Tag & Nacht


Ein Schiff, abgeschnitten vom Festland, die Weite des Atlantiks ringsum – und an Bord eine unsichtbare Bedrohung. Was sich derzeit auf der MV Hondius abspielt, erinnert an ein Kammerspiel unter Extrembedingungen: mehrere Schwerkranke, drei Tote – darunter wohl auch ein Deutscher – und eine wachsende Ungewissheit darüber, womit man es eigentlich zu tun hat.

Rund 150 Menschen, unter ihnen wohl auch 5 Franzosen, befinden sich auf dem Expeditionsschiff, darunter auch fünf Franzosen. Die Reise, die ursprünglich von Argentinien in Richtung Nordatlantik führen sollte, nahm eine abrupte Wendung, als erste Passagiere über schwere Atemprobleme klagten. Innerhalb kurzer Zeit verschlechterte sich der Zustand einiger Betroffener dramatisch. Bordmedizin wurde zur Notfallmedizin – mit begrenzten Mitteln, auf offener See.

Die Entscheidung, Kurs auf die Inselgruppe Kap Verde zu nehmen, lag nahe. Doch dort stieß das Schiff zunächst auf eine Mauer der Vorsicht. Die Behörden verweigerten das Anlegen – aus Sorge, ein potenziell gefährlicher Erreger könne eingeschleppt werden. Ein Dilemma, wie es in global vernetzten Zeiten häufiger auftritt: Hilfe leisten oder Risiken minimieren?

Im Zentrum der Ermittlungen steht ein Verdacht, der selbst Fachleute aufhorchen lässt. Es geht um das Hantavirus, eine seltene, aber ernstzunehmende Infektion, die üblicherweise durch Kontakt mit Ausscheidungen infizierter Nagetiere übertragen wird. Dass ein solcher Erreger auf einem Schiff vermutet wird, wirft Fragen auf. Woher kam die Quelle? Gab es unentdeckte Tiere an Bord? Oder lag die Infektion bereits vor Reisebeginn vor?



Die Symptome passen jedenfalls ins Bild: Fieber, rasche Erschöpfung, schließlich Atemnot – und das in einem Tempo, das selbst erfahrene Mediziner alarmiert. Besonders die pulmonale Verlaufsform gilt als tückisch. Sie schlägt schnell zu, oft unerwartet. Man kann sich das vorstellen wie ein Sturm, der sich erst am Horizont andeutet – und dann plötzlich mit voller Wucht hereinbricht.

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor schwingt im Hintergrund mit. Zwar gelten Hantaviren in der Regel nicht als von Mensch zu Mensch übertragbar. Doch einzelne Fälle, vor allem aus Südamerika, deuten darauf hin, dass Ausnahmen existieren könnten. Genau dieser Gedanke sorgt derzeit für erhöhte Wachsamkeit.

Kreuzfahrtschiffe galten schon lange vor der Covid-19-Pandemie als sensible Räume für Infektionsgeschehen. Enge Kabinen, gemeinschaftliche Bereiche, eine geteilte Luftzirkulation – ideale Bedingungen für die Verbreitung von Krankheitserregern. Die Branche hat aus früheren Krisen gelernt, ihre Hygienekonzepte verschärft. Doch seltene Erreger halten sich nicht an Standardprotokolle.

Inzwischen richtet sich der Blick auf die Kanarischen Inseln, wo medizinische Infrastruktur und Isolationsmöglichkeiten besser vorbereitet sind. Eine Evakuierung dorthin scheint greifbar.

Und doch bleibt ein schaler Nachgeschmack. Der Vorfall zeigt, wie schnell selbst abgelegene Orte zu Brennpunkten globaler Gesundheitsfragen werden können. Ein Schiff mitten im Ozean – und plötzlich steht die Welt still.

Autor: Andreas M. B.

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