Tag & Nacht

Am Sonntag, dem 30. Juni, stellt sich die spannende Frage: Werden die jungen Wähler in Scharen zur Wahlurne pilgern oder sich lieber enthalten? Ein Blick zurück verrät: Bei den Europawahlen blieben ganze 60 % der unter 35-Jährigen zuhause. Die wenigen, die wählen gehen, finden sich oft an den extremen Rändern des Wählerspektrums.

Eine Feier, die nachdenklich stimmt

Freitag, 21. Juni, Aix-en-Provence: Die Straßen sind belebt, die Musik erfüllt die Luft – es ist die Fête de la Musique. Zwischen den tanzenden Menschenmassen stechen besonders viele junge Gesichter heraus. Die 25- bis 34-Jährigen – jene Altersgruppe, die bei den Europawahlen zu 35 % für das Rassemblement National stimmte. Doch hinter den fröhlichen Fassaden brodelt die Sorge. Eine junge Erzieherin, lächelnd, aber innerlich besorgt, fragt sich, wohin die Reise mit dem Erstarken des Rassemblement National geht.

Zwischen Enthusiasmus und Wahlmüdigkeit

Mehr als die Hälfte der 18- bis 24-Jährigen hat jedoch bei den Europawahlen nicht abgestimmt. Auf dem Universitätscampus zeigt sich ein ähnliches Bild: Zwei Literaturstudenten erklären offen, dass sie weder bei den Europawahlen gewählt haben noch bei den kommenden Parlamentswahlen abstimmen werden. Ihre größte Sorge? Die hohen Kosten ihres Studiums.

Die Informationsquelle Nummer eins für viele junge Menschen sind heute soziale Netzwerke – Instagram und TikTok, um genau zu sein. Hier sind auch die politischen Parteien immer präsenter. Doch diese Entwicklung stößt nicht nur auf Begeisterung. Einige Studenten der Sciences Po Aix sind beunruhigt: Kann man den politischen Botschaften auf diesen Plattformen Glauben schenken oder nicht?

Die Ambivalenz der Jugend

Einerseits gibt es die Verlockung, sich politisch zu engagieren und Veränderungen herbeizuführen. Andererseits herrscht die Versuchung, sich von den extremen Positionen fernzuhalten – oder sogar ganz aufzugeben. So bleibt die Mobilisierung der jungen Wähler eine große Unbekannte, nur wenige Tage vor dem ersten Wahlgang.

Ein rhetorische Frage drängt sich auf: Wird die junge Generation die politische Landschaft in Frankreich neu gestalten oder bleibt sie weiterhin ein unbeschriebenes Blatt in der Wahlstatistik? Die Antwort werden wir bald erfahren.


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