Tag & Nacht

Nächste Woche bietet sich für die 12 Millionen Schülerinnen und Schüler in Frankreich eine interessante Schulwoche: Unterricht findet nur am Montag und Dienstag statt. Mit dem Feiertag am Mittwoch, dem 8. Mai, der an das Ende des Zweiten Weltkriegs erinnert, dem darauffolgenden Christi Himmelfahrt am Donnerstag und einem Brückentag am Freitag, ergeben sich fünf Tage Pause. Eine verlockende Gelegenheit für einige Eltern, vielleicht sogar schon früher in einen kurzen Urlaub zu starten – vorausgesetzt, sie können sich freinehmen und es sich leisten.

Aber was riskieren Eltern und Schüler eigentlich, wenn sie sich entschließen, die Schule schon am Montag und Dienstag zu schwänzen?

Die Regeln sind klar

Nach dem französischen Bildungsgesetz sind die einzigen legitimen Gründe für eine Abwesenheit vom Unterricht Krankheit des Kindes, ansteckende Krankheiten in der Familie, wichtige familiäre Ereignisse, unvorhergesehene Verkehrsprobleme oder die vorübergehende Abwesenheit der Erziehungsberechtigten, falls die Kinder sie begleiten müssen. Ein spontaner Urlaub zählt definitiv nicht dazu.

Was passiert bei unentschuldigtem Fehlen?

Schulen sind verpflichtet, ab vier unentschuldigten Halbtagen im Monat die übergeordneten Bildungsbehörden zu informieren. Die Realität sieht jedoch oft anders aus. Ein Lehrer aus der Normandie sagt in der Zeitung „Ouest-France“, dass wahrscheinlich keine Maßnahmen für nur zwei Tage unentschuldigtes Fehlen ergriffen werden. Höchstens könnte eine Nachricht über Pronote, ein in Frankreich weit verbreitetes Schulverwaltungssystem, an die Eltern geschickt werden.

Zwischen Regel und Realität

Obwohl das Gesetz klar ist, scheinen viele Schulen bei kurzen Abwesenheiten ein Auge zuzudrücken. Das sollte Eltern jedoch nicht dazu ermutigen, die Regeln zu missachten. Die Bildung ihrer Kinder und die Respektierung des Lehrplans haben Vorrang. Zudem ist die Schulpflicht ein wichtiger rechtlicher und gesellschaftlicher Grundsatz.

In einer Zeit, in der Bildung zunehmend wichtiger für die persönliche und berufliche Entwicklung ist, sollten solche „kleinen Auszeiten“ nicht zur Gewohnheit werden. Sie senden nicht nur das falsche Signal an die Kinder, sondern können auch unerwünschte Aufmerksamkeit seitens der Schulbehörden auf sich ziehen.

Kurzum, die Schulwoche mag zwar kurz sein, die Verantwortung, die Bildungsregeln einzuhalten, bleibt jedoch bestehen. Man sollte immer abwägen, ob ein früherer Start in die Ferien die potenziellen Konsequenzen wert ist.


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