Vor 40 Jahren wurde HIV, das Virus, das AIDS verursacht, entdeckt. Heutzutage können HIV-Patienten dank retroviraler Therapien ein fast normales Leben führen. Einem Forscherteam zufolge könnte eine Heilung der Krankheit jedoch durch die Entdeckung von Antikörpern möglich sein, die den Virus neutralisieren.
Seit der Entdeckung des Human Immunodeficiency Virus (HIV) vor 40 Jahren versuchen zahlreiche Forschungsteams, eine wirksame Behandlung zur Bekämpfung der Aids-Epidemie zu entwickeln. Am 10. Juli 2023 gaben Forscher des Institut Pasteur zum ersten Mal bekannt, dass sie möglicherweise eine Antwort gefunden haben. Die von ihnen durchgeführte Studie weist nämlich auf Antikörpern hin, die in der Lage sind, das HIV-Virus zu neutralisieren.
Das Team, das sich aus Forscherinnen und Forschern des Institut Pasteur, des Inserm und der AP-HP zusammensetzt, veröffentlichte die Ergebnisse ihrer Studie in der Zeitschrift Cell Host & Microbe: Demnach haben einige HIV-Infizierte, die frühzeitig eine antiretrovirale Behandlung erhalten haben, heute die Fähigkeit, das Virus nach Absetzen der Behandlung langfristig zu kontrollieren.
Langzeitstudie
ANRS VISCONTI: So heißt die Studie, die zu diesem ersten Ergebnis geführt hat. Im Laufe der Untersuchungen erhielten einige Menschen mit HIV eine entsprechende Behandlung, die über mehrere Jahre hinweg fortgesetzt wurde. Die Drgebnisse zeigten die Fähigkeit, das Virus nach Absetzen der Behandlung langfristig unter Kontrolle zu halten. Die Mechanismen dieser Kontrolle, die eine dauerhafte Remission der HIV-Infektion ohne antiretrovirale Therapie ermöglichen, sind noch nicht vollständig geklärt. Die Identifizierung dieser Fälle bietet jedoch die neuartige Möglichkeit, diese Prozesse genauer zu verstehen.
Dr. Asier Sáez-Cirión, Leiter der Abteilung "Virusreservoirs und Immunkontrolle" am Institut Pasteur, erläutert: "Bei der Untersuchung der Rolle der Antikörper in einem bestimmten Fall von 'Post-Treatment-Controller' mit einem besonders hohen Anteil an neutralisierenden Antikörpern mit breitem Spektrum haben wir entdeckt, dass die Remission wahrscheinlich durch das Eingreifen dieser Art von Antikörpern möglich ist."
Klinische Studie noch vor Ende des Jahres
Nach dem Absetzen der antiretroviralen Therapie stellen die "Post-Treatment-Controller" auf natürliche Weise eine Familie neutralisierender Antikörper her, die auf das Hüllprotein des Virus abzielen und dann die infizierten Zellen angreifen. Diese Studie liefert wichtige Informationen darüber, wie neutralisierende Antikörper zusammenarbeiten, um den Verlauf der HIV-Infektion zu verändern.
Diese Entdeckung ebnet den Weg für neue Behandlungen gegen die Krankheit und lässt auf therapeutische Ansätze hoffen, die eine Remission ohne antiretrovirale Therapie begünstigen. In Frankreich soll eine klinische Studie, die den Einsatz dieser Antikörper einbezieht, bis Ende 2023 begonnen werden.