Der französische Präsident Emmanuel Macron wollte in Davos über Industriepolitik sprechen – nun lacht das Internet über seinen Akzent. Oder besser gesagt: mit ihm. Die mehrfach wiederholte englische Wendung „For sure“ aus seiner Rede beim Weltwirtschaftsforum hat sich zum popkulturellen Phänomen entwickelt – getragen von DJs, Remix-Künstlern und Millionen Klicks.
Ein diplomatischer Auftritt mit musikalischem Nachspiel
Am 20. Januar 2026 sprach Emmanuel Macron auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos vor einem internationalen Publikum. Es war ein Auftritt in englischer Sprache, geprägt von dem Versuch, Frankreichs industriepolitische Vision einem globalen Auditorium nahezubringen. Inhaltlich betonte Macron die Notwendigkeit einer europäischen Antwort auf die US-amerikanischen Subventionsprogramme wie den Inflation Reduction Act. Doch statt inhaltlicher Schlagzeilen machte eine sprachliche Eigenheit Furore: Der Präsident verwendete mehrfach die Formel „For sure“ – mit deutlichem französischen Akzent und Betonung.
Die Phrase mag harmlos klingen, doch sie entwickelte sich in den Tagen danach zu einem viralen Meme. Innerhalb weniger Stunden begannen Künstler und Social-Media-Nutzer, Macrons „For sure“ in musikalische Loops zu integrieren – aus dem Konferenzsaal wurde eine virtuelle Tanzfläche.
Vom Weltwirtschaftsforum zum Club-Hit
Den Anfang machte der französische Sänger Bilal Hassani, bekannt durch seinen Auftritt beim Eurovision Song Contest 2019. Auf Instagram veröffentlichte er eine Disco-Version des Ausspruchs und inszenierte sich im PSG-Trikot und Sonnenbrille – eine augenzwinkernde Anspielung auf Macrons jüngsten öffentlichen Auftritt im sportlich-lässigen Look. Andere folgten rasch: DJ Bens, ein in Frankreich populärer Elektro-Künstler, mischte Macrons Stimme mit dem David-Guetta-Track Let’s Go und brachte damit Clubatmosphäre ins Netz.
Auch das DJ-Duo Trinix, mit über 2,3 Millionen Followern auf Instagram, remixte die Passage und veröffentlichte sie auf TikTok – wo sie rasch Zehntausende Likes erzielte. French Fuse, ein weiteres bekanntes Elektronik-Duo, garnierte Macrons „For sure“ mit elektronischem Klavier und Melodica. Deren Version sammelte binnen weniger Stunden über eine halbe Million Likes.
Einige Beiträge wurden inzwischen sogar mittels Künstlicher Intelligenz generiert – ein Hinweis darauf, wie niedrig die technische Schwelle für virale Formate mittlerweile liegt.
Zwischen politischer Kommunikation und Popkultur
Die Episode wirft ein Schlaglicht auf den schmalen Grat zwischen diplomatischer Kommunikation und öffentlicher Inszenierung. Für Macron ist der Auftritt in Davos Teil einer strategischen Kommunikation auf internationaler Bühne. Dass dabei eine wiederkehrende Redewendung zur viralen Pointe wird, illustriert die Ambivalenz moderner Medienöffentlichkeit. Was auf der politischen Bühne ernst gemeint ist, kann im digitalen Raum leicht ironisiert, parodiert oder popkulturell verwertet werden.
Der Fall erinnert an frühere mediale Stilblüten französischer Politiker: Jacques Chiracs Seufzer „Et alors?“ oder Nicolas Sarkozys hektischer Auftritt auf der G8-Pressekonferenz 2007 sind nur zwei Beispiele für ungewollte Internet-Memes, die das politische Image mitprägten. Im Unterschied zu jenen eher peinlichen Momenten wird Macron hier jedoch nicht bloßgestellt – seine Englischkenntnisse gelten als solide –, vielmehr wirkt die virale Welle eher wie eine ironische Verneigung vor seinem Versuch, global anschlussfähig zu kommunizieren.
@frenchfuse For Sure! 🤣
♬ son original – FRENCH FUSE
Ein Präsident im Zeitalter der Remix-Kultur
Dass ausgerechnet ein wirtschaftspolitisches Forum wie Davos zur Quelle eines popkulturellen Phänomens wird, erscheint zunächst paradox. Doch es verweist auf eine tiefere Dynamik: Politiker bewegen sich heute in einer Kommunikationsumwelt, in der jede Aussage, jedes Zitat und jede Geste potenziell „memefähig“ ist. Die Grenze zwischen Ernst und Unterhaltung, zwischen Inhalt und Inszenierung, verwischt zunehmend – auch, weil Plattformen wie TikTok, Instagram oder X (ehemals Twitter) algorithmisch jene Inhalte befördern, die Emotionen, Humor oder Wiedererkennbarkeit erzeugen.
Macron selbst hat sich bislang nicht öffentlich zur viralen Welle geäußert – möglicherweise auch, weil sie ihm nicht schadet. Im Gegenteil: Das Internet-Phänomen könnte dazu beitragen, sein Image als international präsenter, moderner Staatschef zu stärken – wenn auch auf ungeplante Weise. Politische Kommunikation lebt längst nicht mehr nur vom Inhalt, sondern auch von der Form – und manchmal eben auch vom Remix.
Autor: Andreas M. Brucker
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