Tag & Nacht

Die internationale Presse hat mit Besorgnis auf den Aufstieg des Rassemblement National (RN) bei den französischen Parlamentswahlen reagiert. Von Deutschland bis zu den USA, von der Schweiz bis nach Algerien – die Weltpresse äußert sich alarmiert über den Wahlerfolg der extremen Rechten.

„Ein neues Frankreich erwacht“

Der griechische „To Vima“ schreibt: „Der erste Tag eines unbekannten Frankreichs bricht an.“ Die BBC betont die historische Bedeutung dieses Ereignisses: „Täuschen Sie sich nicht, das ist historisch.“ Der britische „The Spectator“ merkt an, dass es offensichtlich keine Hemmungen mehr gebe, für eine Partei zu stimmen, die Marine Le Pen 2018 in Rassemblement National umbenannt hat, während das deutsche Magazin „Der Spiegel“ bedauert, dass die Wahl extremer Rechter zur Normalität geworden sei.

Ein Erdrutschsieg für den RN

Am Sonntag erreichte der RN und seine Verbündeten mit 33,15 % der Stimmen ihr bestes Ergebnis bei einer Wahl und erhielten 10,6 Millionen Stimmen. Die internationale Presse spricht von einem „vernichtenden Scheitern“ des französischen Präsidenten Emmanuel Macron und fragt sich, warum mehr als ein Drittel der französischen Wähler die extreme Rechte unterstützt.

„Das Ende des Macronismus“

„Es ist, als würden die Leute im Supermarkt Nudeln auswählen“, spottet „Der Spiegel“ über die Argumentation vieler Wähler, die sagen, man solle es mit dem RN versuchen, da man ihn noch nie getestet habe. Nach der Auflösung der Nationalversammlung durch Macron sind die deutschen Medien besonders scharf in ihrer Kritik. Die „Süddeutsche Zeitung“ spricht von einem „Pokerspiel“, das der extremen Rechten Tür und Tor geöffnet habe.

„Die Wahl begräbt den Macronismus“, titelt die konservative „Die Welt“ und wirft Macron vor, mit seiner „Ich oder das Chaos“-Strategie einen schlechten Plan verfolgt zu haben. Der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ zufolge steuert Frankreich auf eine politische Blockade zu, was Russland gefallen dürfte.

„Die Demokratie in Frankreich spricht – und sie macht Angst“

In Großbritannien sind die französischen Parlamentswahlen ebenfalls ein großes Thema. „The Times“ titelt: „Die französische Rechte demütigt Macron“, und der „Daily Mail“ warnt vor wirtschaftlicher und politischer Instabilität, die schlußendlich Macron zu verantworten habe. Der Brexit-Befürworter „Daily Mail“ sieht eine Krise für die EU heraufziehen, sollte der RN die Regierung übernehmen.

In Italien, wo die extrem rechte Giorgia Meloni an der Macht ist, äußert „Il Corriere della Sera“, dass die französische Rechte von den Erben de Gaulles zu denen von Vichy und Algerien übergegangen sei. „La Repubblica“ und „La Stampa“ betonen, dass noch nichts entschieden sei und begrüßen die angekündigten Abkommen zur Verhinderung eines RN-Sieges für den zweiten Wahlgang am 7. Juli.

In der Schweiz zeigt sich der „Tages-Anzeiger“ bestürzt: „Die Le-Pen-Welle zerstört Macrons Machtglanz.“ „Le Temps“ sieht in Frankreich eine „erschreckende Kapitulation“.

„Die zerrissene Republik“

Der „New York Times“ zufolge sei das Wahlergebnis ein schwerer Rückschlag für Macron. CNN vergleicht ihn mit Ikarus, der sich an der politischen Sonne verbrannt habe. Der libanesische „L’Orient-Le Jour“ sieht die Entwicklungen in Frankreich als Teil einer globalen Dynamik, die von Ängsten und Identitätskrisen geprägt ist.

Der algerische „L’Expression“ spricht von einer „historischen Stunde“ für den RN, dessen Aufstieg viele Algerier beunruhigt. Die Online-Plattform TSA warnt, dass die Franzosen den RN nicht aus wirtschaftlichen, sondern aus fremdenfeindlichen Gründen gewählt haben. Die feindliche Haltung des RN gegenüber Algeriern und anderen Einwanderern spiegelt die zunehmende Spaltung der Gesellschaft wider.

Ein ernüchterndes Fazit

Die internationale Presse sieht in den jüngsten Wahlergebnissen Frankreichs nicht nur ein nationales, sondern ein europäisches Problem. Die Besorgnis über die Normalisierung der extremen Rechten und die Unsicherheit über die Zukunft des Landes sind weit verbreitet. Klar ist, dass die politischen Entscheidungen und die gesellschaftliche Stimmung in Frankreich nicht nur das Land selbst, sondern auch seine Nachbarn und Partner beeinflussen werden. Die Frage bleibt: Wie wird Frankreich diese tiefen Risse heilen?


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