„… wenn die Hühner Zähne haben!“

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Corona stellt uns auf eine gewaltige Geduldsprobe. Alle hatten gehofft, dass mit dem Ende des letzten Jahres auch das Ende der Pandemie erreicht würde. Oder wenigstens dass das Impfen zügiger vor sich gehen würde. Dass wir ganz schnell Herdenimmunität erreichen. Dass wir wieder „normal“ leben und uns frei bewegen können …

Jetzt ist schon Ostern vorbei, und das alles ist (noch) nicht eingetroffen. Da kann einen schon mal die große Verzweiflung packen. Und dann kommen die düstersten Gedanken und die schlimmsten Befürchtungen: „Das hört nie auf, nie mehr! Erst wenn Weihnachten und Ostern zusammenfallen. Und die Hölle zufriert!“ In Frankreich ist der Zeitpunkt dann, wenn die Hühner Zähne haben („quand les poules auront des dents“). Wann der Tag sein wird? – Na, in der Woche der vier Donnerstage und drei Sonntage (la semaine des quatre jeudis, des trois dimanches) oder auch am 30. Februar 😉 – kurz, „à la Saint-Glinglin“ – am Sankt-Nimmerleins-Tag!

Zu diesem niemals kommenden Tag gibt es eine kleine Geschichte, mit der ich dich von oben erwähnten schwarzen Gedanken abbringen möchte, falls du dir je solche machst. Vielleicht kannst du darüber schmunzeln.

St. Glinglin ist kein Heiliger oder Schutzpatron wie z. B. Saint-Christophe oder der Heilige Franz von Assisi … insofern wird man diesen Namen im Heiligenkalender vergeblich suchen. Das „saint“ geht in diesem Fall auf ein altfranzösisches Wort, seing, zurück, dieses wiederum auf ein lateinisches, nämlich „signum“, Zeichen. „Glin“ ist ein lautmalerisches Wort für Glockenklang. Saint-Glinglin bezeichnete ursprünglich die Zeitspanne, in der das Glockengeläut ertönte. Inzwischen ist es zum Ausdruck für einen nie eintreffenden Zeitpunkt geworden.

Nun gab es einmal einen schlauen Menschen, der einem anderen Geld schuldete, die Begleichung seiner Schulden aber sehr lange Zeit immer wieder hinausschob. Der Gläubiger war darüber heftig verärgert. Eines Tages verlor er die Geduld. Er wollte nicht mehr länger auf sein Geld warten und zitierte den Schuldner vor Gericht. Da versprach dieser hoch und heilig, die Angelegenheit bis spätestens „à la Saint-Glinglin“ zu regeln. Er dachte natürlich an den „Sankt-Nimmerleins-Tag“… Aber die hohe Gerichtsbarkeit war auch nicht auf den Kopf gefallen. Unbedingt sollte eine konkrete Frist gesetzt werden. Da der Heilige in keinem Kalender zu finden war, ihm also kein spezieller Tag zugeordnet werden konnte, griff man, wie schon früher auch von kirchlicher Seite in solchen Fällen, auf die allgemeingültige Lösung zurück: Die Frist wurde bis zum 1. November gewährt – das ist „la Toussaint“, Allerheiligen! An diesem Tag werden ALLE Heiligen geehrt, also auch die, die keinen eigenen (Namens-)Tag haben. – Jetzt war es am Schuldner, sich zu ärgern. Aber dass es bei Saint-Glinglin gar nicht um einen Heiligen geht, hat weder der Schuldner noch der Gläubiger noch das Gericht realisiert. Darüber können wir uns jetzt amüsieren.

Es heißt, man solle nie „nie“ sagen. Stimmt, man kann ein Nie viel netter ausdrücken, siehe oben! – Im Ernst, was Corona angeht, müssen nicht erst die Hühner Zähne bekommen. Es wird eine Lösung geben, wenn wir auch weiterhin Geduld brauchen. Zu viele Menschen haben ein – persönliches oder allgemeines – Interesse daran, dass sich die Situation zum Besseren wendet. Es wird klappen!

Deine zuversichtliche Elisa

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