Covid-19: Werden die Patienten immer jünger?

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Mit der vierten Welle von Covid-19 verringert sich die Kluft bei den Krankenhauseinweisungen zwischen jüngeren und älteren Patienten. Die Ärzte sind besorgt über die steigende Zahl der 20- bis 29-Jährigen, die auf der Intensivstation landen. 

In den Krankenhäusern werden immer mehr junge Patienten mit schweren Fällen von Covid-19 eingeliefert. Diese Beobachtung wird durch die Daten von CovidTracker bestätigt, die zeigen, dass zum Beispiel in der Nacht von Donnerstag, dem 29. auf Freitag, dem 30. Juli 510 Patienten im Alter von 20 bis 39 Jahren ins Krankenhaus eingeliefert wurden. Am 28. Juli wurden 555 Patienten, die über 60 Jahre alt waren, ins Krankenhaus eingeliefert. Der Unterschied zwischen jüngeren und älteren Patienten wird immer kleiner. 

Ältere Menschen sind häufiger geimpft
Während fast 84% der 65- bis 74-Jährigen eine vollständige Impfung erhalten haben, sind es bei den 18- bis 29-Jährigen nur 45%. Einer der Hauptgründe für die Zunahme der Fälle bei jüngeren Menschen ist daher die niedrigere Impfrate. Seit Anfang Juli ist die Inzidenzrate in dieser Altersgruppe regelrecht explodiert.

Für Virologen kommt das nicht überraschend: Nicht das Virus hat sich verändert damit es mehr junge Menschen als früher befallen kann, sondern die Population hat sich in einem wichtigen Punkt verändert. Es ist so, dass ältere Menschen inzwischen häufiger geimpft sind, so dass es für das Virus einfacher ist, jüngere Menschen zu infiltrieren als ältere Menschen. Fachleute beobachten daher parallel zu den massiven Impfungen auch eine Verschiebung des Durchschnittsalters der Betroffenen. Daran ist also nichts Außergewöhnliches, es war zu erwarten.

Auch wenn die Impfung nicht zu 100% wirksam ist, schützt sie doch fast jeden gegen einen schweren Verlauf der Erkrankung. Für junge Menschen, die nicht geimpft sind, besteht heute ein höheres Risiko als für ältere Menschen, die geimpft sind.

Mehr junge Menschen infiziert, daher mehr schwere Fälle bei jungen Menschen
Junge Menschen, die von Natur aus weniger Vorerkrankungen haben, entwickeln seltener eine schwere Form von Covid-19 als ältere Menschen. Aber die Einweisungen in die Intensivstation sind in dieser Woche um 73% höher als in der letzten, insbesondere bei den über 20-Jährigen. So machten beispielsweise die über 80-Jährigen in der Spitze im April 28% der Intensivpatienten aus. Heute belegen sie dort nur noch 4% der Betten.

Und je mehr jüngere Menschen infiziert sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass einige von ihnen auf die Intensivstation kommen. Junge Menschen haben zwar ein geringeres Thromboserisiko, aber es ist nicht gleich Null. Da jetzt immer mehr junge Menschen betroffen sind, wird unter ihnen auch die Zahl der schweren Formen zunehmen.

Junge Menschen haben im Allgemeinen ein reicheres soziales Leben
Ohne die jüngere Bevölkerung zu stigmatisieren, lässt sich faktisch feststellen, dass die 20- bis 29-Jährigen mehr Kontakte haben als die Älteren, ein abwechslungsreicheres soziales Leben. Und daher treffen sie mit größerer Wahrscheinlichkeit auf eine infizierte Person und können selbst mehr Menschen anstecken. Auch das ist nichts Neues. Bereits im letzten Jahr stieg die Inzidenz in der Altersgruppe der 20- bis 29-Jährigen.

Wenige Fälle auf der Intensivstation, aber Nachwirkungen
Obwohl immer mehr junge Menschen in die Intensivstation eingeliefert werden, sind diese Fälle nach wie vor in der Minderheit. Andererseits leiden viele Personen mit symptomatischen Erkrankungen, einschließlich junger Menschen, zum Teil noch mehrere Monate nach der Ansteckung unter den Nachwirkungen von Covid. Seit Beginn der Epidemie wurde die gesundheitliche Belastung hauptsächlich anhand von Krankenhausaufenthalten, Intensivbehandlungen und Todesfällen dargestellt. Die Tatsache, dass ein erheblicher Teil der Infizierten junge Menschen sind, zwingt uns jetzt dazu, die Folgen einer Infektion langfristiger zu betrachten.


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