Tag & Nacht

Inmitten der globalen Klimakrise kämpfen Kanada und Brasilien mit extremen Wetterbedingungen, die Leben und Infrastruktur bedrohen. Während im Westen Kanadas massive Waldbrände wüten, wird der Süden Brasiliens von verheerenden Überschwemmungen heimgesucht. Beide Länder stehen vor enormen Herausforderungen, die ihre Rettungsdienste überfordern.

Verheerende Brände in Kanada

In Kanadas Westen zwingen gewaltige Waldbrände tausende Menschen zur Flucht. Betroffen sind unter anderem die 4.000 Einwohner von Fort Nelson und einem benachbarten Dorf der First Nations, die mehrere Stunden entfernt Zuflucht suchen müssen. In Alberta, wo bereits vor acht Jahren verheerende Brände wüteten, haben Teile der 68.000 Einwohner von Fort McMurray ihre Häuser verlassen. Auch in Manitoba lodern Flammen, die durch Blitzschläge entfacht wurden.

Die Brände beginnen ungewöhnlich früh in der Saison, da der Westen Kanadas seit Jahren unter einem erheblichen Niederschlagsdefizit leidet und die Temperaturen weit über den saisonalen Durchschnitt steigen. Trockene Böden im Frühjahr machen die Region besonders anfällig für Brände. Laut dem Ökologieforscher Yan Boulanger sind viele der derzeitigen Brände Überbleibsel der großen Brände vom Vorjahr, die den Winter unter der Schneedecke überdauert haben und nun wieder aufflammen.

„Mehrere dieser Brände, die in diesem Jahr viel Land verbrannt haben, sind eigentlich Brände, die sich letztes Jahr nie wirklich gelegt haben, sondern den Winter einfach unter dem Schnee in der Humusschicht überstanden haben“, erklärt Boulanger. Dies stellt die Rettungskräfte vor große Herausforderungen, da Brände an mehreren Orten gleichzeitig ausbrechen.

Prognosen für den Sommer

Klimamodelle deuten darauf hin, dass starker Temperaturanstieg und Niederschlagsmangel auch diesen Sommer wieder auftreten könnten. Boulanger betont, dass die Kanadier lernen müssen, mit Waldbränden zu leben, besonders im Westen des Landes. Städte und Dörfer pflanzen bereits weniger entzündliche Pflanzen in der Nähe von Wohngebieten, und die Bewohner sind zunehmend auf die Brandgefahr vorbereitet. Trotz intensiver Bemühungen fehlt es Kanada jedoch an einer ausreichenden Anzahl von Löschflugzeugen.

Katastrophale Überschwemmungen in Brasilien

Im brasilianischen Bundesstaat Rio Grande do Sul, einer wichtigen Agrarregion, haben sintflutartige Regenfälle in den letzten zwei Wochen rund 150 Menschen das Leben gekostet und massive Zerstörungen angerichtet. Über 90% der Gemeinden sind betroffen, mehr als zwei Millionen Menschen leiden unter den Auswirkungen, und die Infrastruktur ist schwer beschädigt.

Tausende Militärangehörige, Polizisten und Regierungsbeamten sind im Einsatz, aber die Rettungsdienste sind angesichts des Ausmaßes der Katastrophe überfordert. Zivilisten haben sich freiwillig gemeldet, um bei Rettungsaktionen, Aufräumarbeiten und der Verteilung von Wasser und Lebensmitteln zu helfen. Gleichzeitig müssen sie gegen Kriminelle vorgehen, die die Situation ausnutzen, und sich auf die Bekämpfung von durch verschmutztes Wasser verursachten Krankheiten vorbereiten.

Reaktion der Regierung

Präsident Lula hat eingeräumt, dass Brasilien auf eine solche Katastrophe nicht vorbereitet war. „Das ist eine Katastrophe, auf die wir nicht vorbereitet waren. Wir hatten schon Überschwemmungen, aber nie in diesem Ausmaß“, sagte Lula. Angesichts der Situation hat er alle seine Minister zu einer Sondersitzung einberufen und eine geplante Reise nach Chile abgesagt, um vor Ort zu sein.

In Porto Alegre, der Hauptstadt des Bundesstaates, schien der Pegel des Flusses Guaíba zunächst zu sinken, was den Bewohnern Hoffnung gab. Doch erneute sintflutartige Regenfälle haben den Wasserstand wieder ansteigen lassen, sodass der Rekord der letzten Woche möglicherweise noch überschritten wird. Erdrutsche bleiben ein großes Risiko, und während die Niederschläge bis Ende der Woche weniger intensiv sein sollen, wird erwartet, dass die Temperaturen deutlich sinken. Die Behörden müssen sich nun um die 600.000 Menschen kümmern, die ihre Häuser verlassen haben, darunter 81.000, die in Notunterkünften untergebracht sind.

Fazit

Die Klimakrise zeigt sich in Kanada und Brasilien in ihrer ganzen Härte. Beide Länder stehen vor immensen Herausforderungen, um die Sicherheit und das Wohl ihrer Bürger zu gewährleisten. Während Kanada mit den immer häufiger auftretenden Waldbränden kämpft, muss Brasilien die Folgen verheerender Überschwemmungen bewältigen. Diese extremen Wetterereignisse unterstreichen die dringende Notwendigkeit globaler Klimaschutzmaßnahmen und robuster Notfallpläne.


Du möchtest immer die neuesten Nachrichten aus Frankreich?
Abonniere einfach den Newsletter unserer Chefredaktion!