Vorsicht, morgen ist der 1. April!

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Foto © Benoît Prieur / Wikimedia

Weißt du, was der „Aprilfisch“ ist? Diesen Brauch kennt man in Deutschland nicht. Den „poisson d’avril“ gibt es in Frankreich am 1. April. Es handelt nicht um einen echten, sondern um einen selbstgebastelten Papierfisch. Kinder versuchen, ihn am Rücken  eines Kameraden zu befestigen, ohne dass dieser es bemerkt, und wenn er dann den Scherz entdeckt, rufen alle unter viel Gejohle „poisson d’avril!“.

Woher dieser Brauch kommt, ist unklar. Auf jeden Fall existiert er seit dem 16. Jahrhundert. Der Ausdruck „poisson d’avril“ ist sogar schon im 15. Jahrhundert belegt.

Eine Hypothese zur Herkunft bringt den Fisch mit dem Ende der Fastenzeit vor Ostern in Verbindung. Man nahm das Essen zunächst überwiegend in Form von Fisch wieder auf.

Plausibler scheint mir die Erklärung, die von der Eröffnung der Fischfangsaison am 1. April ausgeht. Man machte sich über die Fischer lustig, die an diesem Tag mit leeren Händen vom Fang zurückkehrten, und schenkte ihnen eine Hering oder auch einfach den Zuruf „poisson d’avril!“

Der Fisch hat in Frankreich also sozusagen die Jahrhunderte durchquert, um am 1. April auf dem Rücken von Kindern im Mittelpunkt zu stehen.

In Deutschland werden die Mitmenschen „in den April geschickt“, d. h. mit einer unwahren Geschichte oder einem „Aprilscherz“ reingelegt. Wer den Scherz ernstnimmt, ist ein „Aprilesel“.

Diese Gepflogenheit gibt es allerdings auch in Frankreich. Am 1. April ist in beiden Ländern Vorsicht geboten bei Nachrichten oder Zeitungsmeldungen. So hat Youtube 2009 seine Webseite umgekehrt (also auf dem Kopf stehend) präsentiert und die Besucher aufgefordert, sich entweder auf den Kopf zu stellen oder … nach Australien zu fahren.

Gut, das ist harter Tobak und Anlass für herzhaftes Lachen. Auf einen solchen Scherz fällt wahrscheinlich niemand ernsthaft herein.

Subtiler sind Meldungen wie die, die der WDR 1997 in Deutschland verbreitete, man werde in weltweiter Vorpremiere ein bislang unveröffentlichtes Meisterwerk von Franz Schubert senden. Hier stutzt wohl nur der absolute Schubertkenner. Als Laie kann man das gar nicht so genau wissen. Man glaubt es besser, um sich keine Blöße zu geben.

In Frankreich hat 2014 die berühmte Keksmarke LU eine neuartige Geschmacksrichtung ihrer Kekse angekündigt, nämlich mit Brokkoli. Ich wüsste gern, wie viele gesundheitsbewusste Eltern das begrüßt hätten und wie viele Kinder voller Schrecken daran gedacht haben, ab sofort ihr Gemüse in Form von grünen Keksen essen zu müssen …

Dagegen ist es wahr, dass es in Bayern einen Bäcker gibt, der Krapfen verkauft mit einem Kassenbon aus Fondant. Kein Scherz! Bäcker Ways ist in Moosinning, nordöstlich von München.

Es ist gut, wenn du morgen nicht alles glaubst, was du hörst oder liest – andererseits – siehe den bayrischen Bäcker – man kann nie wissen!

Ich wünsche dir einen schönen ersten April, lass dich nicht ins Bockshorn jagen! Ab übermorgen sind alle wieder seriös.

Deine Elisa

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