell, sogar eine ideologisch entfernte Partei zu unterstützen, um die extreme Rechte zu verhindern, bringt dieses Dilemma auf den Punkt.

Die Reaktionen auf Strauss-Kahns Aufruf werden mit Sicherheit hitzige Diskussionen entfachen. Es bleibt abzuwarten, ob seine Worte die Wähler beeinflussen werden.


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