Tag & Nacht

Eine musikalische Kampfansage an die Extreme Rechte

Mit dem neuen Song „No Pasarán“ bringen zwanzig französische Rapper ihre Opposition gegen das Erstarken der extremen Rechten in Frankreich zum Ausdruck. Am 1. Juli veröffentlicht, sorgt das Lied bereits für hitzige Debatten und empörte Reaktionen seitens des Rassemblement National (RN).

Kunst als Widerstand

Der Zusammenschluss prominenter Rapper wie Soso Maness, Fianso, Akhenaton und Zola spannt einen Bogen über Generationen hinweg und ruft in „No Pasarán“ zur politischen Mobilisierung auf. Der Titel, der „sie werden nicht durchkommen“ bedeutet, stellt eine klare Kampfansage an das RN dar. Fianso eröffnet das Stück mit unmissverständlichen Worten: „Secousses et tremblement, fuck le Rassemblement“ – „Erschütterungen und Beben, scheiß auf das Rassemblement“.

Der Song wurde gezielt vor dem zweiten Wahlgang der französischen Parlamentswahlen am 7. Juli veröffentlicht und appelliert insbesondere an die Jugend, zur Wahl zu gehen und ihre Stimme gegen die extreme Rechte zu erheben.

Scharfe Töne gegen Marine Le Pen

Die Texte der Rapper sind durchweg scharf und direkt. Über fast zehn Minuten hinweg wechseln sich die Künstler ab und kritisieren in harschen Worten Politiker wie Marine Le Pen und Jordan Bardella. Zeilen wie „J’suis très étonné, leur programme il fait pas rigoler. Allez niquer vos mères Marine et Bardella“ und „tous les jours fuck le RN“ lassen keinen Zweifel an ihrer Haltung.

Dieser Song erinnert an den Klassiker „La jeunesse emmerde le Front national“ von 1997, bei dem Akhenaton von IAM bereits mitwirkte. Die aktuellen Einnahmen aus den Streams und Verkäufen von „No Pasarán“ werden an die gemeinnützigen Stiftung Fondation Abbé Pierre gespendet.

Ein Rückblick: „La jeunesse emmerde le Front national“

1997 schockte der Song „La jeunesse emmerde le Front national“ das politische Establishment. In diesem Stück, ebenfalls von Rapgrößen wie Akhenaton und IAM, wurde klar gegen den damals aufstrebenden Front National (Vorgänger des Rassemblement National) Position bezogen. Der Erfolg des Songs zeigte die Kraft der Musik als Mittel des politischen Protests und stärkte das Engagement vieler junger Menschen gegen den Rechtsextremismus.

Warum jetzt? Warum so?

Der erneute Zusammenschluss der Rapper kommt nicht von ungefähr. Die politische Landschaft in Frankreich hat sich in den letzten Jahren merklich verändert. Die extreme Rechte hat an Boden gewonnen, und viele sehen darin eine Gefahr für die Demokratie und die sozialen Werte des Landes. Musik war schon immer ein Spiegel der Gesellschaft und ein Werkzeug des Widerstands – warum also nicht erneut die Stimme erheben?

Die Macht der Musik

Musik als Medium des Protests und der Mobilisierung hat eine lange Tradition. Ob es sich um Protestsongs der 60er Jahre oder moderne politische Hymnen handelt – Musik bewegt, inspiriert und vereint. „No Pasarán“ reiht sich in diese Tradition ein und zeigt, dass Künstler bereit sind, ihre Plattform zu nutzen, um gesellschaftliche Veränderungen zu fordern.

Ein Aufruf zur Handlung

Der Titel „No Pasarán“ ist mehr als nur ein Song – es ist ein Aufruf zur Handlung. In Zeiten politischer Unruhen und gesellschaftlicher Spaltung fordert er die Zuhörer auf, nicht passiv zu bleiben, sondern aktiv gegen Ungerechtigkeit und Extremismus einzutreten. Wird die Botschaft Gehör finden und die Wähler mobilisieren?

Die Veröffentlichung von „No Pasarán“ markiert einen bedeutenden Moment im politischen Diskurs Frankreichs. Die vereinte Stimme der Rapper zeigt, dass die Kunst weiterhin eine mächtige Waffe gegen Extremismus und Intoleranz sein kann. Es bleibt abzuwarten, wie groß die Wirkung dieser musikalischen Kampfansage sein wird – doch eines ist sicher: Sie haben die Aufmerksamkeit der Nation auf sich gezogen.

In einer Welt, in der politische Botschaften oft in der Lautstärke des Alltags untergehen, erinnern uns diese Künstler daran, dass wir alle die Macht haben, durch unsere Stimmen und unsere Handlungen Veränderungen zu bewirken. No Pasarán – sie werden nicht durchkommen.


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