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À la une · 21.10.2024 08:14

Elisabeth Borne: Die mutige Stimme gegen Sexismus in der Politik

Die französische Politikerin Elisabeth Borne hat in ihrer Zeit als Premierministerin deutlich gemacht, dass Sexismus in der Politik nicht nur ein Relikt der Vergangenheit ist, sondern weiterhin existiert – auf subtile, aber niuchut minder...

Die französische Politikerin Elisabeth Borne hat in ihrer Zeit als Premierministerin deutlich gemacht, dass Sexismus in der Politik nicht nur ein Relikt der Vergangenheit ist, sondern weiterhin existiert – auf subtile, aber niuchut minder schmerzhafte Weise. In verschiedenen Interviews und Stellungnahmen sprach sie über den ständigen Druck, den Frauen in politischen Ämtern ertragen müssen, insbesondere über die Oberflächlichkeiten, an denen sie gemessen werden.

Statt ihre politischen Leistungen zu bewerten, werde bei Frauen oft der Fokus auf Äußerlichkeiten wie Kleidung, Aussehen oder sogar ihre Essgewohnheiten gelegt. Diese Form der Kritik erlebte Borne hautnah, als sie sich wiederholt gegen eine solche oberflächliche Betrachtung zur Wehr setzen musste. Ihre Botschaft: Was die Menschen von einer Premierministerin oder einem Minister erwarten, ist keine Modeanalyse, sondern inhaltliche Arbeit, strategische Entscheidungen und Führungskompetenz.

Sexismus im politischen Alltag

In Frankreich – wie auch in vielen anderen Ländern – gilt die Politik immer noch als männerdominierte Sphäre. Borne, die 2022 als zweite Frau in der Geschichte Frankreichs das Amt der Premierministerin übernahm, beschreibt, wie sich dieser „insidieuse Sexismus“ äußert: nicht in offen feindseligen Angriffen, sondern in unterschwelligen, oft nicht einmal bewussten Bewertungen, die auf Geschlechterstereotypen beruhen. Es geht um „männliche Codes“, wie sie es nennt, in denen Frauen oft weniger ernst genommen werden – ein ständiger Kampf gegen das Schubladendenken.

Ein besonders einprägsames Beispiel lieferte sie, als sie die absurde Beobachtung erwähnte, dass Frauen bis heute in erster Linie nach ihrem Äußeren bewertet werden. Es wird darüber gesprochen, was sie tragen, wie sie auftreten oder ob sie einem stereotypen Bild entsprechen. Für Borne ist klar, dass diese Art der Betrachtung nichts mit der eigentlichen Verantwortung eines politischen Amtes zu tun hat.

Persönliche Erfahrungen als weibliche Premierministerin

Während ihrer Amtszeit war Borne oft Zielscheibe von Angriffen, die nichts mit ihrer Politik zu tun hatten. Insbesondere ihr schlichtes Auftreten und ihre nüchterne Art wurden in den Medien überproportional thematisiert. In Interviews betonte sie, dass Männer in solchen Positionen weitaus weniger mit solchen Beurteilungen konfrontiert werden – sie können sich ohne große Aufregung auf das Wesentliche konzentrieren.

In einem Buch, das sie nach ihrem Amtsende veröffentlichte, reflektierte Borne detailliert über diese Erfahrungen. Sie beschrieb, wie sie sich trotz aller Widrigkeiten durchsetzen musste, was auch ihr Aufstieg zur Premierministerin prägte. Ihre Fähigkeit, ruhig zu bleiben und sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren, wurde oft als Kälte oder Distanz ausgelegt – wieder ein typisches Beispiel, wie Frauen in Machtpositionen mit anderen Maßstäben gemessen werden.

Doch diese Angriffe verfehlten ihr Ziel: Statt sich zurückzuziehen, machte Borne auf diese sexistischen Mechanismen aufmerksam und prangerte sie an. „Man erwartet von uns, dass wir als Politiker arbeiten – nicht als Models“, lautet ihre klare Botschaft.

Die Zukunft: Kampf gegen veraltete Geschlechterrollen

Elisabeth Borne hat den Diskurs um Frauen in Führungspositionen verändert, indem sie auf diese „alltäglichen“ Formen des Sexismus hingewiesen hat. Dabei stellte sie nicht nur fest, dass Frauen in der Politik noch immer mit veralteten Geschlechterrollen zu kämpfen haben, sondern machte auch deutlich, dass diese Probleme tief in der gesellschaftlichen Wahrnehmung verankert sind. In einem Land, das stolz auf seine Prinzipien von Freiheit und Gleichheit ist, erscheint es paradox, dass Frauen in der Politik weiterhin solchen Hindernissen begegnen.

Was bedeutet das für die Zukunft? Der Wandel kommt langsam, aber er kommt. Borne selbst sieht Fortschritte, aber es gibt noch viel zu tun. Für sie bleibt die politische Bühne ein Ort, an dem Geschlechtergerechtigkeit nicht nur diskutiert, sondern aktiv gelebt werden muss. Wer, wenn nicht sie, kann dies mit so viel Entschlossenheit voranbringen?

Frauen in der Politik müssen ihre Kompetenzen immer wieder unter Beweis stellen – oft mehr als ihre männlichen Kollegen. Doch eines ist sicher: Elisabeth Borne hat durch ihre Offenheit und ihren Mut den Grundstein für eine neue, stärkere Generation von Frauen in der Politik gelegt, die sich nicht länger in veraltete Schubladen stecken lässt.

Wie lange dauert es wohl noch, bis solche Oberflächlichkeiten der Vergangenheit angehören?

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