Tag & Nacht

Die renommierte Autobahn A13 ist seit Freitag gesperrt und bleibt es mindestens bis Montagabend. Warum? Eine 50 bis 80 cm tiefe Rissbildung, die sich quer über die Autobahn zieht, hat zur kompletten Schließung zwischen Paris und Vaucresson (Hauts-de-Seine) geführt. François Durovray, Präsident des Departementrats von Essonne und Mitglied der Versammlung der französischen Departements, verkündet besorgt, dass Frankreich „innerhalb weniger Jahre“ von der ersten auf die achtzehnte Stelle im weltweiten Ranking der Straßenqualität abgerutscht ist. Aber wie konnte es so weit kommen?

Das steile Gefälle der französischen Straßenqualität

Noch 2012 belegte Frankreich stolz den weltweit ersten Platz bei der Qualität der Straßeninfrastruktur. Sieben Jahre später fand sich das Land jedoch nur noch auf Rang 18 wieder – weit hinter Spitzenreitern wie Singapur, den Niederlanden und der Schweiz. Diese Bewertung des Weltwirtschaftsforums beruht auf der subjektiven Wahrnehmung der Anwohner, was sie zwar persönlich färbt, jedoch nicht minder besorgniserregend macht. 2019 stellte sich heraus, dass fast 19% der nationalen Straßen und rund 10% der Departement- und Gemeindestraßen in einem „schlechten Zustand“ waren.

Das Problem: Unterfinanzierung

Von 2007 bis 2017 wurde offensichtlich zu wenig in das französische Straßennetz investiert. Ein Bericht aus 2018 offenbart, dass Frankreich jährlich etwa 50.000 Euro pro Kilometer Straße ausgab, während das Vereinigte Königreich rund 80.000 Euro investierte. Diese Unterinvestition konnte die fortschreitende Verschlechterung des Netzes nicht stoppen, so die Experten.

Die Kehrtwende bei den Kommunen

Seit 2018 scheint sich das Blatt jedoch zu wenden. Lokale Behörden haben ihre Investitionen erhöht, und der Zustand der Straßen stabilisiert sich. Pierre Dumas vom Nationalen Straßenobservatorium betont, dass der Zustand der Straßen sich nicht weiter verschlechtert habe und sogar die Zahl der Straßen in schlechtem Zustand rückläufig sei. Es zeigt sich: Regelmäßige Wartung ist kostengünstiger als großangelegte Sanierungsarbeiten.

Können wir also aufatmen?

Mitnichten! Die aktuellen Bemühungen sind lobenswert, doch das grundlegende Problem der Unterfinanzierung bleibt bestehen. Werden die französischen Straßen jemals wieder zu ihrem früheren Glanz zurückkehren? Das bleibt abzuwarten. Doch eines ist sicher: Die Qualität einer Infrastruktur spiegelt oft die Prioritäten einer Gesellschaft wider – und hier hat Frankreich offensichtlich noch einiges aufzuholen. Warum also warten, bis die Probleme so groß werden, dass sie nicht mehr zu übersehen sind?

Die Situation der französischen Straßen ist mehr als nur ein Weckruf. Sie ist ein klarer Indikator dafür, dass kontinuierliche Investitionen und Wartungen unerlässlich sind, um die Sicherheit und Effizienz unserer alltäglichen Wege zu gewährleisten. Man kann nur hoffen, dass die Verantwortlichen aus den vergangenen Fehlern lernen und notwendige Schritte unternehmen, um Frankreich wieder an die Spitze der weltweiten Straßenqualität zu führen.


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