Covid-19 in Frankreich: Lockerungsstrategie noch unklar und eine vorsichtige Regierung

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Der französische Präsident Emmanuel Macron und der französische Minister für Bildung, Jugend und Sport Jean-Michel Blanquer sprechen mit Schülern während eines Besuchs in einer Grundschule in Melun, am 26. April 2021, als französische Grundschulen und Kindergärten nach dreiwöchiger Schließung wieder öffnen. (Foto von Thibault Camus / POOL / AFP)

Nach den Grundschulen fiebert Frankreich dem Beginn von Lockerungen entgegen, aber die Regierung bleibt zurückhaltend. Das Staatsoberhaupt warnte am Dienstag bei einem Treffen mit Bürgermeistern per Videokonferenz, dass er nichts überstürzen wolle.

In Richtung einer allmählichen und sicheren Rückkehr zur Normalität. Zwei Tage nach der Rückkehr der Grundschüler in den Unterricht plant Frankreich im Mai erste Lockerungen bei anderen Einschränkungen. Doch Emmanuel Macron blieb bei einem Treffen mit Bürgermeistern kleiner und mittlerer Städte am Dienstag, 27. April, angesichts der immer noch recht schwachen Abschwächung der Coronavirus-Epidemie zurückhaltend.

Die Aufhebung der Beschränkungen soll sich schrittweise ab der nächsten Woche mit der Wiedereröffnung der Hochschulen und Gymnasien und dem Ende des Verbots für Reisen zwischen den Regionen oder über 10 km um den Wohnort fortsetzen.

Der Rest ist noch unklar und wird in Etappen bis Ende Juni erfolgen, auch für Restaurants, die nun inzwischen seit sechs Monaten geschlossen sind, abhängig von der “Gesundheits-Situation, die wir sehen werden”, warnte der Staatschef Emmanuel Macron. Es wird erwartet, dass der Staatspräsident vor dem 5. Mai einen genaueren Zeitplan in einet TV-Ansprache bekannt geben wird.

Die Exekutive hat mehrmals das Ziel bekräftigt, die Restaurantterrassen wieder zu öffnen und die Öffentlichkeit für einige kulturelle Orte und einen Teil der Geschäfte ab Mitte Mai wieder zu erlauben, wie es in mehreren anderen europäischen Ländern bereits der Fall ist. Emmanuel Macron erwähnte in den vergangenen Tagen auch die Möglichkeit einer zeitlichen Verkürzung der Ausgangssperre.

Derzeit allerdings zählt Santé publique France immer noch etwa 30.000 positive Fälle pro Tag und die Zeit ist auch noch nicht reif für einen Rückgang der Patientenzahlen in den Krankenhäusern.

Am Dienstag wurden 338 neue Todesfälle von Covid-19-Patienten in Krankenhäusern registriert, womit sich die Gesamtzahl der Todesfälle seit Beginn der Epidemie auf 103.632 erhöht. Mit fast 5.950 Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen ist die Auslastung der Krankenhäuser weiterhin hoch und zwingt sie weiterhin dazu, weniger dringende Behandlungen zu verschieben.

Die Prognosen des Pasteur-Instituts erwarten einen Rückgang der Krankenhauseinweisungen, obwohl einige einzelne Planungs-Modelle stattdessen ein verharren auf hohem Niveau vorhersagen. Am Dienstag waren 30.281 Covid-19-Patienten im Krankenhaus.

Aber ein signifikanter Anstieg der Krankenhauseinweisungen könnte beobachtet werden, wenn die Einschränkungsmaßnahmen am 15. Mai zu schnell aufgehoben werden, selbst unter optimistischen Annahmen bezüglich des Tempos der Impfung, warnt das Pasteur-Institut in einer am Dienstag veröffentlichten Meldung.

Auch wenn Frankreich am Dienstag die symbolische Marke von 20 Millionen Injektionen (erste und zweite Dosis) überschritten hat, bleibt die Durchimpfungsrate unzureichend, um einen raschen Ausweg aus der Gesundheitskrise in Betracht zu ziehen: Fast 28% der erwachsenen Bevölkerung erhielten eine erste Dosis des Impfstoffs, aber erst 11% dieser Bevölkerung wurde mit zwei Dosen geimpft.

Zunahme der Varianten in der Île-de-France

Während die Impfkampagne nun auch für die über 55-Jährigen offen ist, haben einige große Impfzentren, wie z. B. das Stade de France, inzwischen Schwierigkeiten, alle Terminplätze zu besetzen. Eine Beobachtung, die von Gesundheitsminister Olivier Véran bestätigt wurde, der jedoch eine schnellere Öffnung für jüngere Altersklassen weiterhin auszuschließen scheint.

“Wenn wir uns das Ziel setzen, dass 80% einer Altersgruppe, die geimpft werden sollen, geschützt sein muss, dann gibt es immer noch 4,3 Millionen Franzosen, die noch nicht geimpft wurden”, sagte er nach einem Besuch in der Kriseneinheit der regionalen Gesundheitsbehörde der Île-de-France in Saint-Denis.

Die Regierung gab am Abend bekannt, einen ersten Teil von fast 7,5 Millionen zusätzlichen Dosen des für Frankreich geplanten Impfstoffs von Pfizer-BioNTech in diesem Quartal erhalten zu haben. Ihre Auslieferung werde gestaffelt bis Ende Juni erfolgen, sagte der Gesundheitsminister.

Die Verbreitung von Varianten ist immer noch ein Problem. Der Anteil der brasilianischen und südafrikanischen Varianten, die wegen ihrer größeren Ansteckungsfähigkeit gefürchtet sind und im Verdacht stehen, resistenter gegen Impfstoffe zu sein, bleibt in Frankreich noch in der Minderheit (4,2% der Verdachtsfälle), aber ihr Anteil ist in der Region Ile-de-France stark angestiegen, von 6% auf 9% innerhalb weniger Tage.

“Wir haben in der vergangenen Woche einen Anstieg des Anteils der südafrikanischen Variante gesehen, vor allem in den inneren Vororten von Paris”, bestätigte Olivier Véran und fügte hinzu, dass bisher noch “keine Fälle der indischen Variante” “auf dem französischen Festland” entdeckt wurden.

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