Tag & Nacht

Laut einem Bericht der Organisation Oxfam haben in den vergangenen 3 Jahren „die fünf reichsten Menschen ihr Vermögen verdoppelt, während fünf Milliarden Menschen 20 Milliarden Euro verloren haben“. Laut der Millionenerbin Marlene Engelhorn müssen die Reichen stärker besteuert werden, um viele Krisen zu lösen. Ganz einfach „weil sie zahlen können“.

In Davos findet vom 15. bis 20. Januar das Weltwirtschaftsforum statt. Die Österreicherin Marlene Engelhorn, Teil-Erbin des Unternehmens BASF äussert sich gegenüber dem französischen Sender Franceinfo. Marlene Engelhorn fordert eine höhere Besteuerung für Reiche und Superreiche zu Gunsten des Gemeinwohls und ist nach Davos gekommen, um dies deutlich zu machen.



Marlene Engelhorn hat ihr vermögen, über dessen Höhe sie nicht öffentlich sprechen möchte, vor eineinhalb Jahren geerbt und sagt dazu: „Natürlich war ich überglücklich, Zugang zu diesem Geld, zu diesem Erbe zu haben. Ich kann die genaue Summe allerdings nicht öffentlich nennen, weil es nicht nur mich betrifft, sondern auch meine Familie. Ich versuche, so transparent wie möglich zu sein. Aber wie alle „Superreichen“ bin ich nicht vollkommen transparent und es ist mir peinlich, dass ich es nicht bin“.

Engelhorn bestätigt aber, dass sie persönlich zwischen 20 und 50 Millionen Euro geerbt hat: „Ja, und ich verteile derzeit 25 Millionen Euro durch die Initiative einer Bürgerversammlung.“

In Österreich gibt es keinerlei Steuern auf Erbschaften und Engelhorn sagt, dass sie lediglich die üblichen steuern zahlt, wenn sie etwas kauft. Dann zahle sie die gleichen Steuern „wie alle anderen auch. Ansonsten nichts. Ich arbeite auch nicht für ein Gehalt, also zahle ich auch „diese Steuern nicht“.

Zur Zeit zahlt sie trotz ihres Reichtums keinerlei Steuern – wäre aber stolz darauf, ihrem Reichtum entsprechende Steuern zu entrichten.

Am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos – offiziell eingeladen ist Engelhorn nicht – sagt sie: „Man muss mich besteuern, aber nicht nur mich. Das ist kein privates Problem, sondern ein öffentliches. Wenn große Vermögen sich wirklich vor der Besteuerung verstecken können, dann haben wir ein Problem mit globalen Ungleichheiten und auch mit nationalen Ungleichheiten. Heute haben wir den Oxfam-Bericht vorliegen, der zeigt, dass die fünf reichsten Menschen – alles Männer – ihr Vermögen in den letzten drei Jahren verdoppelt haben, während fünf Milliarden Menschen auf der Welt 20 Milliarden Euro verloren haben.“

Marlene Engelhorn ist in diesem Kampf nicht allein. Es gibt mehrere prominente Milliardäre, allen voran Warren Buffett, die sich seit Jahren über die fehlende Besteuerung der Reichsten äußern und fordern, dass sie gerechter besteuert werden. laut Engekhorn fehle es jedoch an politischem Mut, um einen solchen Schritt zu gehen.

Auch Emmanuel Macron hat, seit er an der Macht ist, die Vermögenssteuer in Frankreich abgeschafft.

Angesichts der Inflation, der Klimakrise und der massiven öffentlichen Investitionen, die in Zukunft notwendig sind, taucht in der öffentlichen Debatte immerhin die Idee einer „Klima“-Vermögenssteuer wieder auf. Es gibt Wirtschaftswissenschaftler, allen voran der Franzose Gabriel Zucman, die die Einführung einer weltweiten Vermögenssteuer in Höhe von (nur) 2% fordern. Eine solche Steuer könnte weltweit 200 Milliarden Euro pro Jahr einbringen.

Marlene Engelhorn hat mit dem Forsythe-Institut eine „Bürgerversammlung“ gegründet. Sie hat 10.000 Einladungen an Einwohner Österreichs verschickt, um an dieser Bürgerversammlung teilzunehmen. Personen, die zu einer Teilnahme bereit sind, erhalten einen Fragebogen vom Forsythe-Institut. Aus den Einsendungen werden 50 Personen ausgewählt, die die österreichische Bevölkerung am besten repräsentieren. Und diese 50 Personen werden dann die Aufgabe haben, über Fragen der Verteilung von Vermögen und Reichtum in der Bevölkerung zu diskutieren. Und Ideen zu entwickeln, wie die derzeitigen Verhältnisse geändert werden können.

Marlene Engelhorn bietet 25 Millionen Euro als Budget an, damit diese Gruppe von Menschen echte, konkrete Entscheidungen treffen und Projekte umsetzen kann. „Ich weiß nicht, was sie entscheiden werden. Die Entscheidung wird Anfang Juni erwartet und dann werden wir sehen“, sagt die Millionenerbin.


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