Tag & Nacht

Laue Sommerabende, endlose Sandstrände und historische Mauern – Saint-Malo ist ein wahres Juwel an der bretonischen Küste. Doch in diesem Sommer sorgt ein besonders großer Ansturm von Besuchern für gemischte Gefühle. Während die einen jubeln, dass die SNCF 300.000 zusätzliche TGV-Tickets anbietet, sind andere besorgt über den drohenden Übertourismus.

Ein Paradies für 45 Euro

Die SNCF hat kürzlich bekannt gegeben, dass ab dem 1. Juli 300.000 zusätzliche TGV-Tickets von Paris nach Saint-Malo, Quimper und Brest für unter 45 Euro verkauft werden. Diese Nachricht lässt die Herzen vieler Reisender höherschlagen. Doch in Saint-Malo selbst sehen nicht alle diese Entwicklung positiv. Bereits im letzten Sommer strömten über 190.000 Besucher in die Stadt. Eine Einwohnerin fasst ihre Bedenken zusammen: „Ich mache mir Sorgen, es ist jetzt schon voll. Überall wird vom Übertourismus gesprochen.“

Die Ruhe vor dem Sturm?

Doch noch wirkt der berühmte Plage du Sillon wie in einem Ruhemodus. In einem Hotel an der Küste sind für die zweite Juli-Hälfte noch einige Zimmer frei. Hotels und Restaurants hoffen, dass die zusätzlichen Züge helfen, die Lücken zu füllen – immerhin stammen 75% der Gäste aus Paris. Auch der Regionalzug TER bietet mit seinen 7-Euro-Tickets bretonischen Touristen die Möglichkeit, einen Tag am Meer zu verbringen und ein erfrischendes Eis zu genießen.

Vorbereitungen für die Hochsaison

Jérémy Le Tranchant, Teamleiter bei der berühmten Eisdiele Sanchez, sieht der Hochsaison optimistisch entgegen. Er hat 30 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt, um dem Ansturm gewachsen zu sein. Seine Vorfreude ist spürbar: „Wir sind bereit und freuen uns auf die vielen neuen Gesichter.“

Ein zweischneidiges Schwert

Für viele Anwohner ist der zunehmende Touristenstrom jedoch ein zweischneidiges Schwert. Einerseits profitieren Geschäfte und Restaurants, andererseits leidet die Lebensqualität. Die malerischen Gassen sind häufig überfüllt, und die Suche nach einem freien Platz am Strand kann zur Geduldsprobe werden. Ist es das wert? Diese Frage stellt sich immer häufiger.

Blick in die Zukunft

Wie geht es weiter? Saint-Malo muss einen Weg finden, den Tourismus zu managen, ohne seine Seele zu verlieren. Es bedarf kreativer Lösungen und eines offenen Dialogs zwischen Bewohnern und Tourismusbranche. Vielleicht könnten strengere Besucherlimits oder spezielle Schutzmaßnahmen helfen, das Gleichgewicht zu bewahren.

Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation entwickelt – doch eines steht fest: Saint-Malo wird auch in Zukunft ein begehrtes Ziel bleiben. Und vielleicht ist es gerade dieser Spagat zwischen Besucherfreundlichkeit und Nachhaltigkeit, der die wahre Herausforderung darstellt.

Touristen aus aller Welt lockt Saint-Malo mit seinem einzigartigen Charme. Doch was bedeutet dies für die Stadt und ihre Bewohner? In Zeiten, in denen Reiseziele weltweit mit den Auswirkungen des Übertourismus kämpfen, ist Saint-Malo keine Ausnahme. Die Balance zu finden, zwischen wirtschaftlichem Nutzen und dem Schutz der Lebensqualität, bleibt eine der größten Aufgaben.

Ganz klar – Saint-Malo ist und bleibt ein Magnet für Touristen. Doch wie so oft im Leben, ist auch hier das richtige Maß entscheidend. Die Kunst wird sein, die Schönheit und Einzigartigkeit der Stadt zu bewahren, ohne die Tür für zukünftige Besucher zu schließen. Eine Herkulesaufgabe? Vielleicht. Doch mit vereinten Kräften und einem klaren Plan kann Saint-Malo weiterhin strahlen – als Perle der Bretagne.


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